Wikileaks-Enthüllungen Die Blamierten Staaten von Amerika

Die Internetplattform Wikileaks hat mit der Veröffentlichung Hunderttausender Dossiers die Diplomatie der Vereinigten Staaten in eine schwere Krise gestürzt. Einem Zeitungsbericht zufolge sollen Diplomaten im Namen von Außenministerin Hillary Clinton angewiesen worden sein, Vetreter anderer Staaten auszuspähen. Auch Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon stand demnach im Visier der Amerikaner.
18 Kommentare
Mission Schadensbegrenzung: US-Außenministerin Hillary Clinton steht nach den Wikileaks-Enthüllungen vor einer heiklen Aufgabe. Quelle: DAPD

Mission Schadensbegrenzung: US-Außenministerin Hillary Clinton steht nach den Wikileaks-Enthüllungen vor einer heiklen Aufgabe.

HB WASHINGTON. Die Regierung von Präsident Barack Obama steckt wegen der Enthüllungen in einer diplomatischen Krise von globalem Ausmaß. Auch deutsche Politiker werden durch die Veröffentlichung Hunderttausender diplomatischer Berichte in ein schlechtes Licht gerückt. Der US-Botschafter in Deutschland, Phillip Murphy, sprach von einer Herausforderung für die deutsch-amerikanische Freundschaft.

Murphy rechtfertige im Interview mit dem „Spiegel“ die Berichte allerdings auch als normale diplomatische Arbeit: „Wir reden mit Leuten, man lernt sich kennen, man vertraut sich, man teilt Einschätzungen.“ Er sei „unglaublich wütend“ auf denjenigen, der das Material heruntergeladen habe. Seine Leute hätten „nichts falsch gemacht“, so Murphy, „und ich werde mich für nichts entschuldigen, das sie gemacht haben“.

In den nächsten Tagen sollen noch mehr der Dokumente ins Netz gelangen. „New York Times“ und „Spiegel Online“ wollten im Laufe der Woche in Fortsetzung über Inhalte berichten, meldeten beide Medien. Die US-Regierung verurteilte den jüngsten Coup der Internet- Aktivisten am Sonntag aufs Schärfste. Er sei „rücksichtslos“ und „gefährlich“, erklärte der Sprecher von Präsident Barack Obama, Robert Gibbs. Die Publikation der vertraulichen und teils geheimen Dokumente gefährde weltweit Regimekritiker und Oppositionsführer, die im Kontakt mit amerikanischen Diplomaten stünden.

Nach Darstellung der britischen Zeitung „Guardian“ haben die USA sogar versucht, die Führung der Vereinten Nationen sowie diplomatische Vertreter anderer Staaten auszuspionieren. Im Namen von US-Außenministerin Hillary Clinton sei im Juli vergangenen Jahres unter anderem eine Anordnung an mehr als 30 US-Botschaften und Konsulate in Afrika, im Nahen Osten, in Osteuropa, in Lateinamerika sowie an die US-Vertretung bei den Vereinten Nationen verschickt worden, berichtete das Blatt.

Darin seien die Diplomaten aufgefordert worden, technische Informationen über die Kommunikationssysteme von hochrangigen Uno-Vertretern zu sammeln, darunter auch Passwörter für Verschlüsselungen. Auch über Generalsekretär Ban Ki Moon sollten demnach Informationen gesammelt werden. Laut „Spiegel“ sollten die Diplomaten persönliche Kreditkarteninformationen, Vielflieger-Kundennummern sowie E-Mail- und Telefonverzeichnisse sammeln.

Unterdessen hat Australien den USA Unterstützung bei einer Strafverfolgung des Enthüllungsportals und seines Mitbegründers Julian Assange zugesichert. Die Polizei in Australien hat Ermittlungen gegen Assange aufgenommen. Es werde geprüft, ob australische Gesetze gebrochen wuirden, sagte Justizminister Robert McClelland am Montag. Von einer Aufforderung der USA, Assange seinen australischen Pass zu entziehen, sei ihm allerdings nichts bekannt.

Es gebe „möglicherweise eine Reihe von Strafgesetzen“, gegen die Wikileaks mit der Veröffentlichung von teils geheimen Unterlagen des US-Außenministeriums verstoßen haben könnte, sagte McClelland. Ministerpräsidentin Julia Gillard hatte die geplante Enthüllung vergangene Woche als rücksichtslos und möglicherweise schädlich für die Sicherheitsinteressen Australiens verurteilt.

Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Wikileaks-Enthüllungen - Die Blamierten Staaten von Amerika

18 Kommentare zu "Wikileaks-Enthüllungen: Die Blamierten Staaten von Amerika"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das zeigt vor allem wie wichtig Datenschutz ist.
    Und das es teuer werden kann einfach alle Daten zu sammeln und dann nicht drauf acht zu geben.

  • Strafverfolgung von Assagne?
    Klarer Fall den Überbringer der schlechten Nachrichten zu köpfen.
    Ein Volk sollte solche Politiker nicht mehr wählen.

    Es muß weltweit Pflicht werden, daß Regierungen alle erarbeiten Verträge (Autobahnmaut) und Dossiers veröffentlichen, denn die Regierungen habe es im Auftrag und mit bezahlung des Volkes gemacht, diese informationen gehören dem ganzen Volk (und sind entscheidend, um beurteilen zu können, ob man solche Politiker wieder haben will oder abwählen sollte).

    So lange das nicht passiert WÄHLT DAS KORRUPTE POLiTiKERGESOCKS SOFORT Ab !

