Wikileaks-Enthüllungen
Die Blamierten Staaten von Amerika

Die Internetplattform Wikileaks hat mit der Veröffentlichung Hunderttausender Dossiers die Diplomatie der Vereinigten Staaten in eine schwere Krise gestürzt. Einem Zeitungsbericht zufolge sollen Diplomaten im Namen von Außenministerin Hillary Clinton angewiesen worden sein, Vetreter anderer Staaten auszuspähen. Auch Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon stand demnach im Visier der Amerikaner.
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HB WASHINGTON. Die Regierung von Präsident Barack Obama steckt wegen der Enthüllungen in einer diplomatischen Krise von globalem Ausmaß. Auch deutsche Politiker werden durch die Veröffentlichung Hunderttausender diplomatischer Berichte in ein schlechtes Licht gerückt. Der US-Botschafter in Deutschland, Phillip Murphy, sprach von einer Herausforderung für die deutsch-amerikanische Freundschaft.

Murphy rechtfertige im Interview mit dem „Spiegel“ die Berichte allerdings auch als normale diplomatische Arbeit: „Wir reden mit Leuten, man lernt sich kennen, man vertraut sich, man teilt Einschätzungen.“ Er sei „unglaublich wütend“ auf denjenigen, der das Material heruntergeladen habe. Seine Leute hätten „nichts falsch gemacht“, so Murphy, „und ich werde mich für nichts entschuldigen, das sie gemacht haben“.

In den nächsten Tagen sollen noch mehr der Dokumente ins Netz gelangen. „New York Times“ und „Spiegel Online“ wollten im Laufe der Woche in Fortsetzung über Inhalte berichten, meldeten beide Medien. Die US-Regierung verurteilte den jüngsten Coup der Internet- Aktivisten am Sonntag aufs Schärfste. Er sei „rücksichtslos“ und „gefährlich“, erklärte der Sprecher von Präsident Barack Obama, Robert Gibbs. Die Publikation der vertraulichen und teils geheimen Dokumente gefährde weltweit Regimekritiker und Oppositionsführer, die im Kontakt mit amerikanischen Diplomaten stünden.

Nach Darstellung der britischen Zeitung „Guardian“ haben die USA sogar versucht, die Führung der Vereinten Nationen sowie diplomatische Vertreter anderer Staaten auszuspionieren. Im Namen von US-Außenministerin Hillary Clinton sei im Juli vergangenen Jahres unter anderem eine Anordnung an mehr als 30 US-Botschaften und Konsulate in Afrika, im Nahen Osten, in Osteuropa, in Lateinamerika sowie an die US-Vertretung bei den Vereinten Nationen verschickt worden, berichtete das Blatt.

Darin seien die Diplomaten aufgefordert worden, technische Informationen über die Kommunikationssysteme von hochrangigen Uno-Vertretern zu sammeln, darunter auch Passwörter für Verschlüsselungen. Auch über Generalsekretär Ban Ki Moon sollten demnach Informationen gesammelt werden. Laut „Spiegel“ sollten die Diplomaten persönliche Kreditkarteninformationen, Vielflieger-Kundennummern sowie E-Mail- und Telefonverzeichnisse sammeln.

Unterdessen hat Australien den USA Unterstützung bei einer Strafverfolgung des Enthüllungsportals und seines Mitbegründers Julian Assange zugesichert. Die Polizei in Australien hat Ermittlungen gegen Assange aufgenommen. Es werde geprüft, ob australische Gesetze gebrochen wuirden, sagte Justizminister Robert McClelland am Montag. Von einer Aufforderung der USA, Assange seinen australischen Pass zu entziehen, sei ihm allerdings nichts bekannt.

Es gebe „möglicherweise eine Reihe von Strafgesetzen“, gegen die Wikileaks mit der Veröffentlichung von teils geheimen Unterlagen des US-Außenministeriums verstoßen haben könnte, sagte McClelland. Ministerpräsidentin Julia Gillard hatte die geplante Enthüllung vergangene Woche als rücksichtslos und möglicherweise schädlich für die Sicherheitsinteressen Australiens verurteilt.

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  • Das zeigt vor allem wie wichtig Datenschutz ist.
    Und das es teuer werden kann einfach alle Daten zu sammeln und dann nicht drauf acht zu geben.

  • Strafverfolgung von Assagne?
    Klarer Fall den Überbringer der schlechten Nachrichten zu köpfen.
    Ein Volk sollte solche Politiker nicht mehr wählen.

    Es muß weltweit Pflicht werden, daß Regierungen alle erarbeiten Verträge (Autobahnmaut) und Dossiers veröffentlichen, denn die Regierungen habe es im Auftrag und mit bezahlung des Volkes gemacht, diese informationen gehören dem ganzen Volk (und sind entscheidend, um beurteilen zu können, ob man solche Politiker wieder haben will oder abwählen sollte).

    So lange das nicht passiert WÄHLT DAS KORRUPTE POLiTiKERGESOCKS SOFORT Ab !

    Daß WikiLeaks auch politisch missbraucht werden kann in dem die gewünschten informationen zugespielt werden, ist keine Frage. Dann hilft es aber, auch noch die gegenteiligen informationen zuzuspielen :-)

  • Es zeigt nur eines einen Amerikanischen Geschäftsmann oder Politiker als Freund braucht keine Feinde mehr. Es würde nur von Frau Merkel richtig sein die gerade verliehen Freiheitsmedalle wieder zurück zuschicken. Wer Freunde ausspioniert, braucht keine Feinde mehr. Eigentlich sollte man sämtliche Kredite von den USA einfordern und die konservative Geldmafia weltweit ächten und deren besitztümer geschlagnahmen.

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