Wiebes Weitwinkel Retten oder bestrafen?

Die Euro-Debatte lässt alte Links-rechts-Diskussionen wieder aufflammen: Die einen wollen die Probleme mit immer neuen Rettungspaketen lösen, die anderen den Gürtel noch enger schnallen.
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Die Euro-Debatte teilt die Lager in Links und Rechts. Quelle: dpa

Die Euro-Debatte teilt die Lager in Links und Rechts.

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Neulich stöhnte ein führender Notenbanker im privaten Gespräch: „Mir gehen diese Rettungs-Europäer auf die Nerven. Egal, was man beschließt – die wollen immer noch ein Paket draufsatteln.“

In der Tat, es gibt diese Leute, die jedes europäische Problem mit ein paar Milliarden mehr – für die im Zweifel der deutsche Steuerzahler geradestehen muss – erschlagen wollen. Aber das Gegenteil gibt es auch: Das sind die Bestrafungs-Europäer. Diese Leute wollen den Gürtel immer noch ein Loch enger schnallen (lassen). Sie glauben, dass sich ökonomische Strukturen mit dem moralischen Zeigefinger verbessern lassen. Die einen wollen die Probleme mit Geld ertränken, die anderen wollen sie aushungern.

Im Grunde lebt so mit der Euro-Debatte die alte Links-rechts-Diskussion wieder auf – mit ähnlichen Reflexen, Argumenten und psychologischen Mustern. Die Linken sehen vor allem Opfer und fordern Verständnis und Geld, die Rechten sehen vor allem Täter und fordern Härte und strenge Spielregeln. Entgegen ihrem jeweiligen Selbstverständnis sind dabei die Linken häufig politisch naiv und die Rechten ökonomisch ahnungslos. Denn die Vorstellung, man könne immer mehr Geld innerhalb Europas umverteilen, ohne Widerstände hervorzurufen und unkontrollierbare Strukturen zu schaffen, ist schon recht blauäugig. Und die Idee, dass man Länder, denen die Wettbewerbsfähigkeit fehlt, gesundsparen kann, ist nicht gerade von ökonomischem Verständnis durchtränkt.

Auch auf der moralischen Ebene weisen die Weltbilder rechts und links ihre – auch schon von früher bekannten – blinden Flecken auf. Wer von links immer mehr Geld – oder Haftung, was dasselbe ist – fordert, hat offenbar kein Problem damit, dass es sich um das Geld anderer Leute handelt. Wer von rechts immer wieder Härte, Einschränkung oder gar den Rauswurf aus der Währungsunion verlangt, geht sehr sorglos mit der Frage um, was das für die jeweilige Bevölkerung bedeutet. Oder, kurz gesagt: Wie schon immer wollen die Linken kollektiv bezahlen und die Rechten kollektiv bestrafen.

Wie kommt es, dass diese Front so deutlich aufbricht? Wäre es nicht sinnvoller, sich um sachliche Lösungen zu bemühen?

Das Bemühen um sachliche Lösungen gibt es ja – zum Glück. Anders als in manchen Phasen vor Jahrzehnten ist der Dialog zwischen rechts und links heute noch nicht abgerissen oder durch pure Polemik ersetzt worden – so viel Fortschritt haben wir doch geschafft. Der empfindliche Punkt ist allerdings: Die Probleme sind so komplex geworden und halbwegs überschaubare Lösungen so weit in die Ferne gerückt, dass es kaum noch möglich ist, den Überblick zu behalten.

Wenn einen die Sachlogik überfordert, hat man die Wahl: sich die eigene Unsicherheit einzugestehen – oder vertrauten Reflexen ihren Lauf zu lassen. Und die zweite Variante fühlt sich meist besser an.

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11 Kommentare zu "Wiebes Weitwinkel: Retten oder bestrafen?"

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  • @ Machiavelli,

    die Entscheidung war schon vernünftig, die Ausführung aber miserabel!