    Daß WikiLeaks auch politisch missbraucht werden kann in dem die gewünschten informationen zugespielt werden, ist keine Frage. Dann hilft es aber, auch noch die gegenteiligen informationen zuzuspielen :-)

  • Es zeigt nur eines einen Amerikanischen Geschäftsmann oder Politiker als Freund braucht keine Feinde mehr. Es würde nur von Frau Merkel richtig sein die gerade verliehen Freiheitsmedalle wieder zurück zuschicken. Wer Freunde ausspioniert, braucht keine Feinde mehr. Eigentlich sollte man sämtliche Kredite von den USA einfordern und die konservative Geldmafia weltweit ächten und deren besitztümer geschlagnahmen.

  • Es mehren sich die indizien dafür, dass WiKiLEAKS eine clevere Propagandaplattform der US-Eliten ist. Jeder halbwegs intelligente Mensch weiss heute, dass die Anschläge vom 11.9.2001 ganz klar ein inside-Job waren. Von WiKiLEAKS kam dazu in Punkto Aufklärung noch nichts. Auch bei der Enthüllung des Klimaschwindels: keine beiträge von WiKiLEAKS. Überdenkt man die bisherigen "Enthüllungen", so stellt man fest: die USA kommen gut dabei weg bzw. profitieren davon. buhmänner sind "die Anderen" (z.b. die irakische Polizei, die afghanische Regierung, der böse iran etc.). Zudem habe Assange öffentlich behauptet, die Anschläge von 9/11 seien quasi so verlaufen, wie die US-Regierung dies der Welt glauben möchten.

  • Die Welt mußte jahrelang äußerst zwiespältige amerikanische Charaktere aushalten, wie bush, Rumsfeld u.a. Und die Liste ließe sich beliebig verlängern mit noch aktiven Namen. Was soll's also.

  • Es wird alles zu stark aufgebauscht.
    Es ist doch wie im normalen Leben, man bildet sich seine Meinung über den Nachbarn usw.
    Ein Problem hat man erst, wenn man seinem Nachbarn nicht ins Gesicht sagen kann was man von ihm denkt.
    Mal ehrlich, viele deutsche bürger denken von ihren Politikern nicht viel anders als von den Amis eingeschätzt wird. Soweit tut diese Veröffentlichung ganz gut.
    bleibt jedoch zu hoffen, dass damit keine Menschen in Gefahr gebracht werden, da sehe ich WL in der Verantwortung.

  • Die Aufregung ist unangebracht. Wie jeder Mensch machen sich auch Regierungen Gedanken und bewertungen ihrer Gesprächspartner -jeden Tag und überall!!
    Nur spricht man selten genau das aus, was man insgeheim denkt....
    Was wohl die Russen, Chinesen, Franzosen oder Deutschen .... über ihre Gesprächspartner (hinter vorgehaltener Hand) wirklich denken ?

    Also bitte keine Scheinheiligkeit !

  • Guten Tag,..... Honi soit qui mal y pense. " Hosenbandorden ".... ich glaube diese Erklaerung ist die einzig Richtige. besten Dank

  • Warum diese Aufregung? Was dort zu lesen steht, wissen wir doch alle längst. Frau Merkel, Herr Westerwelle und andere Politiker werden in deutschen Medien wesentlich schärfer beurteilt als in Wikileaks nachzulesen ist.

    Das die USA darüberhinaus versuchen, alles und jeden auszuspionieren - ist das vielleicht etwas Neues. Nein, auch darüber wird seit Jahren in den Medien berichtet.

    Das eigentliche Problem der USA ist doch schlechterdings der Anspruch zwischen Wollen und Realität. in den Serien (deshalb gibt's wohl so viele) gelingt ihnen alles, in der Wirklichkeit praktisch nichts. Da haben sie schon rund 500 Dienste einschließlich CiA, NSA usw..., bekommen aber nicht einmal den wirtschaftlichen Zusammenbruch des Ostblocks mit. Das ist das eigentlich Traurige.

    Statt dessen leisten sie sich über Jahrzehnte ein politisches und militärisches Desaster nacheinander. Trotzdem haben die ein so starkes Selbstbewußtsein, daß man nur noch Staunen kann. Mediziner würden das vielleicht eher als Paranoia bezeichnen.

    Macht nix, dann gibt es eben noch ein paar Serien mehr, in denen man nachvollziehen kann, wie gut man wirklich ist....

  • Schlichte Gemüter werden im Verhalten der US-Diplomaten wohl Einzelfälle vermuten. Diesem selbstgefälligen irrtum sollten wir nicht unterliegen. John Kornblum hat auf die menschlich Dimensionen, Schwächen und Eitelkeiten hingewiesen, die es sicher nicht nur in allen diplomatischen Diensten gibt. Es ist wohl die (bisher weitgehend) gesicherte Vertraulichkeit, unter der subjektive Meinungen unwiderspochen zu Tatsachen mutieren konnten und unter der individuelles Rezipieren und Deuten zum Standard wurde. So kann wohl angenommen werden, dass die Nachrichtendienste aller Staaten noch stärker der Gefahr unterliegen, Wünschen und Erwartungen stärker zu dienen als der Wirklichkeit. bisher wurden Einblicke in deren Datenbestände nur gewonnen, wenn Regime zusammenbrachen, so wie das in Deutschland in den letzten knapp siebzig Jahren zweimal geschehen ist. Angesichts der Verletzlichkeit der Datennetze könnten der Zugang zu sensibler Daten und deren Publikation künftig kein seltenes Ereignis mehr sein. Da überall nur mit Wasser gekocht wurde, wird und werden wird, ist Häme unangebracht.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%