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Wiedereröffnung: Zyperns Banken normalisieren den Schalterbetrieb weiter

Nach der Wiederöffnung von Zyperns Banken brach kein Chaos aus. 300 Euro durften die Bürger des Landes von ihren Konto abheben. Einzig eine Handvoll hoher Auslandsüberweisungen lässt die Regierung noch stutzen.

Bank-Run blieb aus: Die meisten hielten sich an den Betrag, der abgehoben werden durfte. Quelle: dpa
Bank-Run blieb aus: Die meisten hielten sich an den Betrag, der abgehoben werden durfte. Quelle: dpa

NikosiaDie Banken auf Zypern wollen ihren Betrieb nach der Wiederöffnung weiter normalisieren. Heute sollen die Schalter zur normalen Geschäftszeit um 08.30 Uhr (07.30 MEZ) öffnen, teilten Bankenvertreter in der Hauptstadt Nikosia mit. Am Vortag war ein befürchteter Massenansturm ausgeblieben.

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Das Hilfspaket in Kürze

  • Anlegerschutz

    Im Gegensatz zur ursprünglichen Fassung der Abmachung von Mitte März werden Konten mit Guthaben von weniger als 100 000 Euro nicht angerührt. Die geplante generelle Zwangsabgabe auf Konten entfällt.

  • Endgültige Abmachung

    Sie soll im April stehen. Zuvor müssen nationale Parlamente wie in Deutschland noch zustimmen. Die ersten Auszahlungen aus dem europäischen Rettungsschirm ESM soll es dann im Mai geben.

  • Umfang

    Die Finanzhilfen der Geldgeber umfassen bis zu zehn Milliarden Euro. Der Internationale Währungsfonds will sich beteiligen, eine Summe steht noch nicht fest. Im Gespräch ist rund eine Milliarde Euro.

  • Zyprische Banken

    Zypern sichert zu, sein aufgeblähtes Bankensystem zu sanieren und deutlich zu verkleinern. Die zweitgrößte Bank Laiki wird abgewickelt. Der Branchenprimus Bank of Cyprus wird zurechtgestutzt und übernimmt den überlebensfähigen Teil von Laiki.

„Die meisten Leute haben die erlaubte Summe von 300 Euro abgehoben“, sagte der Dimitris Antoniou, Chef der Filiale der Bank of Cyprus am zentralen Eleftherias Platz, der Nachrichtenagentur dpa. Am Donnerstag waren die Banken erstmals seit fast zwei Wochen wieder geöffnet worden.

Die Zyprer hatten sich seit Mitte März nur noch an Automaten in kleinen Summen mit Bargeld versorgen können. Andere Bankgeschäfte ruhten.

Zyperns Präsident Nikos Anastasiades bedankte sich bei seinen Mitbürgern für deren besonnenes Verhalten. Die Zyprer hätten gezeigt, dass sie „es nicht nur wollen, sondern es auch können“, ihr Land aus der Krise zu führen.

Harte Regeln der zyprischen Notenbank sollen ein schnelles Ausbluten der Banken verhindern. So dürfen pro Person und Bank maximal 300 Euro pro Tag abgehoben werden. Daueraufträge für die Zahlung von Löhnen werden wieder erlaubt. Strenge Regeln gelten für den Zahlungsverkehr mit dem Ausland. Im einzelnen sollen Auslandsüberweisungen und Zahlungen mit Kreditkarten im Ausland pro Person und Bank zunächst auf 5000 Euro beschränkt werden. Für Beträge bis zu 200 000 Euro und darüber sind Sondergenehmigungen der Zentralbank notwendig.

Eine Chronologie der Zypern-Krise

  • 25. Juni 2012:

    Zypern bittet die Eurozone um Hilfe, nachdem zwei große Banken im Fahrwasser der Griechenland-Krise Verluste von zusammen 4,5 Milliarden Euro erlitten.

  • 1. Juli:

    Ungeachtet der Krise übernimmt Zypern für ein halbes Jahr die EU-Ratspräsidentschaft.

  • 8. Oktober:

    Die EU drängt Zypern, einem Rettungsplan der Troika aus EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) zuzustimmen. Dieser sieht Gehaltskürzungen im öffentlichen Dienst sowie eine Erhöhung der Mehrwertsteuer vor. Die Verhandlungen mit der regierenden Linkspartei Akel ziehen sich aber hin.

  • 3. November:

    Der "Spiegel" meldet unter Berufung auf einen Bericht des Bundesnachrichtendienstes, dass eine Rettungsaktion für Zypern vor allem Inhabern russischer Schwarzgeld-Konten nutzen würde. Russische Staatsbürger hätten bei zyprischen Banken 26 Milliarden Dollar (20,1 Milliarden Euro) gebunkert.

  • 22. November:

    Die zyprische Regierung beziffert den Finanzbedarf des Landes auf rund 17 Milliarden Euro.

  • 11. Januar 2013:

    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) drängt Zypern bei einem Besuch auf der Mittelmeerinsel zu Reformen.

  • 24. Februar:

    Der als Sparkurs-Befürworter geltende Konservative Nikos Anastasiades wird zum neuen Präsidenten Zyperns gewählt.

  • 4. März:

    Angesichts anhaltender Vorwürfe der Europartner, ein Paradies für Geldwäsche zu sein, stimmt Nikosia einer unabhängigen Prüfung der Finanzströme auf die Insel zu.

