Whistleblower
Höchststrafe für Manning auf 90 Jahre reduziert

Dass Bradley Mannings Strafmaß verringert wurde, feiern Unterstützer als Erfolg. Dennoch dürfte der Whistleblower ein alter Mann sein, falls er vor Ende seines Lebens aus dem Gefängnis entlassen wird.
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WashingtonDem mutmaßlichen Wikileaks-Informanten Bradley Manning droht ein geringeres Strafmaß als angenommen. Die Richterin Denise Lind gab einem Antrag der Verteidigung statt, einige der Anklagepunkte zusammenzulegen und damit die mögliche Höchststrafe von 136 Jahren auf 90 Jahre Haft zu reduzieren. Das teilte das Militärgericht in Fort Meade bei Washington am Dienstagabend (Ortszeit) mit. Nach Ansicht von Beobachtern kam die Entscheidung Linds überraschend, da sie im Militärprozess eher der Argumentation der Staatsanwaltschaft gefolgt war.

Der 25 Jahre alte Enthüller Manning war vergangene Woche unter anderem wegen Spionage, Geheimnisverrats, Computerbetrugs und Diebstahls für schuldig erklärt worden. Er hatte gestanden, Hunderttausende geheime US-Dokumente an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergereicht zu haben. Das genaue Strafmaß soll noch im August verkündet werden. Eine Entlassung Mannings aus dem Gefängnis vor Ablauf seiner Haftstrafe ist rechtlich möglich.

Der Vater des Obergefreiten, Brian Manning, zeigte sich trotz der Begrenzung der möglichen Haftdauer erschüttert. Auch der Freispruch im wichtigsten Anklagepunkt - Unterstützung des Feindes - bringe seinem Sohn keine wesentliche Erleichterung. „Ich habe kopfgerechnet“, sagte Mannings Vater dem Sender CNN. „Und damit dürfte er 90 oder 100 Jahre alt sein, ehe er das Tageslicht wieder sieht.“

Anders als der Vater des Whistleblowers Edward Snowden, der die NSA-Spähprogramme aufgedeckt hatte, zeigte Brian Manning weniger Verständnis für das Verhalten seines Sohnes. „Er hatte keine Entschuldigung für die mutmaßliche Veröffentlichung dieser Informationen“, würde Manning nach eigenen Angaben seinem Sohn sagen, wenn er offen mit ihm sprechen könnte. Sollte der 25-Jährige seinem Land und den Soldaten im US-Militär geschadet haben, wäre das „sehr ärgerlich“, sagte Brian Manning.

Dass Manning nach Darstellung seiner Verteidiger eine öffentliche Debatte anstoßen wollte, sei nichts weiter als „Effekthascherei“ und „Getue“. Trotz dieser Kritik schlug Brian Manning auch versöhnliche Töne an: „Ich liebe meinen Sohn immer noch.“


dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Whistleblower: Höchststrafe für Manning auf 90 Jahre reduziert"

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  • Da wird er sich aber freuen. Zynisch.

  • Die Wahrheit isr hart!!!!!!!!

  • Hierzulande kommen Mörder und Kinderschänder nach weit weniger Zeit wieder frei!
    Da sieht man mal as für ein "fortschrittliches" und freiheitsliebendes Land die USA sind! Aber auch hier und woanders werden politische Gegner und die, die der Obrigkeit in die Suppe gespuckt haben, im Zweifelsfall strenger bestraft als einer, der eine Oma für Zweimarkfuffzig ins Jenseits geschickt hat!
    Schade, daß es Keinen gibt, der Mannung nach Art der DDR-Republikflüchtlinge freikaufen könnte! Da müßte man schon wie beim Risiko-Spiel-Auftragskärtchen sagen: Befreie Manning, befreie Nordamerika!

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