Widersprüchliche Meldungen über Einhaltung der Waffenruhe
Waffenruhe in Falludscha seit Sonntagmorgen

Zwischen der US-Besatzungsmacht und den Aufständischen in Falludscha ist eine ab Sonntagmorgen geltende Feuerpause vereinbart worden. Ob sie allerdings eingehalten wird, ist unklar.

HB BERLIN. Seit acht Uhr MESZ am Sonntagmorgen gilt eine Waffenruhe in der heftig umkämpften irakischen Stadt Falludscha. Über die Frage, ob sie von beiden Seiten eingehalten wird, gibt es allerdings einander widersprechende Berichte.

Nach Angaben eines Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP wird die Feuerpause bislang respektiert. Innerhalb einer Stunde seit Beginn der Waffenruhe seien nur eine Detonation, vermutlich von einer Granate, sowie vereinzelte Schüsse zu hören gewesen.

Die Waffenruhe soll zunächst für zwölf Stunden gelten. Ein irakischer Vermittler teilte mit, es sei vereinbart worden, dass die US-Marineinfanteristen nach sechs Stunden Waffenruhe mit dem Abzug aus der Stadt beginnen.

Dagegen meldet die Nachrichtenagentur AP, über eine Einstellung der Kämpfe in Falludscha werde von Mitgliedern des irakischen Regierungsrats im Laufe des Sonntags weiter verhandelt. Berichte arabischer TV-Sender, denen zufolge die Waffenruhe am Morgen in Kraft getreten sei, würden von den US-Streitkräften nicht bestätigt.

Laut AP haben die Aufständischen in Falludscha einer am Sonntag beginnenden Waffenruhe im Grundsatz zugestimmt, aber verlangt, dass sich die US-Truppen aus der Stadt zurückziehen. Die US-Marineinfanterie hat ihrerseits am Samstag ihre Stellungen verstärkt und mit einem Angriff auf die gesamte Stadt gedroht, sollten die Verhandlungen ergebnislos bleiben.

Das US-Kommando fordert als Gegenleistung die Auslieferung jener Iraker, die am 31. März vier US-Zivilisten töteten und verstümmelten. Zudem solle die irakische Polizei in die Stadt zurückkehren.

Oberstleutnant Brennan Byrne teilte AP am Sonntag mit, dass sein im Süden Falludschas stationiertes Bataillon keinen Befehl erhalten habe, die Belagerung der Stadt auszusetzen. «Von Seiten der Rebellen hat es an diesem Morgen keinen Kontakt gegeben», sagte er.

Die Aufständischen hätten die Wahl, sich zu ergeben oder zu sterben. Seit Freitag habe fast ein Drittel der 200.000 Einwohner Falludschas die Stadt verlassen, sagte Byrne weiter.

Unterdessen wurde bekannt, dass das 620 Mann starke 2. Bataillon der neu geschaffenen irakischen Armee bereits am Montag einen Einsatz in Falludscha verweigert hat. Die Rekruten hätten das damit begründet, dass sie nicht zum Militär gegangen seien, um «gegen Iraker zu kämpfen», sagte US-Generalmajor Paul Eaton der «Washington Post».

Das Bataillon sei daher nicht, wie angeordnet, nach Falludscha eingerückt, sondern zum Stützpunkt der Einheit in Tadschi, nördlich von Bagdad, zurückgekehrt. Eaton wollte nicht als Meuterei bezeichnen, sondern sprach von einem «nicht befolgten Befehl». Laut «Post» ist durch den Vorfall die geplante Übergabe des Kommandos über die Streitkräfte an Irak unsicherer geworden.

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