Wiederaufbau von Syrien Russlands seltsames Angebot an die EU

Syriens Infrastruktur ist völlig zerstört – auch durch russische Bombardements. Mit dem Militäreinsatz sieht der Kreml seine Schuldigkeit im Syrien-Konflikt getan. Das Geld für den Wiederaufbau sollen andere liefern.
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Nach einem Vorschlag des stellvertretenden russischen Außenministers soll sich die EU mit einer zweistelligen Milliardensumme am Wiederaufbau Syriens beteiligen. Quelle: AFP
Zerstörtes Gebäude in al-Bab

Nach einem Vorschlag des stellvertretenden russischen Außenministers soll sich die EU mit einer zweistelligen Milliardensumme am Wiederaufbau Syriens beteiligen.

(Foto: AFP)

MoskauRussland sieht sich als wichtigsten Partner Syriens. Doch wenn es um die Instandsetzung der zerstörten Infrastruktur in dem Land geht, darf der sonst geschmähte Westen gerne aushelfen: Wie nun bekannt wurde, hat der stellvertretende russische Außenminister Michail Bogdanow in der vergangenen Woche bei einem Treffen mit den EU-Botschaftern in Moskau diesen vorgeschlagen, sich mit einer zweistelligen Milliardensumme am Wiederaufbau Syriens zu beteiligen. Moskau selbst hingegen will sich nach Angaben der Financial Times unter Berufung auf einen nichtgenannten westlichen Diplomaten dabei nicht engagieren.

Die russische Offerte ist bei den EU-Botschaftern erwartungsgemäß auf wenig Enthusiasmus gestoßen. Mehrere verwiesen darauf, dass die Schäden unter anderem auch durch das massive Bombardement der russischen Luftwaffe hervorgerufen wurde, die insbesondere in der Großstadt Aleppo großflächige Zerstörungen hinterlassen hat.

Hilfe für Syrien – große Worte, wenig Taten
Lob von Ban Ki Moon
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Am 4. Februar 2016 schrieb die Welt in London Geschichte: Noch nie sei so viel Geld an einem einzigen Tag für eine einzelne Krise gesammelt worden, lobte Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki Moon. Auf der Geberkonferenz in London versprachen Staatschefs aus aller Welt eine Rekordsumme für Syrien und seine Nachbarländer.

Flüchtlingslager in Jordanien
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Sechs Milliarden Dollar wollten die Staatschefs zur Lösung der Flüchtlingskrise in Syrien und den Nachbarstaaten noch in diesem Jahr bereit stellen, weitere 6,1 Milliarden Dollar bis 2020. Doch ein halbes Jahr nach der Londonder Geberkonferenz macht sich Ernüchterung breit. Von den versprochenen Summen ist bisher nur ein Bruchteil geflossen.

Platz 10: Niederlande
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Der niederländische Premierminister Mark Rutte: Die Niederlande hatten 137 Millionen US-Dollar für Syrien und seine Nachbarstaaten wie den Libanon oder die Türkei zugesagt. Bislang sind davon allerdings nur 40 Millionen geflossen (Stand: 28. Juli 2016).

Platz 9: Vereinigte Arabische Emirate
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Die Vereinigten Arabischen haben immerhin knapp die Hälfte der versprochenen Hilfen bereits gezahlt: Von 137 Millionen US-Dollar flossen bereits 66 Millionen.

Platz 8: Kanada
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Kanadas Premierminister Justin Trudeau: Das Land versprach 200 Millionen US-Dollar Hilfszahlungen für Syrien und seine Nachbarregion, überwiesen wurden bislang 125 Millionen.

Platz 7: Saudi-Arabien
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Von versprochenen 200 Millionen US-Dollar wurden bislang gerade einmal 7,4 Millionen gezahlt. Schlechter war nur noch die Zahlungsmoral von Kuwait und China gezahlt: Diese zahlten bisher keinen einzigen Dollar.

Platz 6: Norwegen
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Norwegens Premierministerin Erna Solberg: Das Land liegt etwa gleichauf mit Kanada. Beide Länder haben rund 60 Prozent der versprochenen Gelder bereits überwiesen. Norwegen will 278 Millionen Dollar zahlen, von denen 173 Millionen bereits geflossen sind.

Zudem ist das Vertrauen in Syriens Staatschef Baschar al-Assad im Westen nach wie vor gering. Während er für Russland ein wichtiger Verbündeter bleibt, der ihnen Militärstützpunkte in der Region sichert, werfen ihm westliche Regierungen vor, durch Unterdrückung und Menschenrechtsverletzungen die Ursachen für den Bürgerkrieg gelegt zu haben. Neben Großbritannien und Frankreich sollen auch Vertreter der Niederlande erklärt haben, dass unter Assad kein dauerhafter Frieden in Syrien möglich sei. Ein Wiederaufbau des Landes sei daher zu diesem Zeitpunkt wenig sinnvoll, so das Argument.

Das Thema dürfte auch bei den Friedensverhandlungen in Genf auf den Tisch kommen. Der Uno-Vertreter Russlands in Genf Alexej Borodawkin, nahm daher zu den Berichten inzwischen Stellung: „Russland liefert schon jetzt in großem Umfang humanitäre und militärisch-technische Hilfe nach Syrien. Aber wenn es um den Wiederaufbau Syriens geht, und darüber müssen wir jetzt schon reden, dann erfordert das gewaltige Summen“, sagte er. Die EU könne hierbei große Unterstützung leisten, fügte er hinzu. Ob sich Russland an den Reparationen beteiligen will, ließ er aber weiter offen.

