Wiederaufbau
Japan scheitert am Krisenmanagemet

Nach nur einer Woche muss Japans Wiederaufbauminister wieder zurücktreten. Damit wächst die Kritik am Krisenmanagement der Regierung. Auch Monate nach der Katastrophe warten die betroffenen Regionen weiter auf Hilfe.
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TokioKnapp vier Monate nach dem Jahrhundertbeben und der Atomkatastrophe hat Japan sein Krisenmanagement noch immer nicht im Griff. Nach einer Woche im Amt trat am Dienstag der für den Wiederaufbau zuständige Ryu Matsumoto bereits wieder zurück. Er hatte Opfer und Opposition mit der Bemerkung gegen sich aufgebracht, die Regierung werde keiner Gemeinde im Katastrophengebiet helfen, die keine eigenen Konzepte entwickle. Durch den Konflikt ist auch die Zustimmung des zutiefst gespaltenen Parlaments zu einem milliardenschweren Nachtragshaushalt gefährdet, den das Kabinett auf den Weg brachte. Ministerpräsident Naoto Kan hat vor kurzem nur dadurch eine Vertrauensfrage überstanden, dass er seinen Rücktritt ankündigte. Den Zeitpunkt dafür ließ er offen. 

„Die oppositionelle Liberal-Demokratische Partei und die Neue Komeito könnten in Versuchung geraten darauf zu pochen, dass Kan jetzt geht und dass nichts vorankommt, so lange er nicht zurücktritt“, sagte der Wissenschaftler Koichi Nakano. Der am Dienstag vom Kabinett verabschiedete Nachtragshaushalt über umgerechnet 17 Milliarden Euro ist bereits der zweite. Kan plant zudem noch einen dritten, um den größten Wiederaufbau seit dem Zweiten Weltkrieg zu bewältigen. Wer das Mammutprojekt nun leiten soll, ist offen. 

Matsumotos Auftritt am Samstag in der Katastrophenregion war in mehrfacher Hinsicht ein Eklat: Der Minister setzte nicht nur die zerstörten Städte und Gemeinden unter Druck. Er rüffelte auch vor laufenden Kameras den Gouverneur der Präfektur Miyagi wegen einer Verspätung und verlangte dann von den zahlreich vertretenen Journalisten, über seinen Ausbruch nicht zu berichten. Andernfalls müssten die Medienunternehmen mit negativen Folgen rechnen. 

Bei dem Beben am 11. März und dem dadurch ausgelösten Tsunami wurden etwa 26.000 Menschen getötet. Mit einem Sachschaden von rund 200 Milliarden Euro ist es die bislang teuerste Naturkatastrophe der Welt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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