Westjordanland
Illegale jüdische Siedlung mit Gewalt geräumt

Rund 6000 israelische Sicherheitskräfte haben im Westjordanland neun illegal errichtete Häuser in der jüdischen Siedlung Amona zwangsgeräumt. Dabei kam es zu heftigen Zusammenstößen mit rund 5000 Bewohnern und Demonstranten.

HB JERUSALEM. Das Oberste Gericht Israels hatte am Vorabend die Zerstörung der auf dem Grund von Palästinensern errichteten Häuser angeordnet. Daraufhin rückten am Morgen Soldaten und Polizisten in Kampfausrüstung an, einige von ihnen auch beritten. Die Siedler erwarteten sie hinter Stacheldrahtbarrieren, mehrere hundert Menschen verschanzten sich auf Hausdächern. Sie bewarfen die Soldaten mit Steinen, Farbballons und Eiern. Die Soldaten setzten Wasserwerfer ein und begannen, die Häuser zu stürmen. Sie stiegen mit Hilfe von Leitern auf Dächer und führten zahlreiche Siedler ab. Mindestens 40 Menschen wurden nach Polizeiangaben festgenommen.

Auf beiden Seiten wurden zahlreiche Menschen verletzt. Nach Polizeiangaben waren mehr als 50 Beamte unter den Verletzten, die Siedler gaben die Zahl der Verletzten mit mehr als 220 an. Krankenhausmitarbeiter erklärten, 82 Menschen seien behandelt worden. Die Truppen brachten Bulldozer für die Zerstörung der Häuser in Stellung. Dichter schwarzer Rauch lag über Amona, weil die Siedler Autoreifen in Brand setzten. Bis Mittag waren die ersten Häuser abgerissen.

Unter den Verletzten sind auch zwei rechtsgerichtete Abgeordnete des Parlaments. „Sie behandeln die Leute hier wie Araber“, sagte der Abgeordnete Arieh Aldad, der nach eigenen Angaben einen Armbruch erlitt.

Die Regierung ergreife in Amona die nötigen Schritte zur Sicherung des Rechts, sagte David Baker vom Büro des Ministerpräsidenten. Das Recht müsse gegen Unruhestifter durchgesetzt werden, sagte Verteidigungsminister Schaul Mofas in Armeerundfunk. Es war die erste Zwangsräumung von Häusern jüdischer Siedler seit dem israelischen Rückzug aus dem Gazastreifen im vergangenen Sommer.

Die Räumung gilt als Test für den amtierenden Regierungschef Ehud Olmert, der ein entschlossenes Vorgehen gegen illegale Siedlungen angekündigt hat. Seit Mitte der 90er Jahre haben Siedler Dutzende ungenehmigte Außenposten auf dem Land von Palästinensern errichtet. Nach dem internationalen Friedensplan der „Road Map“ hat sich Israel verpflichtet, diese illegalen Siedlungen zu räumen. Amona liegt nördlich von Jerusalem in der Nähe der Stadt Ramallah.

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