Wettbewerbshüter gegen Google

EU nimmt Android genau unter die Lupe

Die EU-Wettbewerbshüter verschärfen den Ton gegenüber Google: Sie weiten das Verfahren gegen den Konzern aus und nehmen das Betriebssystem Android unter die Lupe. Europaparlamentarier haben bereits weitere Wünsche.
Update: 20.04.2016 - 15:17 Uhr
Mit seinem mobilen Betriebssystem dominiert Google den Markt – die EU-Kommission wirft dem Konzern vor, diese Macht zu missbrauchen. Quelle: AFP
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Mit seinem mobilen Betriebssystem dominiert Google den Markt – die EU-Kommission wirft dem Konzern vor, diese Macht zu missbrauchen.

(Foto: AFP)

BrüsselDie EU-Kommission verschärft ihr Wettbewerbsverfahren gegen den US-Internetkonzern Google. Dabei geht um es um Android, das meistbenutzte Smartphone-System der Welt, wie die Kommission am Mittwoch in Brüssel mitgeteilt hat. Google baut der Kommission zufolge seine marktbeherrschende Stellung bei der Internetsuche aus. Der Zugang zur Suchmaschine sei auf den meisten in Europa verkauften Android-Geräten vorinstalliert, Konkurrenten werde so der Marktzugang versperrt. „Unsere bisherigen Ermittlungen lassen darauf schließen, dass Google durch sein Verhalten den Verbrauchern eine größere Auswahl an mobilen Anwendungen und Dienstleistungen vorenthält (...)“, sagte die zuständige Kommissarin Margrethe Vestager.

Die Behörde hatte erste Ermittlungen zur Wettbewerbssituation bei Android vor einem Jahr eingeleitet. Die Kommission verschickte jetzt in diesem Fall offizielle Beschwerdepunkte an den US-Konzern. Dieser kann sich nun ausführlich zu den Bedenken äußern. Die Android-Untersuchung ist Teil eines größeren EU-Verfahrens gegen Google.

Falls die europäischen Wettbewerbshüter ihre Vorwürfe beweisen können und eine förmliche Entscheidung treffen, droht dem Unternehmen ein Bußgeld von bis zu 10 Prozent eines Jahresumsatzes. Dieser Rahmen wird aber üblicherweise nicht ausgeschöpft. Trotzdem droht dem Konzern ein empfindlicher Einschnitt in das wichtige Mobilgeschäft.

Googles Alphabet ist keine Neuerfindung
Ebay
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Wer bei Ebay ersteigerte, konnte direkt „hausintern“ die Rechnung begleichen – mit dem Bezahldienst Paypal. Den hatte das Online-Auktionshaus 2002 für rund 5,1 Milliarden Dollar gekauft. Doch Ebay entschied sich zur Abspaltung: Als unabhängiges Unternehmen habe Paypal „gewaltiges Potenzial“, seine Rolle als die Nummer eins bei Verbrauchern, Partnern und Händlern auszubauen, erklärte Unternehmenschef Dan Schulman...

Paypal
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Im Juli startete Paypal an der Börse. Der Kurs der Aktie stieg am ersten Tag nach der Trennung bis Börsenschluss um mehr als fünf Prozent auf 40,47 Dollar pro Aktie. Paypal wird damit mit mehr als 49 Milliarden Dollar (45 Milliarden Euro) bewertet – und überflügelt damit die ehemalige Mutter klar: Ebay ist an der Börse rund 34 Milliarden Dollar wert.

IBM
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IBM hat seine Ursprünge in der Herstellung von Büromaschinen wie Lochkartensortierern oder Tabelliermaschinen. Später standen auch Computer auf der Produktpalette des US-Konzerns. Doch diese Zeiten haben sich geändert: IBM verkaufte sein PC-Geschäft an Lenovo und die verlustbringende Chipsparte an die von einem arabischen Staatsfonds kontrollierte Firma Globalfoundries. Der Konzern will sich weg vom klassischen Computer-Geschäft und hin zu einem modernen Anbieter von Daten-Analyse und Cloud-Services entwickeln. Das gestaltet sich allerdings schwierig. Von April bis Juni sanken die Erlöse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14 Prozent auf 20,81 Milliarden Dollar, der Gewinn ging um 17 Prozent auf 3,45 Milliarden Dollar zurück. „Die Ergebnisse zeigen, dass wir uns weiter im Wandel befinden“, kommentierte IBM-Chefin Ginni Rometty die Zahlen.

