Wider der politischen Krise

Putin wirbt für wirtschaftliche Partnerschaften

Russland ist in der Krise – doch Kremlchef Putin präsentiert das Land bei einem Forum in seiner Heimatstadt St. Petersburg als Drehscheibe für Investoren. Die Wirtschaft soll die politische Krise überwinden.
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Auf dem Wirtschaftsgipfel in St. Petersburg macht Kremlchef Wladimir Putin Werbung für westliche Partnerschaften. Quelle: ap
Forderung nach mehr Zusammenarbeit

Auf dem Wirtschaftsgipfel in St. Petersburg macht Kremlchef Wladimir Putin Werbung für westliche Partnerschaften.

(Foto: ap)

St. PetersburgTrotz schwerer politischer Spannungen und Wirtschaftssanktionen will Kremlchef Wladimir Putin an der Partnerschaft mit dem Westen festhalten. „Diese Zusammenarbeit wird auf jeden Fall fortgesetzt“, sagte der russische Präsident am Freitag beim internationalen Wirtschaftsforum in seiner Heimatstadt St. Petersburg. Einschränkungen für die rund 6200 in Russland aktiven deutschen Unternehmen werde es nicht geben. „Wir planen nicht, das einzuschränken“, versprach Putin bei einer Podiumsdiskussion, an der zudem der griechische Regierungschef Alexis Tsipras teilnahm. Unter den mehreren Tausend Zuhörern war auch Altkanzler Gerhard Schröder.

Angesichts der Verlängerung westlicher Sanktionen gegen sein Land wegen der Ukraine-Krise bekräftigte Putin seine Forderung, die Strafmaßnahmen aufzuheben. „Wenn wir weltweites Wachstum möchten, müssen wir von diesen Sanktionen abkommen“, sagte er. Die Wirtschaftskrise habe die Rohstoffmacht indes weniger hart getroffen als befürchtet, meinte der Staatschef. Die Nachfrage steige wieder, die Handelsbilanz sei positiv, und der Rubelkurs zum Dollar und Euro sei stabiler geworden. „Viele haben eine tiefe Krise vorausgesagt – doch diese ist nicht eingetreten“, betonte Putin.

Der frühere Finanzminister Alexej Kudrin sprach beim Forum in der Newa-Metropole aber weiter von einer „vollwertigen Krise“. Bis Ende des Jahres würden die Wirtschaftsdaten schlechter, meinte der Experte. Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew sagte, in den ersten fünf Monaten sei das Bruttoinlandsprodukt um 3,2 Prozent geschrumpft.

Putin warnte den Westen davor, das größte Land der Erde unter Druck zu setzen. „Mit Russland kann man nicht in der Sprache von Ultimaten reden“, sagte er unter großem Applaus. „Wir wollen, dass unsere Interessen respektiert werden“ und niemand Moskau Entscheidungen aufzwinge. Das Verhältnis zu Deutschland wolle er aber ausbauen.

Welche Firmen noch auf Russland setzen
Stada
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In Russland wuchs der Arzneimittelhersteller Stada im vergangenen Jahr um vier Prozent, allerdings in Rubel gerechnet. Durch den Wertverfall der Währung nahm der Umsatz in Euro gerechnet stark um 14 Prozent auf 360,7 Millionen Euro ab. Das Land ist aber nach wie vor der größte Auslandsmarkt. Stada-Chef Hartmut Retzlaff reist derzeit etwa fünf Mal pro Jahr nach Russland, „aus motivatorischen Gründen, um den Mitarbeitern zu zeigen, dass man an den Standort glaubt“, sagt er.

Bionorica
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Für den Naturarzneimittelhersteller Bionorica ist Russland der wichtigste Auslandsmarkt: Der steuert rund ein Drittel zu Geschäft bei und legte in den vergangenen Jahren stets zweistellig zu. Das ist auch 2014 nicht anders gewesen, allerdings nur in Absatz gerechnet. Der Umsatz sank wegen der Währungsumrechnungseffekte um etwa sieben Prozent auf 72 Millionen Euro. Bionorica-Chef Michael Popp hat den Verfall des Rubels nur zu einem Teil mit Preiserhöhungen aufgefangen: „Wir haben im Sinne des Patienten auf Umsatz verzichtet“, nennt Popp dieses Vorgehen.

