Wie in Zeiten von Caligula
Berlusconi und die jungen Frauen

Wieder ein Skandal um Berlusconi und bezahlte jungen Frauen, spöttisch „Escort“ genannt. Und seine Regierung wackelt. Moody’s prüft die Kreditwürdigkeit Italiens. Und so steigt die Nervosität. Ein Kommentar.
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Seit heute müssen die Italiener mehr zahlen für Cappuccino, Friseur und neue Schuhe. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer um einen Punkt auf 21 Prozent gilt ab sofort. Die anderen Einschnitte kommen später, Steuererhöhungen, vereinfachter Kündigungsschutz, der spätere Eintritt in die Rente. Aber auch nach der Verabschiedung des Sparpakets der Regierung Berlusconi in der vergangenen Woche sind die Finanzmärkte misstrauisch geblieben.

Neue Daten und Nachrichten tragen nicht zum Vertrauen bei: Die Staatsverschuldung liegt mittlerweile bei 1,9 Billionen Euro, die Ratingagentur Moody’s lässt die Bewertung Italiens zwar unverändert, behält sich aber vor, die Kreditwürdigkeit weiter zu prüfen und will nächsten Monat entscheiden. Oecd, Internationaler Währungsfond und der italienische Industrieverband Confindustria haben ihre Wachstumsprognosen für 2012 erheblich gesenkt. Italienische Ökonomen warnen, dass der angepeilte ausgeglichene Staatshaushalt für 2013 wohl kaum erreicht werden kann.

Doch statt positiver Signale, dass das Land sein Schuldenproblem in den Griff bekommt und nicht in Richtung Griechenland abdriftet, kommen ganz andere Schlagzeilen aus Italien.
Wieder ein Skandal um Berlusconi und die bezahlten jungen Frauen, spöttisch „Escort“ genannt. Alle Zeitungen haben am Wochenende lang und breit die Protokolle abgehörter Telefongespräche des Premierminister veröffentlicht, die dieser 2008 und 2009 mit dem Unternehmer Gianpaolo Tarantini geführt hat, der im Gefängnis sitzt, weil er angeklagt werden soll, Berlusconi erpresst zu haben. Tarantini führte Berlusconi die Frauen für die Privatparties in Rom, Mailand und Sardinien zu, das hat er gestanden. Vor Gericht geht es nun darum, ob es stimmt, dass er Berlusconi erpresst hat und Gegenleistungen gefordert hat und Jobs beim Fernsehen für die willigen Damen.

Was ist in Italien los? Klatsch und Bettgeschichten statt überzeugender Regierungsarbeit? Es geht hier schon fast zu wie in den Zeiten von Caligula, sagt mancher in Rom. Konsequenzen aber gibt es keine. Berlusconi hat gestern erklärt, er habe keine Straftat begangen und werde auch nicht zurücktreten. Und außerdem habe er nur das getan, was alle Italiener gern tun würden: „Beziehungen zu jungen, schönen Frauen haben.“

Die Regierung wackelt, die Opposition fordert Berlusconis Rücktritt, Leitartikler regen sich auf über die offenkundige Verquickung von Öffentlichem und Privatem und alle schauen nervös auf die Finanzmärkte.

Ohne Berlusconi würde der Spread zwischen italienischen Staatspapieren und deutschen Bundesanleihen sofort um 100 Punkte sinken, sagt ein Oppositionspolitiker. Doch die Parlamentsmehrheit steht – auch weil viele Parteigänger des Multimillionärs, der nächste Woche 75 wird, wissen, dass sie wohl nicht wiedergewählt werden. Und Skandalgeschichten über einen, der am Telefon sagt „Wie viele bringst Du mir heute“, lenken bestens von den harten Realitäten des Sparkurses ab.

Kommentare zu " Wie in Zeiten von Caligula: Berlusconi und die jungen Frauen"

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  • Ja genau, weg damit, das ganze Pack kostet nur Geld. Weg mit der Demokratie, die Kostet ja auch nur. Willkommen in einer Diktatur wo es das alles nicht braucht. Bitte Hirn einschalten, bevor man solche Forderungen stellt. Noch was, ich als betroffener Italiener (Südtiroler)habe langsam (seit geraumer Zeit) diese Regierung in Italien so was von statt, dass ich heulen könnte. Berlusconi würde in anderen Demokratien keine Stunde überleben, nur in Bella Italia ist das möglich. Ein ordentlicher Giggolo ist sexier als ein seriöser Politiker!!!

  • Der kiegt auch noch das, was er verdient, sind Sie sicher. Wenn nicht jetzt, dann etwas später und dann gibt es auch für Berlusconi "Heulen und Zähneklappern".

    Das ganze Pack von Politikern: weg damit, braucht kein Mensch, kosten nur unser Steuergeld und leisten nichts. Wir brauchen diese Spezies nicht - weg damit, Wahlboykott, auch in Deutschland. Wenn ich nur den Berliner sehe... erhöähen sich die Diäten und speisen das Volk mit Verzichtsparolen ab. Warum tagen die nicht mal anders sondern von einem fürstlichen Bankett in altem Gemäuer zum nächsten. WER bezahlt das alles und wer sagt, dass die Diener des Volkes diese Art Wohlergehen überhaupt verdienen? Weg mit allen denen, sie sind alle korrupt. eitel und machtgeil und denken nru an eins: an sich und ihrem Wohlergehen!

  • "Was ist in Italien los? Klatsch und Bettgeschichten statt überzeugender Regierungsarbeit? Es geht hier schon fast zu wie in den Zeiten von Caligula, sagt mancher in Rom. "

    Hier würde Westerwelles Spruch von spätrömischer Dekadenz passen.

    Aber das ist nicht alles, was Italien zu bewältigen hat, denn hinter jedem Regierungsabgeordneten steht ein Mafiosi, der ihn lenkt.

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