Wikileaks
China wäre zur Aufgabe Nordkoreas bereit

Die geheimen US-Dokumente auf der Enthüllungsplattform Wikileaks geben Einblick in die Haltung Chinas zu seinem angeblichen Verbündeten Nordkorea. Offenbar herrschen in Peking mehr Zweifel als bisher vermutet.
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HB PEKING/TOKIO. Bisher sah es so aus, als würde China fest zu seinem Schützling stehen: Egal, wie sich Nordkorea daneben benimmt, Peking kritisiert das Regime in Pjöngjang allenfalls sehr milde. Und eines schien klar: Eine Wiedereinigung unter Führung Südkoreas ist inakzeptabel - schließlich hätten die Chinesen damit einen engen US-Verbündeten direkt vor der Haustür stehen.

Doch in Peking scheinen nicht alle Parteimitglieder hinter dieser Politik zu stehen. Das zumindest suggerieren Dokumente, die der britischen Zeitung "The Guardian" aus den Wikileak-Enthüllungen vorliegen.

Es war allerdings kein Chinese, sondern ein Koreaner, von dem die Informationen stammen - und der könnte es den Amerikanern auch gesagt haben, um ein bisschen Einfluss im Sinne seines Landes zu nehmen. Der damalige südkoreanische Vizeaußenminister Chun Yong-Wu hat den Dokumenten zufolge der US-Botschafterin Kathleen Stephens in Seoul verraten, dass junge Mitglieder der Kommunistischen Partei Chinas ihren Bündnispartner Nordkoera für unzuverlässig halten.

Chun sagte auch, dass Beamte der Meinung seien, eine Wiedervereinigung unter dem Dach Südkoreas sei der bessere Weg für das verarmte Nachbarland. China habe jedoch generell in Pjöngjang weniger Einfluss, als viele Diplomenten denken, warnte Chun.

Aus einer anderen Nachricht vom April 2009 geht hervor, dass Chinas Vizeaußenminister Ha Yafei Nordkoea ein "verzogenes Kind" genannt hat. Mit Raketentests wolle Pjöngjang bloß die Aufmerksamkeit der Amerikaner erregen. Ein US-Botschafter in Kasachstan nannte Nordkorea "eine Bedrohung für die Weltsicherheit".

Die Enthüllungen lassen auch die aktuellen Ereignisse um Nordkorea in einem anderen Licht erscheinen. Als Grund für den Überfall Nordkoreas auf Einrichtungen in Südkorea am vergangenen Dienstag vermuten Experten den sich abzeichnenden Machtwechsel von Führer Kim Jong zu seinem Sohn Kim Jong Un. Die militärische Attacke wird als Zeichen an die starke Armeeführung im Land verstanden, dass Kim Jong Un ebenfalls ein Hardliner sei.

Ebenfalls über Wikileaks verbreitete Botschaftsdokumente belegen jedoch, dass sowohl Südkorea als auch die USA den Machtwechsel als schwierig einstufen und deshalb bereits Verhandlungen geführt haben, um im Falle eines Zusammenbruchs des Regimes in Nordkorea gewappnet zu sein. Wie die New York Times berichtet, hätten Offizielle beider Seiten den Fall diskutiert, dass „die Wirtschaft des Nordens in Schwierigkeiten gerät und ein politischer Übergang dazu führt, dass der Staat implodiert“. Nach den Angaben des US-Botschafters in Seoul, der den Bericht verfasst haben soll, seien auch „kommerzielle Anreize für China“ besprochen worden, um China die Furcht vor einem wiedervereinten Korea als Nachbarn mit einem Militärpartner USA „abzukaufen“. 

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

Kommentare zu " Wikileaks: China wäre zur Aufgabe Nordkoreas bereit"

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  • Das ist verantwortungsloser Journalismus. besonders nach den Ereignissen der letzten Woche in der Region.
    ist es das wirklich wert, so leichtfertig das Leben von Millionen von Menschen aufs Spiel zu setzten? Keiner weiss wie Nordkorea reagieren wird.
    Diplomatie (vor allem zwischen nicht befreundeten Staaten) ist wichtiger als unser informationsbedürfnis.

    PS 1.: Vorwurf geht natürlich in erster Linie an den Guardian (bzw dem deutschen Pendanten)
    PS 2.: Die korrekte Überschrift wäre gewesen: Wikileaks: USA glauben China wäre zur Aufgabe Nordkoreas bereit

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