What's right Retro-Treffen einer gelangweilten Generation

Mit dem G7-Gipfel beginnen auch die Gegen-Demos. Doch selten waren die Proteste so ritualisiert, langweilig und einseitig wie heute. Warum nur sind aus Che Guevaras Chlorhühnchen-Spießer, fragt sich unser Kolumnist.
19 Kommentare
Mutti Merkel lädt auf Schloss Elmau – die Demonstranten sammeln sich in München. Quelle: AFP
Gipfel-Gegner

Mutti Merkel lädt auf Schloss Elmau – die Demonstranten sammeln sich in München.

(Foto: AFP)

Vor 100 Jahren – als es noch echte Betroffenheit gab – da kämpften Demonstranten für ihr täglich Brot und gegen lebensgefährliche Gruben, für die Chance auf warmes Essen und gegen das Sterben ihrer Kinder in kalten Arbeiterhütten. Vor 50 Jahren – als die Betroffenheit nur in der Ferne lag – da demonstrierten sie gegen Kriege in Vietnam und gegen den Schah, vor allem gegen die USA und den Kapitalismus.

Heute ist selbst die Ferne entschwunden, die Betroffenheit von Demonstrationen eine schiere Konstruktion von Klimaprognosen und fiktiven Freihandelsfolgen. In der Wohlstandsgesellschaft degeneriert der Protest zum Spiel aus Kopfgeburten.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.
Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Die Anti-G7-Demonstrationen wirken jedenfalls wie Retro-Treffen einer gelangweilten Generation. Sie demonstrieren in ritualisierten Gesten wie bei einer Motto-Party oder einem Maskenball. Man verkleidet sich als Protestler und hat mit anderen Protestlern eine lässige Zeit. Manchmal treffen sich auch bloß die Schlägertrupps der Linkspartei, auch schwarzer Block der Autonomen genannt. Sie alle brauchen nicht einmal mehr die Kollektivsuggestion, dass sie die Welt irgendwie verbessern. Es geht ihnen um das Pflegen von Feindbildern (vor allem die USA) und den Protest als Selbstzweck.

In Wahrheit dürften die klügeren G7-Demonstranten wissen, dass es ernste, grausame, unerträgliche Misslagen auf der Welt gibt, gegen die Demonstrationen wirklich wichtig wären. Doch gegen den tausendfachen Mord des modernen Islamismus gibt es keinen Protestzug. Auch gegen die unerträgliche Frauen-Apartheid der muslimischen Welt hebt sich keine Wut. Dass ganze Völker Afrikas und Asiens in blutige Religionskriege gezwungen werden, dass Millionen von Christen drangsaliert, gefoltert, umgebracht werden – kein noch so winziges Zeltlager wird dagegen aufgebaut.

Dass in China die Menschenrechte den Status einer lächerlichen Idee haben und in Arbeitslagern Zigtausende gequält werden, nur weil sie ihre Meinung einmal äußerten – auch kein Thema für Transparente. Dass ein neo-imperiales Russland mal eben Nachbarn überfällt und mitten in Europa einen territorialen Krieg vom Zaun bricht, Ukrainer Tag für Tag bitterlich leiden und sterben – was kümmert es den heutigen G7-Demonstranten? Gar nicht!

Ein einzelnes Land versündenbocken
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: What's right - Retro-Treffen einer gelangweilten Generation

19 Kommentare zu "What's right: Retro-Treffen einer gelangweilten Generation"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ein vorhandenes "burn-out" Syndrom bei den Organisatoren und in der Politik deutet sich zunehmend an. Wie "krank" sind unter solchen Umständen die Ergebnisse?

    Verstehe - Wellness in Elma. Ok. Gute Besserung.

  • Warum veranstaltet man einen solchen Gipfel nicht einfach in der Vollzugsanstalt in Stuttgart-Stammheim? Ein Sicherheitsproblem sollte dem nicht im Wege stehen, oder? Logie und Verpflegung sind angeblich auch Menschen würdig. Problematisch evtl. wäre der gemeinsame Hofgang mit den »Knackis«. Aber der Kostenfaktor ist doch sicher nicht zu vernachlässigen und das Demonstranten-Gesindel ist hier auch leichter in Schach zu halten. ;–))

  • Die im Artikel geäußerte Kritik ist nicht unberechtigt. Es wird viel zu wenig gegen den Islam und seine brutalen Wucherungen protestiert.
    Aber unsere Demokratie degeneriert mehr und mehr zur Lobbyveranstaltung mit dem demokratischen Feigenblatt der Wahlen. TTIP ist vor allem eine Lobby--Veranstaltung unter dem Deckmantel des Freihandels. Die Princeton-Universität hat den USA in einer sehr interessanten Studie schon erhebliche Demokratie-Defizite nachgewiesen und in Deutschland ist es auch nicht viel besser. ESM läßt grüßen
    Befeuert wird das alles durch unser Verhältniswahlrecht. Man kann keinen Abgeordneten per Wahl feuern, weil man sich von ihm nicht vertreten fühlt, er ist über die Landesliste abgesichert.