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10 Kommentare zu "Wiederaufbau von Syrien: Russlands seltsames Angebot an die EU"

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  • Sollte die EU wirklich zahlen, so ist das ein Konjunkturprogramm für die europäische Wirtschaft und eine Investition in eine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dieser wichtigen Region.

    Solche Zusammenhänge scheinen Herrn Putin eher fremd zu sein. Er hat ja auch außer Öl und Gas (braucht da unten keiner) sowie großer Mengen von Bomben nichts zu bieten.

    Nur der Zeitpunkt für diese Schritte könnte sich etwas verschieben. Die nächsten 30 Jahre dürften erst mal dem Krieg zwischen Saudi Arabien (unterstützt von den USA) und dem Iran und Syrien (unterstützt von Putins SU 2.0) gehören. Solange können wir uns ja mit Waffenexporten über Wasser halten.

  • >> Russland sieht sich als wichtigsten Partner Syriens. Doch wenn es um die Instandsetzung der zerstörten Infrastruktur in dem Land geht, darf der sonst geschmähte Westen gerne aushelfen >>

    Verehrter Herr Andre ( klingt nach einem Ossi ), wenn sie solche Berichte verfassen, so geben Sie sich doch auch bitte die Mühe, mit weniger FAKE-NEWS zu agieren.

    Bekanntlich dauert der Syrien-Krieg bereits das 7 Jahr, und nur seit einem Jahr engagieren sich die Russen auf Bitte der offiziellen Regierung Syriens militärisch in Syrien.

    Wer hat denn davor 6 Jahre lang Syrien bombardiert, destabilisiert, in Schutt und Asche gebombt.....? War da der Westen nicht dabei ?

    Armselige SCHREIBERLINGE !

  • DEUTSCHLAND BRAUCHT WIEDER EINEN KÖNIG!

    Wie unsere Politiker unser Geld zum Fenster rauswerfen und sich selbst versorgen, so teuer kann kein König sein! Wobei ein König immer noch nach dem Vorteil für sein Land schaut, was bei unseren Politiker nicht der Fall ist!

  • Finanzierung des Wiederaufbaus in Syrien ? Solange in Syrien kein wirklicher Friede einkehrt ist es müßig, über einen Wiederaufbau des Landes nachzudenken . Sollte das jemals geschehen, wären Investitionen in Syrien sinnvoll, zumal dann Hunderttausende Syrer zurückgeführt und so Milliarden an Unterhaltskosten in D und anderen Aufnahmeländern. eingespart und freie Finanzmittel - natürlich gebündelt mit den Finanzmitteln anderer Länder - zum Wiederaufbau in Syrien eingesetzt werden könnten.
    Die an sich gute Tat der Aufnahme von Flüchtlingen, denen Asyl gewährt wurde, entbindet nicht auch von der weiteren guten Tat, durch Schaffung menschenwürdiger Bedingungen im durch Krieg zerstörten Land (Wiederaufbau etc.) eine Rückkehr zu ermöglichen.
    Genau auch das ist der Grund, warum sich Länder vor der Aufnahme von Flüchtlingen scheuen,

  • Die Stadt Aachen sollte Herrn Putin den Orden "Wider den tierischen Ernst" verleihen. Beim KGB scheint man ja eine besonders feine Art des Humors zu lernen (neben dem Morden).

    Wir sollten dem Herrn Putin aber auch für seinen Beitrag zum Erhalt der europäischen Union dankbar sein. Wenn es jemand schafft, diesen völlig zerstrittenen Haufen zusammenhalten, dann der Herr Putin mit seinem Projekt Sovjet-Unkion 2.0.

  • Nun, die Deutschen zahlen begeistert horrende Steuern, verzichten auf eigene Kinder und finanzieren stattdessen Kinder anderer Kulturen. Das sind deutliche Anzeichen einer untergehenden Kultur.

    Die Politiker haben damit die Taschen voller Geld. Neben dem ökosozialistischem Komplex im eigenen Land, überschuldeten südeuropäischen Staaten, "Erneuerbaren Energien" ist dann wohl noch Geld übrig um auch noch andere Staaten nach ihren internen Bürgerkriegen wieder aufzubauen.

    Ich finde das Aufbauen fremder Staaten nicht schlechter als die obigen Möglichkeiten Geld zu verschwenden.

  • Wie krank sind unsere Politiker!

    Das erinnert an die Target-Salden: Andere kaufen Produkte bei uns, die über Verrechnungskonten bezahlt werden, von denen wir wissen, dass diese nie bezahlt werden. Das Gleiche wird in Syrien passieren. Wir werden bezahlen (Bar, Bürgschaften oder Verrechnungskonten) und das Geld niemals zurückbekommen. Krank, einfach nur krank...

  • Seltsames Angebot Russlands an die EU? Überhaupt nicht seltsam. Wer kann sich erinnern , dass die USA den Wiederaufbau Vietnams bezahlten? - Oder aktuell Irak, Syrien, Lybien etc. Die EU als Menschrechtsleuchtturm der Welt wird zahlen müssen, denn wie man hört bekommt jeder anerkannter Flüchtling (verursacht durch Russen und Ami-Bombardement, Erdogan & Co wollen wir mal vergessen) 140,00 € Taschengeld, Wohnung (komplett eingerichtet). Miete und Nebenkosten übernehmen wir auch. Warum sollte Russland dann für den Wiederaufbau bezahlen? - Und wir sollten nicht mit zweierlei Maß messen (siehe Konflikt Israel mit den Palästinensern.

  • Immer wieder schön zu sehen, wie Russland oder die USA mit der Merkel EU-Deutschland Moral Mafia Ping-Pong spielt.

  • Putin ist ein guter Beobachter, denn die EU wird zahlen. Klaro!

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