Wie Londons Polizeichef Ian Blair den Terror ausrotten will
Kampf um die Köpfe

Wenn Sir Ian Blair, 52, unter Druck steht, sieht das so aus: Er spricht ruhig, seine Stimme flattert nicht, und zwischendurch streut er witzige Bemerkungen ein. Ab und zu hebt er die Augenbrauen, zieht sie kräftig in Richtung seiner schon arg grauen Haare.

HB LONDON.Es gibt schönere Aufgaben in diesen unruhigen Tagen als die des Polizeichefs von London. Doch Sir Ian wirkt beim Lunch gestern so, als hätte er den besten Job der Welt. Allenfalls sein leicht bleiches Gesicht lässt darauf schließen, unter welcher Erwartungshaltung dieser Mann steht. Vor gut einer Woche erlebte seine Stadt den mörderischsten Anschlag in Großbritannien seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Erstmals in Westeuropa sprengten sich Selbstmordattentäter in die Luft. 53 Menschen sind tot, viele liegen verletzt in den Krankenhäusern.

Zwar hat vieles danach funktioniert. Die Sicherheitskräfte haben schnell reagiert. Die Täter sind identifiziert. Doch erst jetzt beginnt für Blair der schwerste Teil der Arbeit: Da ist die Fahndung nach den Hintermännern. Ein fünfter Mann ist angeblich auf den Bildern der Überwachungskameras zu sehen, von weiteren Beteiligten ist auszugehen. Und dann ist da die heikle Frage, wie man auf todesverachtende Extremisten mit demokratischen Mitteln reagiert.

Blair zieht sich nicht auf seine Rolle als Polizist zurück, was er leicht könnte. „Jetzt ist für die muslimische Bevölkerung die Gelegenheit gekommen, näher an das Gastland zu rücken“, sagt er. Und meint es als Aufforderung: Die Zeit des bloßen Nebeneinanderlebens ist vorbei. Er weiß: Man muss die Isolation verhindern, die den Nährboden für Terroristen bietet.

Auch sein prominenter Namensvetter, Premier Tony Blair, hat das als Leitmotiv vorgegeben. Er will den „War against Terror“ nun in die muslimischen Gemeinschaften tragen und die „giftige Perversion des islamischen Glaubens an der Wurzel ausrotten“.

Die britischen Muslime, die in ihrer Mehrheit derzeit bestenfalls verunsicherte Zuschauer sind, sollen zu Mitstreitern werden. Im In- und Ausland will Blair „die Stimme des moderaten Islams“ aktivieren. Er sucht den Diskurs mit den Wortführern, um die Terrorideologie innerhalb der muslimischen Gemeinschaft selbst zu bekämpfen. Vier muslimische Labourabgeordnete reiht er sogleich hinter sich auf. „Wir brauchen mehr Leute, die gegen diese radikalen Organisationen antreten und ihr Denken in Frage stellen“, sekundiert der Abgeordnete Khalid Mahmood aus Birmingham.

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