  • @ Miss_Trauen,

    mag sein dass der Euro keine Vernünftige Entscheidung war.
    Tatsache ist aber dass der Euro jetzt da ist und es ist ungemein schwer und teuer das "Euro-Experiment" zu beenden.
    Die einfachste Lösung wäre wenn Deutschland aus dem Euro austritt, dann aber muss Deutschland, laut Verträge, auch aus der EU austreten.
    Ob es dann für Deutschland und für Rest-EU besser wird kann ich wirklich nicht sagen. Es käme auch darauf an ob andere Länder, zusammen mit Deutschland, aus dem Euro und EU austreten. Vielleicht Österreich, mehr glaube ich nicht.
    Wenn nicht dann ist es für Deutschland schlecht und für Rest-EU gut, weil der stärkste Rivale nicht mehr zollfrei in die EU exportieren kann. Dass ein Nettozahler weg ist wäre dadurch mehr als ausgeglichen.

  • Hier wird immer vom schwachen Euro gefaselt, der realistische Wechselkurs des Euro zum US-Dollar wäre 1,20,-
    Also von schwachen Euro kann lange noch keine Rede sein, am Gegenteil, der Euro ist immer noch überbewertet.
    Das wird in Deutschland so dargestellt weil die deutsche Großindustrie wie z.Bsp. Autohersteller die Teile im nicht Euroraum erstellen lässt, die Autos werden dann in Deutschland nur zusammengeschraubt. Daher ist ein überbewertetes Euro für die deutsche Großindustrie gut, es bedeutet noch mehr Gewinn da die Verkaufspreise in Euro feststehen.
    Man merkt also dass das Handelsblatt der deutschen Großindustrie nach dem Mund redet, es geht auch um die Werbung die sonst verloren ginge.

  • @ gerhard,

    abgesehen davon dass laut Verträge ein Austritt aus dem Euro nur zusammen mit einem Austritt aus der EU möglich ist, es ist kaum vorstellbar dass, wenn Griechenland den Euro aufgibt, dem Land dadurch besser gehen würde. Dazu käme dass die Griechen die neue Währung einfach ablehnen würden. Welcher Grieche würde seine Euro umtauschen, dann lieber im Ausland bringen, was übrigens legal wäre.
    Was die Schuldentilgung betrifft, das wäre dann absolut unmöglich, woher sollte der griechische Staat die Milliarden Euro bekommen?
    Ein Austritt aus dem Euro wäre für Deutschland möglich aber, sollte Deutschland das tatsächlich darauf bestehen, das würden die andere Euro-Länder nur erlauben wenn Deutschland, wie in den Verträge vorgesehen, aus der EU austritt. Der Euro ist eine Art Einbahnstraße, egal ob es dem Land wirtschaftlich gut geht oder schlecht. Das war auch so gewollt! Nein, nur Vorwärts ist eine Lösung möglich, damit müssen wir uns abfinden. Je schneller desto besser.

  • Und das Handelsblatt, im Dienste des deutschen Großkapitals, hetzt was das Zeug hält. Aber von Lösungsvorschlag wie man eine Wiederholung der Krise effektiv vermeiden kann, wie z.Bsp. eine Wirtschafts- und Finanzverwaltung, besser noch eine Fiskalunion, oder eine zentrale Steuerbehörde wie in den USA, keine Spur.

  • "Denn die Vorstellung, man könne immer mehr Geld innerhalb Europas Umverteilung, ohne Widerstände hervorzurufen und unkontrollierbare Strukturen zu schaffen, ist schon recht blauäugig. Und die Idee, dass man Länder, denen die Wettbewerbsfähigkeit fehlt, gesundsparen kann, ist nicht gerade von ökonomischem Verständnis durchtränkt. "(Zitat)

    Diese schwarz-weiß Diagnose ist etwas zu eng. Man ist mehr versucht zu sagen :
    -Niemand hat die Absicht, den Euro abzuschaffen - aber man sollte auch betonen: Niemand soll gezwungen werden, im Euro-Raum kleben zu bleiben, um ein Europäer einer mißverstandenen "1. Klasse" zu bleiben. Wohlgemerkt -Euro-Raum ist nicht gleich die EU. Die Euro ja/nein Frage wird jetzt oft gleichgesetzt mit EU ja/nein . Griechenland muß also die EU durchaus nicht verlassen, falls wie andere Nationen auch eine verschiedene Währung besitzt.
    Der Euro-Raum wurde nicht geschaffen, um eine "verkappte" Sozi-EU kreieren zu wollen. Das durchgeführte Euro Experiment ist zwar "schief gelaufen" und deshalb muß die Gesundung ohne Rettungsschirme erfolgen.

