Whistleblowerin entlassen Chelsea Manning ist frei

Zu 35 Jahren Haft wurde Chelsea Manning im Jahr 2010 verurteilt – wegen Geheimnisverrat. Jetzt ist die Whistleblowerin wieder auf freiem Fuß. Auch Julian Assange schöpft wieder Hoffnung.
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US-Whistleblowerin Manning wieder auf freiem Fuß

US-Whistleblowerin Manning wieder auf freiem Fuß

WashingtonDie US-Whistleblowerin Chelsea Manning ist aus der Haft entlassen worden. Das bestätigte eine Sprecherin der US-Army am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Washington. Sie sei am Mittwoch aus dem Militärgefängnis in Fort Leavenworth im Staat Kansas entlassen worden.

Früher als IT-Spezialistin der US-Armee im Irak eingesetzt, war Manning 2013 unter anderem wegen Spionage zu 35 Jahren Militärhaft verurteilt worden und hat davon knapp sieben Jahre abgesessen. Die Untersuchungshaft seit der Festnahme 2010 war ihr angerechnet worden. Präsident Barack Obama hatte die Strafe kurz vor dem Ende seiner Amtszeit verkürzt.

Chelsea Manning hatte noch unter ihrem früheren Namen Bradley Manning Hunderttausende Dokumente aus Armeebeständen über Vorkommnisse bei den Kriegen im Irak und in Afghanistan an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergeleitet. Die Enthüllungen enthielten zum Teil höchst peinliche Details für die Vereinigten Staaten. In der Haftzeit unterzog sich Manning einer Geschlechtsumwandlung. Sie unternahm zudem Berichten zufolge zwei Selbsttötungsversuche.

In der vergangenen Woche hatte sie Manning erstmals seit Obamas Intervention öffentlich geäußert und dem Ex-Präsidenten gedankt. Seine Entscheidung war von Kongressmitgliedern scharf kritisiert worden, unter anderem vom republikanischen Präsidenten des Abgeordnetenhauses, Paul Ryan. Manning erklärte, sie fühle sich durch Briefe von Veteranen und anderen Transgender-Menschen inspiriert. „Zum ersten Mal sehe ich eine Zukunft für mich als Chelsea“, erklärte sie. „Freiheit war etwas, wovon ich träumte, das ich mir aber nie ganz vorzustellen erlaubte.“ Manning hat über Twitter angekündigt, nach Maryland zu ziehen. Sie stammt eigentlich aus Oklahoma, hat aber eine Tante in Maryland.

Der Wikileaks-Gründer Julian Assange bezeichnete die Freilassung der Whistleblowerin als „epischen Sieg“. „Ich kann nicht abwarten, sie zu treffen“, twitterte Assange bereits am Dienstag, einen Tag bevor Manning das Militärgefängnis verließ.

2010 hatte die Enthüllungsplattform Wikileaks Tausende Seiten geheimen Materials veröffentlicht, das von der IT-Heeresspezialistin Chelsea Manning - damals noch Bradley Manning - im Irak gestohlen worden war. Darunter war auch ein Video, auf dem zu sehen ist, wie die Besatzung eines US-Hubschraubers auf wehrlose Zivilisten feuert und dabei auch zwei Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters tötet.

Das Video war der erste große Enthüllungserfolg der Plattform Wikileaks. Deren Gründer Assange hält sich seit Juni 2012 in der Botschaft Ecuadors in London auf, um einer Auslieferung an Schweden im Zusammenhang mit Vorwürfen wegen sexuellen Missbrauchs zu entgehen.

Das sind die spektakulärsten Whistleblower
Edward Snowden
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Snowden ist ein ehemaliger Mitarbeiter des US-Geheimdienstes NSA. Er sicherte sich Tausende interne Dokumente die bewiesen, wie der NSA und der britische Geheimdienst den weltweiten Internetverkehr total überwachen und ausländische Politiker ausspionieren. Snowden lebt heute in Russland im Asyl.

Bradley Birkenfeld
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Er ist der bisher höchstbezahlte Whistleblower. Bradley Birkenfeld arbeitete als Vermögensverwalter des Schweizer Bank UBS in den USA. 2007 lieferte er den amerikanischen Steuerbehörden Dokumente, die zeigten, wie die UBS reichen Amerikanern bei der Steuerhinterziehung geholfen hatte. Die Bank zahlte ein Bußgeld über 780 Millionen Dollar. Birkenfeld bekam 2012 von den US-Steuerbehörden für seine Dienste eine Belohnung von 104 Millionen Dollar.

Chelsea Manning
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Die Amerikanerin, die als Mann geboren wurde, arbeitete bei den US-Streitkräften. Sie spielte der Online-Whistleblowerplattform Wikileaks verschiedene Dokumente und Videos über den Einsatz von US-Soldaten im Irak und Afghanistan zu. Sie zeigten unter anderem den Beschuss irakischer Zivilisten und Journalisten durch Kampfhubschrauber. Manning wurde zur einer Freiheitsstrafe von 35 Jahren verurteilt.

Antoine Deltour
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Deltour war bei der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PWC beschäftigt und hatte Zugang zu Dokumenten über zweifelhafte Steuerpraktiken von Unternehmen in Luxemburg. Sie zeigten, wie das Land Großkonzernen bei der Steuervermeidung half. Deltour brachte diese – legale – Praktik 2014 an die Öffentlichkeit und wurde zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt.

Bob Felt
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Bis heute ist Watergate eine der aufsehenerregendsten Polit-Affären in der Geschichte der USA. Die Journalisten Bob Woodward und Carl Bernstein deckten ab Mitte 1972 mehrere Vergehen und illegale Machenschaften auf, die auf direkten Geheiß des Weißen Hauses begangen wurden, vor allem während der Amtszeit des Präsidenten Richard Nixon. Die Journalisten nannten ihre geheime Quelle, die sie in einem Parkhaus trafen, „Deep Throat“ – wie erst 2005 bekannt wurde, handelte es sich dabei um den FBI-Mitarbeiter Bob Felt. Nixon musste im Zuge von Watergate zurücktreten.

John Kopchinski
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Der Amerikaner arbeitete mehrere Jahre im Arzneivertrieb beim Pharmakonzern Pfizer. Er prangerte 2009 als Whistleblower die Verkaufspraxis beim früheren verschreibungspflichtigen Schmerzmittel Bextra als illegal und gefährlich an. Verschiedene US-Behörden sahen dies in umfassenden Untersuchungen ebenso: Pfizer zahlte zur Beilegung des Rechtsstreits 1,8 Milliarden Dollar. Insgesamt kostete der Fall dem Konzern 2,3 Milliarden Dollar – einer der höchsten Vergleiche in der US-Pharmageschichte.

Mehrere Beschäftigte von Eli Lilly
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Ebenfalls im Jahr 2009 kochte ein weiterer Fall aus der US-Gesundheitsbranche hoch. Der Arzneihersteller Eli Lilly soll sein Psychopharmaka Zyprexa für Therapien verkauft haben, für die das Mittel von der US-Behörde FDA nicht zuglassen war – etwa gegen Altersdemenz. Die Praktiken wurden von mehreren Vertriebsmitarbeitern aufgedeckt und kosteten Eli Lilly 1,4 Milliarden Dollar an Schadenersatz und Strafen.

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