Wettbewerbsfähigkeit
Standort-Rankings werfen Fragen auf

Glaubt man den Standort-Rankings der Forscher, gehören die USA auch nach der Krise zu den wettbewerbsfähigsten Staaten der Welt. Deutschland muss sich dagegen hinten anstellen. Doch die Ranglisten der Forscher sind umstritten, denn sie haben einen gravierenden Schwachpunkt.

DÜSSELDORF/WASHINGTON. Die schwerste Finanz- und Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten hat in den jährlichen Standort-Ranglisten der Weltbank und des Weltwirtschaftsforums kaum Spuren hinterlassen. Unverändert attestieren die Forscher beider Institutionen den USA eine hervorragende Wettbewerbsfähigkeit. Auch sonst finden sich an den Spitzen der Ranglisten die üblichen Verdächtigen wie die Schweiz, die skandinavischen Länder und der Stadtstaat Singapur sowie die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong. Deutschland hingegen muss sich wie gewohnt Kritik wegen überbordender Bürokratie, hoher Steuern und unflexibler Arbeitsmärkte anhören.

Der jüngste Bericht „Doing Business“ der Weltbank-Tochter IFC kommt zu dem Schluss, dass die Regierungen zwischen Sommer 2008 und Sommer 2009 gesteigerten Reformeifer an den Tag gelegt haben. Die Bürokratie ist danach weltweit trotz der Staatseingriffe zur Rettung von Banken und Industriekonzernen auf dem Rückzug.

An der Spitze der besonders unternehmerfreundlichen Wirtschaftsräume sieht die Weltbank Singapur, gefolgt von Neuseeland und Hongkong. Und obwohl die US-Kreditwirtschaft während des Untersuchungszeitraums nur durch massive staatliche Interventionen stabilisiert werden konnte, rangieren die USA weiter auf Rang vier. Dahinter kommen ebenfalls stark von der Krise erfasste Länder wie Dänemark und Irland. Deutschland verbesserte sich zwar um zwei Plätze auf Rang 25, ist dort aber von den Krisenherden Estland und Litauen eingerahmt. Island, das de facto einen Staatsbankrott zu beklagen hatte, findet sich auf Rang 14.

Die Autoren weisen denn auch ausdrücklich darauf hin, dass sie makroökonomische Faktoren oder auch die Stabilität des Finanzsystems in ihrer Studie nicht erfassten. Das allerdings erscheint als gravierender Schwachpunkt – „Doing Business“ wird ohne ein funktionsfähiges Bankwesen schwierig.

Noch besser als bei der Weltbank schneiden die USA in der jährlichen Studie des Weltwirtschaftsforums ab. Im „Globalen Wettbewerbsfähigkeits-Index“ verlieren sie zwar ihren Stammplatz an der Spitze an die Schweiz, halten sich aber vor Singapur auf Platz zwei. Die Effizienz der Arbeits- und Gütermärkte und die technologische Führungsrolle der Unternehmen würden den Amerikanern helfen, die Krise zu bewältigen, sagen die Autoren der Studie voraus.

Deutschland verteidigt in dieser Standort-Rangliste den siebten Rang knapp vor Japan. Dabei helfen die erstklassige Infrastruktur, die überdurchschnittliche Innovationsfreude der Unternehmen und stabile Institutionen. Auf der Liste der Probleme, die das Weltwirtschaftsforum identifiziert, rangieren wie im Vorjahr Steuerregeln und ein unflexibler Arbeitsmarkt ganz oben. An dritter Stelle stehen nun jedoch die Schwierigkeiten mit der Finanzierung.

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