Wikileaks-Kontakte
Die verdächtigen Zeilen des Trump-Sohns

Neue Chat-Protokolle belasten Trumps Team in der Russland-Affäre: Im Wahlkampf hielt ein Sohn des US-Präsidenten Kontakt zur Enthüllungsplattform Wikileaks. Einige Wünsche des Wikileaks-Teams blieben aber unerfüllt.
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Donald Trump Jr., der Sohn des US-Präsidenten, versucht es in Zeiten öffentlichen Drucks mit Ironie. Sein Anteil an Konversationen mit Wikileaks sei ja wirklich „kolossal” gewesen, lästerte er über seinen Twitter-Account. Ganze drei Privatnachrichten habe er an die Enthüllungsplattform während des US-Wahlkampfs geschickt.

Die Chat-Protokolle veröffentlichte der Trump-Sohn, meist „Don” Jr. genannt, in der Nacht zum Dienstag gleich mit. Allerdings erst, nachdem das US-Magazin „The Atlantic” darüber berichtet hatte. Seit einer Weile sollen die Protokolle außerdem dem US-Kongress zur Ansicht vorliegen.

In der Kommunikation mit Don Jr. finden sich tatsächlich nur drei Antworten an Wikileaks. Doch die Zeilen und ihr Kontext sagen eine Menge über das Selbstverständnis der Kampagne seines Vaters aus: Sie erhärten den Verdacht, dass Trumps engster Zirkel offen war für einen heißen Draht zu einer von Russland beeinflussten, offensiv Clinton-feindlichen Organisation.

Es nicht das erste Mal ist, dass Don Jr. im Zusammenhang mit fragwürdigen Kreml-Kontakten in den Fokus gerät. Die Protokolle könnten nun zu einem weiteren belastenden Detail in der Russland-Affäre werden.

Wikileaks hatte während des Präsidentschaftswahlkampfs eine Schlüsselrolle inne. Die Plattform veröffentlichte massenhaft E-Mails aus dem demokratischen Lager um Hillary Clinton – einer von mehreren Faktoren, der den Wahlkampf wahrscheinlich zugunsten Trumps beeinflusste. US-Geheimdienste beschuldigen die russische Regierung, hinter den Hacking-Angriffen zu stehen.

Russlands Versuch, den Wahlausgang in den USA steuern zu wollen, steht auch im Mittelpunkt der laufenden Untersuchung von Sonderermittler Robert Mueller. Er und seine Mitarbeiter gehen folgenden Fragen nach: Inwiefern wurde die US-Wahl manipuliert, und welchen Anteil könnte das Trump-Team daran gehabt haben? Wusste das Umfeld Trumps vom Versuch der russischen Einflussnahme, unterstützte man diese gar aktiv? Das wäre illegal - und, sollte es harte Beweise dafür geben, ein möglicher Anlass für ein Amtsenthebungsverfahren.

So viel vorweg: Hinweise auf einen Gesetzesbruch finden sich in den Chat-Protokollen nicht. Don Jr. bekam in regelmäßiger Penetranz Anfragen von Wikileaks, die er nur sporadisch beantwortet. So schlug die Organisation vor, dass Trump im Fall eines Wahlsieges Wikileaks-Gründer Julian Assange zum US-Botschafter in Australien ernennen solle. Solche Anfragen liefen ins Leere.

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Kein Einwand gegen den Wikileaks-Kontakt

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  • Hallo Frau Meiritz,

    ich halte es für einen journalistischen Tiefpunkt, wenn eine Branche, deren Königsdisziplin der Investigativ-Journalismus ist, Wikileaks jetzt als zwielichtige Organisation darstellt.

    Seien wir doch ehrlich, auch jedes Qualitätsblatt nimmt Informationen von Whistleblowern an, um damit relevante Stories zu bekommen. Und das mit einem kommerziellen Hintergrund (was man Wikileaks nicht mal vorwerfen könnte)! Dann ist das aber ok?

    Es gibt politische Parteien in Deutschland die massiv in Verlagshäuser investiert sind. Das ist dann auch ok? Der Einfluss in den öffentlich-rechtlichen Medien kommt noch oben drauf.

    Und ein deutsches Wahlkampfteam würde Informationen über den politischen Gegner im Wahlkampf zurückhalten?

    Ehrlich: es sollte auch für Doppelzüngigkeit eine Obergrenze geben!

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