    Deshalb muß man den "Delinquenten" nicht gleich " "absaufen "lassen. Jede Insolvenz korrigiert nur einen "lokal begrenzen" Mißstand und basiert aber auf den Gesetzen einer gemeinschaftlich anerkannten Wirtschaft und nicht etwa auf irgendeiner ideologischen "Luftbasis". Wenn man beides aber mischt - dann kommt eben so etwas zustande wie die derzeitige Eurokrise es ausweist.


  • Der Euro ist verbrannt!-Was ist das nur für eine Währung,die
    hohe Inflation begünstigt,die Sparer massenweise in Gold treibt-
    quasi,nur schnell weg mit dem Dreck.-verantwortungslos gegenüber
    den nachfolgenden Generationen,die ja bis 69 arbeiten müssen,um
    den Südländern ein schöneres Leben zu ermöglichen bzw.die Banken
    zu retten, die sich hoffnungslos in griechischen Anleihen ver-
    zockt haben,und deren Lobbyisten-die jetzt mit der Solidaritäts-
    masche das Volk einlullen wollen!
    Nein, Hoffnung schöpft man nur mit was
    Neuem---Einem Nordeuro oder der guten alten Mark. LG

  • "Die einen wollen die Probleme mit Geld ertränken, die anderen wollen sie aushungern."

    Glücklicherweise sind das nicht die einzigen Alternativen. Man sollte die Möglichkeiten auch nicht so simplifizieren und somit auf links-rechts und belohnen-bestrafen reduzieren.

    Wer Kredit möchte, muß den potentiellen Kreditgeber mit Sicherheiten und mit gesichertem Rückzahlungspotential überzeugen. Das ist eine rationale Betrachtungsweise, die sachgerecht ist.

    Die derzeitigen Gläubiger haben gegen diese Spielregeln verstoßen. Sowohl sie als auch der Schuldner selbst werden dafür Opfer bringen müssen.

    Sie stehen in der Pflicht, den Umfang ihrer Opferbereitschaft zu definieren, bevor man über Hilfsmaßnahmen entscheiden kann. Ob am Ende der Prüfung Sanierung oder Untergang steht, das entscheiden sie auch.


  • Ja,stimme Miss_Trauen da vollinhaltlich zu, möchte noch anmerken,
    daß weder Griechenland,Portugal,Italien aus dem Euro aussteigen
    sollten, sondern Deutschland.-Das wäre meiner Meinung nach noch
    der gringste Schaden! Die Schweiz, Dänemark, Norwegen, die
    Schweden leben ja auch mit harter Währung,und das wie man sieht
    sehr ,sehr gut! LG

  • Herr Wiebe, hier geht es nicht um "links" oder "rechts". Die Wahrheit ist einfach und extrem unbequem: Die "Euroretterei" muss nur noch ein Jahr so vorangetrieben werden, und dann ist Deutschland das Ziel der "Märkte". Und was das bedeutet, muss man niemanden sagen. Deutschland kann nicht die Schulden der anderen Europäer übernehmen! Der Euro war eine katastrophal-naive Idee. Es geht darum, diesen Fehler mit einem Ende mit Schrecken abzuwickeln - denn, wie Sie selbst bedeuten, ein Schrecken ohne Ende werden die Wähler nicht mitmachen!
    Der Euro ist ein sozialistisches Projekt und wird genauso scheitern wie der Sozialismus früher im Osten. Es geht um Freiheit, Selbstbestimmung und Verantwortung! Das haben Sie leider gar nicht begriffen.

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