Wie der US-Präsident seine Politik preist
Bushs letzter Uno-Auftritt – ein Verteidigungsversuch

Nahrungsmittelkrise, Armut, Ungleichheit in der Welt, Klimawandel. Dafür waren mehr als 100 Staats- und Regierungschefs nach New York angereist. Doch für seine letzte Rede vor der Uno hat der scheidende US-Präsident Bush anderes im Sinn.

NEW YORK. Den ersten Fauxpas hat die US-Diplomatie bereits begangen, bevor George W. Bush das große Rund der Uno-Vollversammlung betritt. Denn erst als Brasiliens Präsident, der Uno-Generalsekretär und der Chef der Uno-Vollversammlung ihre Rede bereits beendet haben, eilt auch US-Außenministerin Condoleezza Rice auf ihren Platz, um der Rede ihres Chef – und nur der – zu lauschen. Solches Desinteresse stößt gerade bei den empfindlichen Brasilianern unangenehm auf.

Als Bush dem Protokoll gemäß zunächst kurz auf den hohen gelben Stuhl neben dem Rednerpult setzt, ist der Ton in der wichtigsten Uno-Runde bereits gesetzt. Denn alle Vorredner hatten betont, was aus ihrer Sicht die wichtigsten Probleme der Welt sind, mit denen sich diese 63. Uno-Vollversammlung beschäftigen sollte. Nahrungsmittelkrise, Armut, Ungleichheit in der Welt, Klimawandel. Doch für seine letzte Rede vor der Uno hat der scheidende US-Präsident Anderes im Sinn. Über weite Strecken gleicht sein Auftritt einem Verteidigungsversuch, warum seine achtjährige Amtszeit als Lenker der Supermacht doch nicht erfolglos war. Und zwei Drittel der Zeit widmet er sich einem Thema, dass seine Vorredner aus der südlichen Hemisphäre nur am Rande angesprochen hatten – dem Kampf gegen Terrorismus und für Freiheit. Irak, Afghanistan und Libyen preist Bush dabei erneut als Erfolgsgeschichten. Iran und Syrien spießt er noch einmal als Terror-Finanziers auf, ohne aber seine scharfe Schurkenstaaten-Rhetorik früherer Jahre zu wiederholen. Deutlich kann man die Kluft zwischen der derzeitigen Weltsicht im Weißen Haus und vielen anderen Hauptstädten in der Welt nicht demonstrieren.

Immerhin gibt sich Bush am Ende seiner Amtszeit als überzeugter Multilaterist. Der Uno weist er „überragende Bedeutung“ im 21. Jahrhundert zu. Das klingt versöhnlich, auch wenn er dies sofort mit der Forderung verbindet, dass die Vereinten Nationen sich reformieren müssten. Doch Bush weiß, dass er in diesem Uno-Kreis nicht unbedingt die größte Zuneigung genießt. Als „lieben Bruder“ hat ihn Miguel d’Escoto Brockmann, Präsident der Uno-Vollversammlung, angekündigt – nur, um dann den „sehr lieben Bruder“ Nicolas Sarkozy zu erwähnen.

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