  • 16. März:

    Die Finanzminister der Eurozone und der IWF wollen Zypern mit bis zu zehn Milliarden Euro unterstützen. Die Differenz zu den ursprünglich verlangten rund 17 Milliarden Euro muss Nikosia durch höhere Staatseinnahmen aufbringen, etwa durch Privatisierungen und eine Anhebung der Unternehmenssteuer, vor allem aber durch eine Abgabe auf Bankeinlagen, die insgesamt 5,8 Milliarden Euro bringen soll.

  • 18. März:

    Unter öffentlichem Druck kündigt Nikosia an, das Rettungspaket zugunsten der Kleinanleger neu zu verhandeln. Die Banken bleiben vorerst geschlossen, um panikartige Abhebungen von den Konten zu verhindern. Die Eurozone fordert Nikosia am Abend auf, "Einlagen unter 100.000 Euro vollkommen zu garantieren".

  • 19. März:

    Die zyprische Regierung beschließt, Bankeinlagen von unter 20.000 Euro von der Zwangsabgabe auszunehmen. Dennoch fällt das Rettungspaket am Abend im Parlament durch - es gibt keine einzige Ja-Stimme. Vor dem Parlament jubeln tausende Menschen nach der Ablehnung.

  • 20. März:

    Zyperns Finanzminister Michalis Sarris verhandelt in Moskau über mögliche russische Hilfen, die Verhandlungen führen aber zu keinem Ergebnis. Die einflussreiche Orthodoxe Kirche auf Zypern bietet ihre Hilfe an: Sie will der Regierung ihr Vermögen zur Verfügung stellen.

  • 21. März:

    Zypern will anstelle der Zwangsabgabe auf Bankguthaben einen eigenen Rettungsfonds einrichten. Die EZB erhöht den Druck auf das Land: Sie erklärt, die zyprischen Banken ohne internationalen Rettungsplan nur noch bis zum 25. März mit Notkrediten zu stützen.

  • 22. März:

    Merkel warnt Zypern davor, die Geduld der Eurostaaten auszureizen. Am Abend stimmt das zyprische Parlament ersten Maßnahmen eines neuen Rettungsplans zu, darunter einem Gesetz zur Bankensanierung und der Einrichtung eines nationalen Solidaritätsfonds.

  • 23. März:

    Zyprische Medien berichten über eine Einigung zwischen zyprischer Regierung und Troika auf ein Konzept für die umstrittene Zwangsabgabe auf Bankguthaben.

  • 24. März:

    Der zyprische Präsident Anastasiades reist zu Verhandlungen nach Brüssel, wo auch die Euro-Finanzminister zusammenkommen. In der Nacht zum 25. März stimmen die Euro-Finanzminister dem Rettungspaket zu.

  • 25. März:

    Nach einem dramatischen Verhandlungsmarathon in Brüssel einigen sich Euro-Staaten, Internationaler Währungsfonds und Zyperns Regierung auf ein Hilfsprogramm von 10 Milliarden Euro. Großanleger müssen sich auf Verluste einstellen. Einlagen unter 100.000 Euro bleiben jedoch unangetastet.

  • 28. März:

    Erstmals seit fast zwei Wochen öffnen die Banken wieder. Allerdings gibt es für Abhebungen und den Zahlungsverkehr strenge Beschränkungen.

Die Einschränkungen sind nach Angaben der EU-Kommission durch den EU-Vertrag gedeckt. EU-Staaten dürften den freien Kapitalverkehr beschränken, wenn dies aus Gründen der öffentlichen Ordnung oder Sicherheit notwendig sei, teilte die Brüsseler Behörde mit. Urteilen des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zufolge sei dies auch aus Gründen des öffentlichen Interesses erlaubt.

Allerdings soll es schon vor der Schließung ungewöhnlich hohe Geldüberweisungen ins Ausland und Bargeld-Abhebungen gegeben haben. Diesen Informationen geht nun Parlamentspräsident Giannakis Omirou nach. Neue Informationen dazu gab es zunächst nicht.

  • 30.03.2013, 14:21 UhrSpediteur

    Die Zyprer hatten sich seit Mitte März nur noch an Automaten in kleinen Summen mit Bargeld versorgen können.
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    Ach, ich hebe mein Bargeld NUR vom Automaten ab - einen Bankschalter habe ich seit 15 Jahren nicht mehr betreten. Oder heben die Zyprer sonst Summen ab, die die 300,--€ pro Tag überschreiten? Mussten deswegen 5 Milliarden in Scheinen von der EZB herbeigekarrt werden, damit die Zyprer auch jeden Tag min. 300,--€uronen abheben können?

  • 30.03.2013, 10:19 UhrVicario

    Zitat : Bank-Run blieb aus

    Mit dem Zypro € ( Eingeschränkter Geldverkehr ) kann es keinen BankenRun geben !

    Mit dem Zypro-€ wird aber das Bankenwesen Zyperns nachhaltig ruiniert !

    Die Zyprioten werde wieder zu Olivenzüchtern.

    Troika ( EZB, EU, IWF ) haben gründliche Arbeit geleistet !

    Und wir werden mit unseren Steuergeldern Zypern als "Dauerpatient" über Wasser halten !!!

  • 29.03.2013, 13:40 UhrD-Mark

    Bankenöffnung in Zypern: Medien berichten einseitig

    http://www.start-trading.de/blog/2013/03/28/bankenoeffnung-in-zypern-medien-berichten-einseitig/

    Man hat die Menschen rund um Nikosia von ihrem Hab und Gut abgeschnitten! Auch Kleinanleger mit z.B. 20.000 EUR
    Das ist die WAHRHEIT

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