Whistleblower
Snowden bittet um Asyl in Russland

Der flüchtige US-Computerspezialist Edward Snowdon hat einen Antrag auf politisches Asyl in Russland unterschrieben. Da er nicht reisen könne, bliebe ihm nichts anderes übrig. Putins Bedingungen seien kein Problem.
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MoskauDer frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden will Berichten zufolge in Russland Asyl beantragen. Das habe der von den USA per Haftbefehl gesuchte IT-Spezialist am Freitag bei einem Treffen mit Menschenrechtsaktivisten in Moskau gesagt, berichteten mehrere russische Nachrichtenagenturen. Nach Angaben der Enthüllungsplattform Wikileaks will Snowden aber nur vorübergehend in Russland bleiben und dann nach Lateinamerika ausreisen. Die Plattform beruft sich auf einen Vertreter der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, der zuvor an einem Treffen mit Snowden am Moskauer Flughafen Scheremtjewo teilgenommen hat.
Am Nachmittag traf sich Snowden mit Vertretern von Menschenrechtsorganisationen. Aus Teilnehmerkreisen soll sich der gesuchte Whistleblower auch zu Putins Bedingungen geäußert haben: Er mache nichts, was den USA schade – und daher gebe es auch keine Probleme mit Putins Bedingungen. Da er nicht reisen könne, bliebe ihm nichts anderes übrig, als Russlands Angebot anzunehmen.

Kremlchef Wladimir Putin Snowden hatte bereits vor zwei Wochen ein Bleiberecht in Aussicht gestellt. Voraussetzung sei aber, dass Snowden aufhöre, den USA mit seinen Enthüllungen Schaden zuzufügen, sagte Putin. „Wenn er hierbleiben möchte, gibt es eine Bedingung: Er sollte mit seiner Arbeit aufhören, die dagegen gerichtet ist, unseren amerikanischen Partnern Schaden zuzufügen – so merkwürdig sich das aus meinem Mund auch anhören mag.“.

Snowden, der umfassende Spähprogramme von Geheimdiensten in den USA und Großbritannien enthüllt hatte, sitzt nach seiner Flucht aus den USA über Hongkong seit knapp drei Wochen auf dem Moskauer Flughafen fest. Die USA wollen ihm wegen Geheimnisverrats den Prozess machen.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz, erwartet nach dem Asylantrag von Snowden eine Verschlechterung der Beziehungen zwischen Russland und den USA. „Das Verhältnis wird sich weiter abkühlen“, sagte der CDU-Politiker dem „Tagesspiegel“ (Samstag). Das Weiße Haus hatte Russland immer wieder aufgefordert, den Geheimdienst-Experten auszuliefern. Andernfalls könne dies ernste Folgen haben. Allerdings hat Russland keinen Auslieferungsvertrag mit den USA. Der „Washington Post“ zufolge ist der US-Geheimdienst NSA beunruhigt, dass Snowden sensible Akten über chinesische Spitzenpolitiker und andere wichtige Ziele veröffentlichen könnte.

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  • BRISANTES MATERIAL!

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  • @George Bushie - Das sehen Sie falsch - Die USA senden hier primär ein unmißverständliches Signal an potenzielle weitere Whistleblower!
    Das Signal daß man heute nicht wie ein Daniel Ellsberg davonkommt. Daß man nach dem whistleblowen entweder in den USA im Knast sitzt - oder irgendwo am AdW in "Verbannung".

  • @Frank3

    Ich mache Dir keinen Vorwurf. Aber dennoch verabschiede ich mich hiermit von HB Forum und bitte das HB den User Euro zu loeschen.

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