Whistleblower
Assange und Snowden – Freunde in der Not

Um Wikileaks war es ruhig geworden: Die Enthüllungsplattform ist geschwächt und zerstritten, Gründer Assange sitzt fest. Doch plötzlich erlangt die Organisation neue Bedeutung – durch Edward Snowden und einen Kinofilm.
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WashingtonDie Lage hatte sich in Hongkong dramatisch zugespitzt für Edward Snowden, als in London jemand zur Tastatur griff. „Edward Snowden ist einer von uns“, ließ Julian Assange, der Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, von seinem Zufluchtsort in der ecuadorianischen Botschaft aus verbreiten. „Welches mutige Land wird für ihn aufstehen und seinen Dienst für die Menschlichkeit anerkennen?“

Das Schriftstück, formuliert in Assanges typischem Pathos, wurde am 22. Juni veröffentlicht. Spätestens an jenem Tag war der Fall des jungen US-amerikanischen Geheimdienstenthüllers ein Fall für Wikileaks geworden. Die Geschichte brachte zwei Ausgestoßene zusammen: Snowden drohte in Hongkong Verhaftung und Auslieferung, er brauchte dringend Hilfe bei der Flucht. Assange drohte die Bedeutungslosigkeit.

Bevor Snowden die Weltbühne betrat, war es ein wenig still geworden um Wikileaks und ihren Gründer, den hochgewachsenen Australier mit den weißen Haaren. Schon länger hatten die Betreiber der Plattform keine spektakulären Dokumente mehr veröffentlicht. Die ruhmreichen Zeiten, als sie mithilfe des US-Gefreiten Bradley Manning viele Untaten von US-Soldaten im Irak und in Afghanistan offenlegten oder mit den Botschaftsdepeschen die US-Regierung blamierten, sie schienen vorerst vorbei zu sein.

Gleichzeitig kämpft Wikileaks mit finanziellen Problemen, nachdem die wichtigsten Kreditkartenunternehmen ihre Zusammenarbeit einstellten. „Das Spendenaufkommen hat sich in den letzten beiden Jahren stark rückläufig entwickelt“, heißt es bei der deutschen Wau-Holland-Stiftung, die Gelder für Wikileaks entgegennimmt. Aktuell „reicht es nicht mehr aus, die vollumfängliche finanzielle Förderung des Projektes im gewohnten Umfang aufrecht zu erhalten“.

Assange selbst ist seit einem Jahr gefangen in der ecuadorianischen Botschaft in London, weil er die Auslieferung nach Schweden fürchtet. Dort will ihn ein Staatsanwalt wegen möglicher sexueller Vergehen vernehmen. Mit einst engen Mitarbeitern ist er genauso zerstritten wie mit Reportern, mit denen er bei den Enthüllungen zusammengearbeitet hatte.
Kritisch beleuchtet nun auch der Regisseur Alex Gibney den berühmten Hacker: In seinem umstrittenen Dokumentarfilm „We Steal Secrets“, der heute in die deutschen Kinos kommt, zeigt Gibney Assange als Mann mit zunehmendem Kontrollwahn und Realitätsverlust. Wikileaks wiederum wirft Gibney vor, die Fakten zu verzerren – und veröffentlichte das Skript mitsamt Richtigstellungen im Internet.

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„Das wird für keinen von beiden gut enden“

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  • Amerika entschuldigt alles mit Terrorismus. Ob Menschenrechtsverletzungen oder andere Dinge, jeder Krieg wird damit entschuldigt das man ja sein Land verteidigen muss. Un fast alle Länder sind zu feige dem Grossen Amerika mal die Stirn zu bieten und mit dem was sie tun Grenzen zu setzen. Amerika dient als Vorbild für alles mögliche. Anstatt Leute wie Assange und Snowden dankbar zu sein, weil mal rausgekommen ist das ihr ganzes Getue von Demokratie und Gerechtigkeit einfach eine Lüge ist. Wer aufsteht in Amerika und die Wahrheit sagt wird bestraft.Die Diktaturen die amerika bekämft ist da selbst vorhanden

  • Wen interessiert schon die Presse im Ausland? Oder soll die Presse etwa genau so wie die Politiker wirschaftlich von den USA versklavt werden? Es ist schon schlimm genug, dass alle vor den Konsequenzen des Obamas zittern. Da muss die Presse bitte nicht auch noch mitziehen. Danke dafür.

  • @Ueber_den_Tellerrand_blicken
    Ihr Problem:
    Sie schmeissen Mörder (RAF, AQ usw.) in einem Topf mit Systemkritikern zusammen.
    Unkritische Haltungen wie Ihre, lieben die Regierungen jeglicher Coleur.
    Demokratie braucht freie Presse und kritische Bürger, auch Systemkritiker wie Assange oder Snowden.
    Recherchieren Sie bitte einmal, wieviele Menschenrechtverletzungen die USA begangen haben in den letzten 100 jahren, alle im Namen der Demokratie und Freiheit. Ohne kritischen Bürgerwiederstand hätten sie den Vietnamkrieg noch sehr lange weitergeführt.
    Seien Sie froh, dass andere ihre Leben riskieren für Ihre Freiheit.

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