Wiederholung der Parlamentswahl gefordert
Selbstmordanschlag überschattet Demonstrationen im Irak

In der irakischen Stadt Balad Rus sind US-Angaben zufolge bei einem Selbstmordanschlag vor einer Moschee am Freitag bis zu zehn Iraker getötet worden. Mehrere tausend irakische Demonstranten haben unterdessen den Behörden Manipulationen bei der Parlamentswahl in der vergangenen Woche vorgeworfen.

HB BAGDAD. Vier Menschen seien bei dem Anschlag verletzt worden, teilte das US-Militär mit. Der Attentäter sei mit einem Fahrrad in den Hof der Moschee gefahren. Als ihm der Zutritt verwehrt worden sei, habe er den Sprengsatz gezündet. Die Stadt Balad Rus liegt nordöstlich der Hauptstadt Bagdad.

Bei einem Angriff auf einen irakischen Armee-Stützpunkt nördlich von Bagdad wurden nach Polizeiangaben zehn Soldaten getötet und 20 verletzt. Dutzende Rebellen hätten mit Maschinengewehren das Feuer auf die Wachen eröffnet und versucht, die Kaserne in Adhaim zu stürmen, sagte ein Polizeisprecher. Nach der Lockerung der vor der Parlamentswahl massiv verschärften Sicherheitsvorkehrungen hat die Zahl der Anschläge auf die Armee und Mitglieder der überwiegend von Schiiten und Kurden geführten Regierung wieder deutlich zugenommen.

Rund 10 000 Sunniten haben am Freitag außerdem in der irakischen Hauptstadt Bagdad für eine Wiederholung der Parlamentswahl demonstriert. Einige trugen die irakische Flagge bei sich, andere hielten Bilder sunnitischer Politiker hoch oder riefen „Nieder mit Amerika“. Die Sunniten - aber auch säkulare Parteien - kritisieren seit Tagen, bei der Abstimmung am 15. Dezember habe es Unregelmäßigkeiten zu ihren Ungunsten gegeben.

Anders als bei der Wahl zu einem Übergangsparlament waren die Sunniten bei der jüngsten Abstimmung in großer Zahl an die Urnen geströmt. Nun drohen viele von ihnen mit einem Boykott des neuen Abgeordnetenhauses. An die erste Wahl eines Parlaments für eine vierjährige Legislaturperiode nach dem Sturz Saddam Husseins hatte sich die Hoffnung geknüpft, den Golfstaat befrieden zu können. Endergebnisse sollen in zwei Wochen vorliegen.

„Sie wollten uns mit diesen gefälschten Wahlergebnissen zeigen, dass wir eine Minderheit in diesem Land sind“, rief Adnan al-Dulaimi von der Irakischen Front der Übereinstimmung (IAF) seinen Anhängern zu. Insbesondere die ersten Zahlen aus Bagdad, Basra und Kirkuk ließen ihn zweifeln. Der Wahlkommission zufolge erhielt die regierende Schiiten-Allianz etwa in der Hauptstadt rund 57 Prozent der Stimmen - und damit mehr, als viele Beobachter erwarten hatten. Die IAF dagegen kam den Angaben nach nur auf 19 Prozent; die nicht-religionsgebundene Irakische Nationale Liste von Ex-Ministerpräsident Ijad Allaui erreichte rund 14 Prozent. Bagdad gilt als einer der wichtigsten Wahlbezirke, weil dort mehr als ein Fünftel der Abgeordnetensitze vergeben werden.

Inzwischen haben zwei Dutzend Parteien offiziell eine Wiederholung der Wahl beantragt und die Entlassung der Wahlkommission gefordert, der sie Parteilichkeit vorwerfen. Die Kommission selbst erklärte, es gebe zwar etliche Beschwerden. Die meisten seien aber unbedeutend und würden das Endergebnis nicht beeinträchtigen. Das Angebot der Schiiten, die Sunniten und andere Gruppierungen stärker als bislang an der Regierung zu beteiligen, wiesen etliche führende sunnitische Politiker am Freitag zurück. Zunächst müssten die Unregelmäßigkeiten bei der Abstimmung offen thematisiert werden, sagte etwa Tarek al-Haschimi von der IAF.

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