Westjordanland
Israel belagert palästinensisches Gefängnis

Israelische Truppen belagern seit dem Morgen ein Gefängnis im palästinensischen Westjordanland, in dem der Chef der Terrororganisation PFLP einsitzt. Die Armee will ihn nach Israel bringen und dort inhaftieren, weil die israelische Führung fürchtet, er könnte freigelassen werden.

HB JERICHO. Nachdem die Armee am Dienstagmorgen mit dutzenden von Fahrzeugen vor der Haftanstalt in Jericho aufgezogen war, kam es bis zum Mittag zu Schusswechseln mit dem palästinensischen Wachpersonal. Zwei Palästinenser wurden getötet, darunter ein Häftling. Per Lautsprecher forderten die israelischen Truppen die etwa 200 Insassen des Gefängnisses auf, sich zu ergeben. Rund ein Viertel kam dieser Forderung bis zum Mittag nach.

Eigentliches Ziel des Einsatzes ist der Chef der Palästinensischen Front zur Befreiung Palästinas (PFLP), Ahmed Saadat. Er sitzt mit mehreren Komplizen seit 2002 für den Mord am israelischen Tourismusminister Rehawam Seewi im Jahr 2001 in dem Gefängnis. Wie die Armee in Tel Aviv erklärte, sollen Saadat und weitere Männer für den Mord an Seewi festgenommen werden. Die bei den Wahlen siegreiche Palästinenserorganisation Hamas und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatten in den vergangenen Wochen durchblicken lassen, dass sie eine Freilassung Saadats planen.

Saadat will sich den Israelis nicht stellen. Die Soldaten müssten ihn tot oder lebendig aus dem Gefängnis holen, wenn sie ihn festnehmen wollten, sagte Saadat dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira.

Aus Protest gegen die israelische Militäraktion steckten radikale Palästinenser in Gaza-Stadt das Kulturinstitut British Council in Brand. Sicherheitskräfte hatten zuvor vergeblich versucht, die Demonstranten von dem leerstehenden Gebäude fernzuhalten. Auch die bereits geschlossene Vertretung der Europäischen Union sei attackiert worden, berichteten Augenzeugen. Auf beide Gebäude wurden Schüsse abgefeuert.

Der ultra-rechte Politiker Seewi war vor einem Hotelzimmer in Jerusalem durch mehrere Schüsse getötet worden. Die PFLP hatte erklärt, mit der Bluttat Vergeltung für die Liquidierung ihres ehemaligen Vorsitzenden Abu Ali Mustafa durch Israel üben zu wollen. Saadat soll den Mord befohlen haben.

Unmittelbar vor dem Armee-Einsatz in Jericho hatten die USA und Großbritannien ihre Beobachter aus dem Gefängnis abgezogen. Großbritannien beschuldigte die Palästinenser-Regierung, die Abmachungen für die Inhaftierung des Extremisten nicht eingehalten zu haben. „Die Palästinenser-Behörde hat die Vereinbarung, unter der die internationalen Beobachter arbeiten, ständig nicht erfüllt“, erklärte der britische Außenminister Jack Straw. „Am Ende hat die Sicherheit unseres Personals Vorrang.“

Britischen und US-Vertretern zufolge haben die beiden Staaten vor wenigen Tagen in einem Brief an die Palästinenser-Regierung den Abzug ihrer Beobachter angekündigt, weil die Sicherheitsvorkehrungen nicht verbessert worden seien. Israel habe eine Kopie der Ankündigung vom 8. März erhalten.

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