Sony
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Sony (im Bild das Handheld 3DS) machte die vergangenen drei Jahre Verluste, verdient aber nach dieser langen Durststrecke inzwischen wieder ordentlich Geld. Im vergangenen Quartal gab es einen Gewinn von 82,4 Milliarden Yen (600 Millionen Euro) - drei Mal so viel wie ein Jahr zuvor. Als Retter für Sony erweisen sich immer mehr die Kamera-Sensoren, die in vielen Smartphones anderer Hersteller zum Einsatz kommen. Das eigene Handy-Geschäft bringt Sony hingegen rote Zahlen. Von seinem eigenen PC-Geschäft und der Marke Vaio hatten sich die Japaner Anfang 2014 getrennt.

Nokia
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Wer in den 1990er Jahren mobil telefonierte, der hatte bestimmt ein Nokia-Telefon in der Hand. Das finnische Unternehmen war Weltmarktführer, verschlief aber wichtige Trends und litt unter zu hohen Kosten. 2013 verkaufte Nokia seine Handysparte an Microsoft, um sich auf Netzwerkausrüstung zu konzentrieren. Mitte 2015 schlug Nokia zudem den Kartendienst Here los. Doch inzwischen läuft der Comeback-Versuch im Handy-Geschäft an: Nokia testet neue Produkte, stellt Software-Experten ein und liebäugelt mit Vertriebspartnern sowie Lizenzverträgen. Das Ass im Ärmel der Finnen ist ihr Fundus an Patenten – einem der größten der gesamten Branche. Doch bis 2016 sind Nokia die Hände gebunden, bis dahin darf der Konzern nicht mit Microsoft konkurrieren.

Hewlett-Packard
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Sie waren die ersten im Silicon Valley, doch hängen mittlerweile der Konkurrenz hinterher: Im zweiten Quartal schrumpfte der Umsatz von HP im Jahresvergleich um sieben Prozent auf 25,5 Milliarden Dollar. Der 75 Jahre alte Konzern will sein Computer- und Drucker-Geschäft in einer neuen Gesellschaft bündeln, getrennt von den zukunftsträchtigeren Bereichen mit Computerservern und Datenspeichern für Firmen sowie sonstigen Dienstleistungen.

Verizon
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Auch AOL hat eine glorreiche Vergangenheit: Zu seiner Blütezeit hatte der Internetkonzern mehr als 30 Millionen Kunden weltweit. Doch das Platzen der Internetblase machte dem Konzern zu schaffen: Im Mai 2015 wurde der Konzern für lediglich noch 4,4 Milliarden Dollar vom US-Telekommunikationsriesen Verizon aufgekauft. Der handelte damit nach seiner neuen Strategie: Verizon will im Video- und Werbegeschäft mitmischen.

Europaparlamentarier begrüßen das Vorgehen der Wettbewerbshüter. „Dass die Kommission nun das nächste Verfahren gegen Google einleitet, macht deutlich, dass Google mit seiner dominanten Marktstellung nicht verantwortungsvoll umzugehen weiß“, kommentiert der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Wettbewerbspolitik im EU-Parlament, Markus Ferber (CSU), den Brüsseler Vorstoß. Nun dürfe sich das Verfahren nicht so lange hinziehen, dass reihenweise Wettbewerber vom Markt gedrängt würden. „Gerade kleinere App-Hersteller können gegen Google nur dann bestehen, wenn es tatsächlich faire Wettbewerbsbedingungen gibt“, betonte Ferber.

Das nun angestoßene Verfahren in Sachen Android weise Ähnlichkeiten mit dem Verfahren gegen Microsoft wegen der Bündelung von Betriebssystem und Internet Explorer auf. Insofern gebe es einen Präzedenzfall, der ein schnelles Verfahren ermöglichen sollte.

Der CDU-Binnenmarktexperte, Andreas Schwab, unterstrich, dass sich jedes Unternehmen an die geltenden Spielregeln in der EU halten müsse, unabhängig davon, ob es seinen Sitz in Europa hat oder nicht. „Hier darf es keine Ausnahmen geben. Gleiche Chancen und Wettbewerbsbedingungen für alle Unternehmen bleiben ein Grundpfeiler unserer Wirtschaftsordnung“, betonte Schwab.

Vestager schreckt nicht zurück
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