Fresenius
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Der Gesundheitskonzern Fresenius hat im November angesichts der Osteuropa-Krise seine Pläne für ein Gemeinschaftsunternehmen in Russland aufgegeben. Geplant war ein Zusammenschluss des bestehenden Geschäfts der Ernährungs- und Infusionssparte Fresenius Kabi mit dem russischen Pharmaunternehmen Binnopharm. Den Unternehmen entstanden wegen des geplatzten Deals keine finanziellen Verpflichtungen. Zum Gesamtumsatz des Gesundheitskonzerns Fresenius trägt Russland weniger als ein Prozent bei.

Siemens
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Der Besuch bei Wladimir Putin vor gut einem Jahr hat Siemens-Chef Joe Kaeser viel Aufmerksamkeit, aber auch viel Kritik eingebracht – dem Geschäft geholfen hat er nicht. Die Umsätze seien etwa um die Hälfte eingebrochen, berichtete Kaeser kürzlich. Russland ist ein wichtiger Markt für den Infrastrukturanbieter, die Münchener bauen dort zum Beispiel Züge und Gasturbinen. „Russland bietet riesige Chancen, die man momentan nicht nutzen kann“, bedauerte Kaeser. Siemens wolle Know-how nach Russland geben und Produktion dort lokalisieren. „Aber diese Möglichkeit gibt es momentan nicht. Wir halten uns voll an alle Sanktionsvorgaben.“

Otto-Gruppe
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Im August 2013 kündigte die Otto-Gruppe noch neue Investitionen in Russland an. Eineinhalb Jahre später ist die Ernüchterung groß. Für das Unternehmen ist Russland zu einer Belastung geworden. Im abgelaufenen Geschäftsjahr ist der Umsatz um 25 Prozent gesunken. Bereinigt um Wechselkurseffekte bleibt ein Rückgang um nur vier Prozent. Und fest steht auch: Die Otto-Gruppe hat in Russland Geld verloren. Zwar hält Hans-Otto Schrader, Chef der Otto-Gruppe, eine Rezession in Russland für nicht vermeidbar. Aber: „Wir haben diesen Markt über sechs Jahre aufgebaut – und wir werden ganz vorne mit dabei sein, wenn sich die Lage bessert“, sagt er.

Hubert Burda Media
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Fragt man den Vorstandsvorsitzenden von Hubert Burda Media, Paul-Bernhard Kallen (Bild), ob sich sein Unternehmen angesichts der Wirtschaftskrise in Russland aus dem Land zurückziehen will, antwortet er: „Nein, wir nicht. Die Frage ist aber, ob man uns noch haben will.“ Offenbar will der russische Staat das nicht. Vergangenen Herbst unterzeichnete Präsident Wladimir Putin ein Gesetz, das vorsieht, den Anteil von Ausländern an russischen Medienunternehmen auf 20 Prozent zu beschränken. Besonders hart trifft dies Burda. In Verlagskreisen werden die Erlöse, die Burda in Russland und in der ebenfalls krisengeschüttelten Ukraine erzielt, auf gut 200 Millionen Euro geschätzt.

Bauer Media
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Bauer will sich angesichts der Debatte um das neue Mediengesetz zwar überhaupt nicht zum Russland-Engagement äußern. Für den Hamburger Verlag dürften die Märkte in den USA, Australien, England und Polen aber weitaus wichtiger sein als der Markt in Russland, wo das Zeitschriftenhaus ausweislich seiner russischen Website 25 Titel herausgibt.

Insbesondere an die USA richtete Putin wieder schwere Vorwürfe, ein Wettrüsten zu provozieren. Mit dem 2002 erfolgten Ausstieg aus dem ABM-Vertrag zur Begrenzung von Raketenabwehrsystemen könnten die USA einen neuen Kalten Krieg auslösen, warnte er. Zuletzt hatten aber russische Pläne für 40 neue Interkontinentalraketen Kritik ausgelöst.

In der Ukraine-Krise forderte Putin die Konfliktparteien mit Nachdruck auf, das Friedensabkommen von Minsk einzuhalten. Russland nehme dazu Einfluss auf die moskautreuen Aufständischen in der Ostukraine - aber der Westen müsse auch Druck machen auf die prowestliche Regierung in Kiew. Putin verlangte von der Führung in Kiew vor allem einen Straferlass für die Separatisten sowie regionale Wahlen im Kriegsgebiet Donbass.

  • dpa
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