Wiederaufbau des Libanons
Beirut fordert Hilfe

Der Wiederaufbau des Libanons liegt bislang ganz in der Hand der Hisbollah. Die radikale Miliz zahlt bereuts Hilfsgelder an die betroffene Bevölkerung aus. Der libanesische Premier Fuad Siniora nimmt den Westen nun in die Pflicht.

TEL AVIV / BEIRUT / STOCKHOLM. Der libanesische Premier Fuad Siniora hat zur Hilfe beim Wiederaufbau aufgerufen. „Es ist die Pflicht der internationalen Gemeinschaft, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um den Libanon zu retten“, sagte Siniora bei einem Treffen mit Schwedens Entwicklungshilfeministerin Carin Jämtin. Stockholm richtet am 31. August eine internationale Geberkonferenz aus. US-Präsident George W. Bush stellte 230 Mill. Dollar für Sorforthilfen in Aussicht.

In Beirut und in den schiitischen Städten im Süden des Landes wurden durch die israelischen Angriffe tausende Häuser zerstört, im ganzen Land wurde die Infrastruktur bombardiert. Die Zahl der getöteten Menschen wird im Libanon mit etwa 1 200 angegeben. Die finanzielle Schadenshöhe ist bislang unbekannt. Die Uno will erst in den kommenden Tagen Zahlen nennen. Premier Siniora sprach pauschal von Schäden „in Milliardenhöhe“, Regierungskreise nannten rund sechs Mrd. Dollar.

Dagegen veranschlagt Mohamed Safadi, Minister für Transport und Infrastruktur, einem Gesamtschaden von bis zu 20 Mrd. Dollar – was das gesamte Sozialprodukt des Landes deutlich übersteigen würde. Allein die Folgeschäden für die Wirtschaft beziffert Safadi im Gespräch mit dem Handelsblatt auf zehn Mrd. Dollar. „Die Wirtschaft hat einen schweren Schlag bekommen. Wir hatten einen Boom erwartet – daraus wird jetzt nichts.“ Die Einnahmen des Staates seien um zwei Drittel auf nur noch 200 Mill. Dollar pro Monat gefallen. Tatsächlich hat der Krieg wichtigen Branchen wie dem Tourismus und dem Handel schwer geschadet. Statt des in diesem Jahr erwarteten Wirtschaftswachstums von bis zu fünf Prozent müsse man jetzt froh sein, wenn bis Ende Jahr ein Nullwachstum registriert wird, urteilen Wirtschaftsexperten in Beirut. Wahrscheinlicher sei aber ein Minus von bis zu drei Prozent.

Hochkonjunktur erwarten hingegen die Bauunternehmer. Am meisten Geld wird die Reparatur der Straßen, Brücken und Pisten des internationalen Flughafens von Beirut beanspruchen, die von Israel während der mehr als vier Wochen dauernden Luftangriffe zerstört wurden. Damit sollte der Waffennachschub für die Hisbollah aus Syrien unterbunden werden. Instandsetzungsarbeiten werden auch Stromversorgungs- und Telekommunikationsunternehmen sowie Wasserwerke und das Verteidigungsministerium vergeben.

Bereits jetzt zeigt sich die radikalislamische Hisbollah effizienter als der Staat. Sie verteilt im Südlibanon als Soforthilfe 100-Dollar-Scheine – eine erste Kompensation für die Geschädigten. Das schnelle Agieren der radikalen Organisation fordert den Westen heraus: Wenn es nicht gelingt, dem Libanon finanziell unter die Arme zu greifen, profiliert sich die Hisbollah – und damit deren Sponsor Teheran – erneut als Retterin der Nation.

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