Wiederaufbau
Juschtschenko bittet um Hilfe für Tschernobyl-Regionen

Auch wenn die Explosion des Atomreaktors in Tschernobyl bereits 20 Jahre her ist, die schrecklichen Folgen reichen bis zum heutigen Tag. Doch der ukrainischen Regierung fehlt das Geld, um etwas zu unternehmen.

HB KIEW. Der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko hat die internationale Gemeinschaft aufgerufen, 20 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl finanziell beim Wiederaufbau der verstrahlten Region zu helfen. „Wir müssen das Tschernobyl-Stereotyp loswerden, das es eine unheilbare Entzündung am Körper der Ukraine gibt“, sagte Juschtschenko am Montag bei der Eröffnung einer dreitägigen Konferenz internationaler Strahlen- und Gesundheitsfachleute in Kiew. „Das ist Land, das wir wiederherstellen sollten.“ Dies werde aber mehr Geld erfordern, als die Ukraine aufbringen könne, sagte Juschtschenko und verwies darauf, dass Kiew bereits zwölf Milliarden Euro für Projekte im Zusammenhang mit der Tschernobyl-Katastrophe aufgebracht habe.

Am 26. April führte eine Explosion im Reaktor Nummer vier zum bislang folgenschwersten Unfall in einem Atomkraftwerk. Zehn Tage lang wurden Regionen in Nord- und Westeuropa Strahlung ausgesetzt; im ukrainisch-weißrussisch-russischen Dreiländereck wurden mehr als 100 000 Menschen evakuiert und mehr als 200 000 Quadratkilometer verstrahlt. Nach Angaben der UN-Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben vermutlich 9 300 Menschen an den Folgen der Strahlung. Internationale Organisationen wie Greenpeace nennen aber bis zu zehnmal höhere Zahlen.

Der russische Beauftragte für Tschernobyl-Angelegenheiten, Wladimir Demidow, sagte am Montag in Moskau, 7 000 bis 8 000 Russen seien an den Folgen des Reaktorunfalls gestorben. 60 000 hätten erhebliche Gesundheitsschäden erlitten. Greenpeace Russland und die russische Tschernobyl-Union wiesen die Zahlen der WHO und Moskaus zurück. Wladimir Tschuprow von Greenpeace Russland sprach von einem Manöver der Atomindustrie, sich selbst zu rehabilitieren und „das größte Hindernis bei der atomaren Renaissance aus dem Weg zu räumen“. Wjatscheslaw Grischin von der Tschernobyl-Union sagte, seit den Aufräumarbeiten nach der Explosion seien 30 000 russische Arbeiter gestorben. Für die Familien forderte er eine staatliche Entschädigung über zwei Milliarden Rubel (60 Millionen Euro).

Auf der Konferenz in Kiew soll darüber diskutiert werden, welche Lehren aus der Katastrophe vom 26. April 1986 zu ziehen sind. Unteranderem sollte es um internationale Standards, den Schutz vor Radioaktivität und die Beseitigung radioaktiven Mülls gehen. Nach Angaben der russischen Gesundheitsbehörde leben mehr als 1,5 Millionen Russen in Gebieten, die nach dem Tschernobyl-GAU radioaktiv kontaminiert sind. Betroffen seien etwa 4 000 Städte und Dörfer in 14 Provinzen, sagte der Leiter des staatlichen Gesundheitsdienstes, Gennadi Onischtschenko, am Montag. Insbesondere in den Provinzen Brjansk und Kaluga im Westen des Landes seien Fleisch und Gemüse privater Erzeuger nach wie vor radioaktiv belastet.

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