Wieder Demonstranten
Myanmars Mönche trotzen Drohgebärden

Ungeachtet einer Warnung der Militärregierung sind erneut Tausende von buddhistischen Mönche in Myanmar auf die Straße gegangen. Die Generäle hatten die Mönche zuvor aufgefordert, sich aus der Politik herauszuhalten und die landesweiten Proteste zu beenden - mit teilweisem Erfolg.

HB RANGUN. Am achten Tag der friedlichen Proteste versammelten sich etwa 4 000 Mönche an der Shwedagon-Pagode in Rangun, sie wurden von mehreren tausend Menschen bejubelt. Auch in der zweitgrößten Stadt des südostasiatischen Landes, Mandalay, demonstrierten 700 Mönche.

Am Vortag hatten sich in Myanmar die größten regierungsfeindlichen Demonstrationen seit 19 Jahren ereignet. Am Dienstag fuhren Behördensprecher mit Autos durch die Straßen Ranguns und teilten über Lautsprecher mit, der Klerus sei angewiesen worden, sich aus „weltlichen Dingen“ herauszuhalten. Gewisse Elemente versuchten, Unruhe zu stiften.

In den amtlichen Medien wurde eingeräumt, dass die Protestkundgebungen inzwischen ein landesweites Phänomen seien. In Rangun gehe die Angst um, berichteten ausgewanderte Birmesen in Singapur, die mit Verwandten gesprochen hatten. Es werde immer schwieriger per Telefon durchzukommen. Vor allem Handy-Anschlüsse seien gestört. Zugleich seien viele Menschen wegen der drastischen Preiserhöhungen so wütend auf die Regierung wie seit Jahren nicht mehr.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon appellierte wenige Stunden vor dieser Entwicklung an die birmanischen Behörden, die Massenproteste zu tolerieren. Die von buddhistischen Mönche seit Tagen ausgehenden Demonstrationen sollten als Chance begriffen werden, alle Oppositionsgruppen in den politischen Prozess zu integrieren, sagte Ban nach Angaben seiner Sprecherin Michele Montas am Montag in New York.

Die Mahnung an die Militärregierung kam nach einer Demonstration von 100 000 Menschen am Montag in Rangun. Das war die größte Kundgebung seit der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1988. Nachdem die Militärherrscher die Proteste tagelang geduldet hatten, richteten sie am Montag an die geistliche Führung der Mönche die Forderung, sie solle auf ein Ende der Proteste hinwirken. Sollte dies nicht geschehen, werde die Regierung die geeigneten Maßnahmen ergreifen.

Die US-Regierung kündigte unterdessen weitere Sanktionen gegen die Militärjunta an. Präsident George W. Bush werde die Strafmaßnahmen am (heutigen) Dienstag vor der Uno-Vollversammlung bekannt geben, erklärte sein Sicherheitsberater Stephen Hadley. Geplant seien finanzielle Sanktionen gegen Mitglieder des Regimes und ihre Unterstützer. Bush wolle damit die Demokratiebewegung in dem südostasiatischen Land unterstützen.

Die USA haben bereits ein Waffenembargo gegen das Land verhängt und beschränken Importe und Exporte sowie finanzielle Transaktionen.

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