Wieder zwei US-Soldaten getötet
Große Militäroperation gegen Saddam-Anhänger

Fast fünf Monate nach dem Sturz Saddam Husseins haben die US-Truppen eine weitere groß angelegte Militäroperation begonnen, um den irakischen Ex-Präsidenten aufzuspüren und das Netz seiner Helfer zu zerreißen. An dem Einsatz seien tausende Soldaten der in Tikrit stationierten 4. Infanteriedivision beteiligt, teilte ihr Sprecher am Mittwoch mit.

Reuters TIKRIT. Am selben Tag wurden durch feindliche Angriffe wieder zwei US-Soldaten im Irak getötet. Die zunehmende Zahl der Opfer unter den Soldaten und die hohen Kosten des Einsatzes führen in den USA zu wachsender Kritik an Vorgehen der Regierung. Dennoch zeigte sich Präsident George W. Bush entschlossen, die Militäraktion fortzusetzen. „Es wird keinen Rückzug geben“, sagte er am Dienstag vor Kriegsveteranen.

Bei ihrer Operation „Efeu-Nadel“ wollen die US-Truppen im Norden des Landes Schlupfwinkel Saddams zerstören und ihn dadurch immer mehr in die Enge treiben. „Das ist unser Ziel“, sagte Major Josslyn Aberle. „Danach wird es für ihn schwieriger, sich zu verstecken, und sein Netz von Helfern wird weniger gut funktionieren“, fügte sie hinzu. Bei dem Einsatz mit Panzern und Kampfhubschraubern seien bereits Dutzende Personen festgenommen worden.

Die US-Besatzungstruppen wurden unterdessen erneut Ziel von Angriffen: Ein US-Soldat wurde in der Stadt Falludscha getötet, ein weiterer in Bagdad. Sie starben nach Berichten von Augenzeugen bei Angriffen mit Minen und anderen Sprengsätzen auf Fahrzeugkonvois.

Monatlich vier Milliarden Dollar für das Militär

Neben der zunehmenden Zahl von Opfern steigen auch die Kosten für den US-Einsatz im Irak. US-Zivilverwalter Paul Bremer sagte der „Washington Post“, zum Wiederaufbau Iraks seien allein in diesem Jahr Dollarbeträge im zweistelligen Milliardenbereich erforderlich. Allein zwei Milliarden Dollar seien nötig, um den Strombedarf zu decken. 16 Milliarden Dollar koste in den kommenden vier Jahren die Versorgung aller Iraker mit sauberem Wasser. Es werde Jahre dauern und zahllose Milliarden Dollar kosten, bis der Irak wieder funktionsfähig sei, sagte Bremer.

Zu den Wiederaufbaukosten kommen für die USA monatlich vier Milliarden Dollar, die für das Militär aufgewendet werden müssen. Hoffnungen der US-Regierung auf rasche Erträge aus der irakischen Ölförderung haben sich nicht erfüllt. Immer wieder sind die Anlagen Ziel von Angriffen und Plünderungen. Bremer sagte, er hoffe, dass die irakische Ölförderung bis Oktober 2004 wieder das Vorkriegsniveau erreichen werde. Aber selbst dann würde die Öl-Industrie nicht die nötigen Gewinne

erwirtschaften, um die Wiederaufbaukosten abzudecken.

Bush lehnt Rückzug der US-Truppen ab

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In den USA treiben die Belastungen des Irak-Einsatzes das Haushaltsdefizit auf eine neue Rekordhöhe. Haushaltsexperten der Demokraten und Republikaner sind sich einig, dass das Defizit im kommenden Jahr wegen der zu erwartenden Mehrausgaben für die Besetzung und den Wiederaufbau des Irak über 500 Milliarden Dollar steigen könnten. Das bisherige Rekorddefizit der USA lag bei 290 Milliarden Dollar und wurde 1992 unter der Präsidentschaft von Bushs Vater George Bush erreicht. Das Defizit dürfte Bushs Spielraum für weitere Konjunkturprogramme erheblich verringern und seinen Wahlkampf 2004 erschweren.



Dennoch zeigt Bush nicht die Absicht, das US-Engagement im Irak zu verringern. „Ein Rückzug im Angesicht des Terrors würde nur zu mehr und gewagteren Angriffen führen“, sagte er vor Kriegsveteranen. Zuvor hatte er aber schon deutlich gemacht, dass die USA die Lasten des Irak-Einsatzes auf weitere Schultern verteilen wollen. Er werde versuchen, mehr Länder davon zu überzeugen, die US-Bemühungen zu unterstützen, sagte er. Viele Länder haben sich aber bislang zurückhaltend in dieser Frage geäußert. Sie wünschen zunächst eine stärkere Mitsprache der Vereinten Nationen (UNO) in der Verwaltung des Irak.



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