Widerstand unter Grundbesitzern
Morales bringt Bolivien weiter auf Linkskurs

Boliviens Präsident Evo Morales hat nach der Verstaatlichung des Ölsektors eine Bodenreform eingeleitet und das Land damit weiter auf Linkskurs gebracht. Im Rahmen der Reform soll mehr als ein Fünftel der Landfläche an arme Bauern übergehen.

HB SANTA CRUZ. Zunächst soll dafür Land in Staatshand genutzt werden, später eventuell auch brachliegende Flächen in Privatbesitz folgen. Bereits vor dem Wochenende formierte sich Widerstand unter Grundbesitzern gegen etwaige Enteignungen. Sie wolle sich zu Selbstverteidigungsgruppen zusammenschließen. Ob die Grundbesitzer dabei auch zur Waffe greifen wollen, blieb zunächst unklar. Die Regierung hatte ihnen zwar zugesichert, keine größeren Enteignungen vorzunehmen. Zugleich hatten Regierungsvertreter aber deutlich gemacht, dass sie bewaffneten Widerstand gegen das Landumverteilungsprogramm nicht dulden werden.

Der sich abzeichnende Konflikt legt die großen sozialen Spannungslinien in dem ärmsten Staat Südamerikas offen. Nach Schätzungen der katholischen Kirche verfügen einige wenige Großgrundbesitzer über 90 Prozent des Acker- und Weidelandes, während den rund drei Mill. Indio-Bauern nur der Rest bleibt.

In Santa Cruz übergab Morales am Samstag 60 Besitzurkunden über insgesamt 3,1 Mill. Hektar. „Die historischen Feinde der Armen müssen diese Landrevolution akzeptieren“, sagte Morales vor Tausenden Indios in der Stadt. Der erste Indio-Präsident des Landes sieht sich selbst als einfacher Mann aus dem Volk, da er vor seiner politischen Laufbahn Kokabauer war. Als Präsident suchte er sogleich die Annäherung an den linkspopulistischen venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez und den kommunistischen kubanischen Staatschef Fidel Castro, mit denen er Anfang Mai in Havanna einen Linkspakt schloss.

Mit Santa Cruz wählte der Präsident als Ort für die Übergabe der Besitzurkunden das Stammland der wohlhabenden Landbesitzer aus. Die Gespräche zwischen beiden Seiten waren am Freitag ergebnislos abgebrochen worden. In der Region gibt es vor allem große Rinder-Ranches und Soja-Plantagen.

Nach den Plänen der Regierung sollen zunächst bis zu fünf Mill. Hektar Land aus Staatsbesitz an Ureinwohner verteilt werden. Danach sollen ungenutzte Landflächen in Privatbesitz ausfindig gemacht werden, die möglicherweise umverteilt werden. In Zeitungsanzeigen hatte die linksgerichtete Regierung angekündigt, die Bodenreform werde binnen fünf Jahren 20 Mill. Hektar erfassen - fast ein Fünftel der Fläche Boliviens. Während die von Morales im vergangenen Monat vorgenommene Verstaatlichung des Energiesektors in dem Andenstaat kaum umstritten ist, hat die Landreform die tiefe Spaltung zwischen der zumeist verarmten Mehrheit aus Indios und der von Europäern abstammenden Oberschicht offenbart.

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