Westjordanland
Israels schließt Abzug im Eiltempo ab

Israel hat am Dienstag nach nur einer Woche die Räumung von 25 jüdischen Siedlungen in den besetzten Palästinensergebieten abgeschlossen. Als letzte wurden die beiden Außenposten Sanur und Homesch im Westjordanland evakuiert.

HB JERUSALEM. Spezialeinheiten der Polizei stürmten in den Siedlungen am Dienstag mehrere Gebäude, in denen sich Demonstranten verbarrikadiert hatten, und trugen Gegner des Abzugs weg. Die meisten Siedlerfamilien rückten unter Zwang ab oder leisteten passiven Widerstand.

In Sanur stürmten Sicherheitskräfte eine von Demonstranten besetzte ehemalige Polizeistation, die ein Brennpunkt des Widerstandes war. Auf dem Dach des Gebäudes hatten sich etwa 30 Demonstranten verschanzt, die von Polizisten mit Hilfe von Kränen und Containern heruntergeholt wurden. Die Beamten setzten dabei Tränengas ein. Zuvor hatten die Sicherheitskräfte versucht, die Räumungsgegner in Verhandlungen zur Aufgabe zu bewegen.

Bereits am Vormittag war die Polizei bei der Räumung einer alten Zitadelle in Sanur heftig attackiert worden. Wütende Siedler und Sympathisanten bewarfen die Sicherheitskräfte mit kochendem Öl, Flaschen, Glühbirnen, Farbe und Ketchup.


» Bilder vom israelischen Abzug



In Homesch waren israelische Einheiten am Morgen durch ein Loch im Zaun in die Siedlung gelangt, deren Eingang Abzugsgegner mit Holzplanken und Stacheldraht verbarrikadiert hatten. Bulldozer durchbrachen danach in beiden Siedlungen die Tore. Bei anschließenden Handgemengen gab es mehrere Leichtverletzte. Eine Armeesprecherin sagte, zwei Soldaten seien von Demonstranten attackiert und leicht verletzt worden. Nach israelischen Medienberichten waren 15000 Räumungskräfte im Einsatz.

Die Räumung im Westjordanland verlief jedoch friedlicher als befürchtet. Die Sicherheitskräfte hatten mit einer möglichen Eskalation gerechnet, da unter den angereisten Demonstranten gewaltbereite Extremisten seien, die über Waffen verfügten. Der Einsatz verlief dann jedoch nach Plan. Bis zum späten Nachmittag hatten die Sicherheitskräfte aus Sanur 540 Menschen und aus Homesch 330 Menschen abtransportiert. Damit war die Evakuierung der Siedlungen praktisch beendet.

Palästine»nserpräsident Abbas lobte die Räumung der Siedlungen in einem Telefongespräch mit dem israelischen Staatspräsidenten Mosche Katzav. Er hoffe auf ein neues Kapitel in den Beziehungen zwischen Palästinensern und Israel, zitierte ihn die amtliche palästinensische Nachrichtenagentur Wafa. Die Palästinenser erwarteten einen Wiederbeginn des Friedensprozesses und wollten eine gerechte, umfassende und dauerhafte Friedenslösung.

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