  • @ Kammschrott

    "Bei den Unsummen, die von dieser deutschfeindlichen Politik verbrannt werden, kommt es auf diesen Gipfel sicher auch nicht mehr an! Allerdings wäre es mal ganz interessant zu erfahren, welcher Anteil davon ausschließlich durch die Gegen"demonstranten" und -"demonstrantinninninninen" verursacht wird?? "
    ____________

    Nun bekennen Sie sich doch weiter: Sie empfinden sich als mustergültiger Demokrat.
    Nun sagen Sie es doch einfach, bevor Sie sich dafür schämen sollten.

  • Welches Recht wird in Elmau zum Unrecht und begründet notwendigen Widerstand? Wenn es keine Rolle spielt, gegen was demonstriert wird, dann handelt es sich bei dem "Protest" wahrscheinlich nur um ein Volksfest mit nicht genehmigten Bierzelten.

  • Die linke mehrfach umbenannte und 1990 leider nicht enteignete Mauerm.örderpartei hat eben genetisch bedingt ein gestörtes Verhältnis zur Demokratie und zu freier Meinungsäußerung, sofern diese nicht einem Befehl eines/r Staatsratsvorsitzenden entspricht.

  • Ich lese hier Phrasen wie "Chlorhühnchen-Spießer", "fiktive Freihandelsfolgen" und "Maskenball", und da frage ich mich: Wie lange es wohl noch dauert, bis diese erzkonservative Kalte-Kriegs-Mentalität endlich aus Ihren Köpfen verschwindet?

    Jeder Satz, jedes Wort und jede Pore jedes Wortes trieft vor so unbestreitbarer Dummheit und Ignoranz, dass einem der Atem stockt. Es spielt keine Rolle gegen was demonstriert wird, es geht nur darum, dass es Demonstranten geben muss, um auf dieses politische Marionettentheater aufmerksam zu machen.

    Und zum Thema "Russland bricht mitten in der EU einen Krieg vom Zaun", gerade Sie als "Journalist" müssten eigentlich die - ihrem Berufsbild entsprechende - Integrität besitzen, um mal auf die andere Seite der Weltkarte zu blicken.

    Menschen wie Sie sind der Grund, warum es "Berufsdemonstranten" gibt.

    Und übrigens: "Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht."

    In diesem Sinne...

  • Sehr geehrte HB Redaktion,

    so langsam finde ich es unerträglich welche Bühne Sie Hr. Weimer einräumen.
    Dieses ewige Gepöbel gegen die "Linken". Wobei Hr. Weimer bis heute eine Erklärung schuldig ist, wen er damit genau meint?! Das Bild zum Kommentar zeigt jedenfalls Menschen jeglichen Alters, alles linke Spinner oder wie?
    Schon in seinem Kommentar über die Bahnprivatisierung hatte sich Hr. Weimer ziemlich beleidigender Formulierunge bedient. Hier zieht er ja auch wieder ordentlich über'n Tisch. "Die Schlägertrupps der Linkspartei". Was soll der Mist Hr. Weimer. Nicht jedes Parteimitglied der Linkspartei ist ein "steinewerfender Autonomer". Und im übrigen ist der von Ihnen zitierte schwarze Block der Autonomen längst nicht so links wie sie das gerne hätten. Da mischen i.d.R. einfach nur irgendwelche Hooligans mit. Da kann ich genauso gut "die PEGIDA Schlägertrupps" schreiben. Ist zwar nicht korrekt, passt mir aber ins Weltbild...
    Ihre Kommentare langweilen, weil sie immer dem gleichen Schema folgen. Es ist ok, dass sie "wertkonservativ" sind. Jeder wie er möchte, aber ihr ewiges Gehetze gegen alles "Linke" nervt mittlerweile einfach nur noch! Legen Sie mal ne andere Platte auf!
    @HB Redaktion: Ich finde es wirklich unverständlich warum sie Hr. Weimer regelmäßig als großen Aufhänger auf ihrer Seite bringen!

  • Bei den Unsummen, die von dieser deutschfeindlichen Politik verbrannt werden, kommt es auf diesen Gipfel sicher auch nicht mehr an! Allerdings wäre es mal ganz interessant zu erfahren, welcher Anteil davon ausschließlich durch die Gegen"demonstranten" und -"demonstrantinninninninen" verursacht wird??

  • Ein gelungener Kommentar, Herr Weimer. Der heutige selbsternannte Gutmensch ist weltoffen, umweltbewusst ( außer die Windräder werden in seiner unmittelbaren Nachbarschaft aufgestellt ) und vor allem tolerant bis zur Verleugnung abendländischer Werte, wobei ihm letzter Begriff ohnehin suspekt vorkommt. Nur mit schlechtem Gewissen kauft er seine T Shirts beim Discounter in der Nachbarstadt, statt im Dritte Welt Laden vor Ort. Als äußerer Feind sind die USA ausgemacht, die uns mit ihren Chlorhühnchen vergiften wollen und im übrigen für alles Leid der Welt verantwortlich zeichnen. Der innere Feind ist der fleischessende heterosexuell orientierte deutsche Mann, insbesondere dann, wenn er die Frauenquote kritisch hinterfragt und nicht einsehen will, daß in Wirtschaft und Verwaltung weitere - natürlich verbindliche - Quoten eingeführt werden müssen.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%