Widerstand gegen Scharons Abzugspläne
Jüdische Siedler bauen neue Siedlungen

In der jüdischen Siedlung Neve Dekalim im südlichen Gazastreifen laufen die Betonmischer trotz der Regierungspläne für einen israelischen Abzug auf Hochtouren. Chinesische Arbeiter legen in brennender Mittagssonne Fundamente für mehrere neue Wohnhäuser, obwohl die Siedlung nach dem Willen des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon schon bald geräumt werden soll.

HB GUSCH KATIF. „Es ist aus idealistischen Gründen sehr wichtig, hier Geld hineinzustecken“, sagt David (31), Bauherr und Vater dreier Kinder. Er steht zufrieden vor den emporwachsenden Betonwänden. Umgerechnet an die 100 000 Euro kostet der Bau eines Familienhauses dieser Größe in dem Siedlungsblock Gusch Katif. „Es hört sich vielleicht absurd an, aber die Lebensqualität ist gut hier. Die Menschen, die Natur.“

David ist Lehrer und sein Job ist in der Hafenstadt Aschkelon außerhalb des Gaza-Gebietes. Trotzdem will der Familienvater weiter als einer von etwa 8 000 israelischen Siedlern bleiben, die inmitten von 1,4 Millionen Palästinensern wohnen. Von Zäunen, Barrieren und militärischen Wachposten umgeben, gibt er sich sicher.

Kein Stück zu weichen, ist den meisten Bewohnern der 21 Siedlungen im Gazastreifen geradezu eine politische Mission. Sie betonen, dass sie sich - wie an vorderster Front - im Kampf gegen den Terrorismus befinden. Regelmäßig schlagen Raketen ein, erst am Donnerstag wurden zwei militante Palästinenser bei einem versuchten Anschlag getötet. Mit Schusswaffen und gepanzerten Bussen haben sich die Siedler ausgerüstet. Ihre durch das Palästinensergebiet führende Zufahrtstraße ist mit Panzerwagen und Gefechtsposten geschützt. Kugelsichere Busse stehen auf Parkplätzen unweit von Kinderspielplätzen und Schulen. So hat man sich auf die Lage eingestellt.

Viele Familien leben vom Betrieb großer Gewächshäuser. Und dann der Abzugsplan von Scharon. „Wir wissen nicht, was in diesen Mann gefahren ist“, sagt Dina Abramson (22), eine Mitarbeiterin der Kommunalverwaltung in Gusch Katif. Sie zeigt in der Synagoge auf ein von Scharon eingeweihtes Denkmal, das an die Räumung jüdischer Siedlungen aus dem Sinai erinnert, als das eroberte Gebiet an Ägypten zurückgegeben wurde. Scharon selbst habe die Menschen damals ermuntert, sich im Gazastreifen niederzulassen. „Wir lassen uns hier nicht vertreiben - Menschen sind keine Schachfiguren.“

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