Wikileaks-Kontakte
Die verdächtigen Zeilen des Trump-Sohns

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Kein Einwand gegen den Wikileaks-Kontakt

Die wenigen Dialoge legen aber nahe, dass Wikileaks und Don Jr. einander als Verbündete betrachteten. So bat Wikileaks darum, Don Jr. möge einen negativen Bericht über Clinton öffentlich kommentieren. Dieser entgegnete, er habe dies bereits getan, und fügte hinzu: „Es ist erstaunlich, womit sie durchkommt.“ Als Wikileaks darum bat, einen Clinton-kritischen Link zu twittern, tat Don Jr. wie geheißen.

Einige Nachrichten stammen aus der Zeit, als Wikileaks noch dabei war, gestohlene E-Mails aus der Wahlkampfzentrale der Demokraten zu veröffentlichten. Trotzdem unterband Don Jr. zu keinem Zeitpunkt die Kommunikation. Und auch das Spitzenteam um Trump, die laut „Atlantic” von der Kontaktaufnahme wussten, hatte offenbar nichts einzuwenden.

Unabhängig davon, dass es ziemlich leichtsinnig erscheint, mit einer ins Zwielicht geratenen Organisation über einen ungesicherten Messengerdienst zu kommunizieren: Der Kontakt zu Wikileaks festigt ein beunruhigendes Bild von Trumps Sohn. Zuvor war herausgekommen, dass sich Don Jr. während des Wahlkampfs mit einer russischen Anwältin getroffen hatte. Aus E-Mails geht hervor: Er erhoffte sich davon belastendes Material seitens der russischen Regierung. Auch hier zeigt sich, wie bei den ausgetauschten Nachrichten, die grundsätzliche Bereitschaft, die Wahl beeinflussende Anstrengungen aus dem Ausland zu unterstützen.

Ob es tatsächlich zu einer aktiven Zusammenarbeit kam, dafür hat auch Mueller bislang keinen Beweis erbracht - und es ist ungewiss, ob das überhaupt jemals der Fall sein wird. Verdächtig ist in dieser komplizierten Gemengelage aber jeder, der vor und während des US-Wahlkampfs Kontakte zu russischen Vertretern unterhielt. Und Don Jr. hat sich mit dem offenen Kontakt zu dem möglichen Russland-Handlanger Wikileaks ein Stück verdächtiger gemacht.

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Kein Einwand gegen den Wikileaks-Kontakt

Die Autorin ist Handelsblatt-Korrespondentin in Washington.
Annett Meiritz
Handelsblatt / US-Korrespondentin in Washington

Kommentare zu " Wikileaks-Kontakte: Die verdächtigen Zeilen des Trump-Sohns"

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  • Hallo Frau Meiritz,

    ich halte es für einen journalistischen Tiefpunkt, wenn eine Branche, deren Königsdisziplin der Investigativ-Journalismus ist, Wikileaks jetzt als zwielichtige Organisation darstellt.

    Seien wir doch ehrlich, auch jedes Qualitätsblatt nimmt Informationen von Whistleblowern an, um damit relevante Stories zu bekommen. Und das mit einem kommerziellen Hintergrund (was man Wikileaks nicht mal vorwerfen könnte)! Dann ist das aber ok?

    Es gibt politische Parteien in Deutschland die massiv in Verlagshäuser investiert sind. Das ist dann auch ok? Der Einfluss in den öffentlich-rechtlichen Medien kommt noch oben drauf.

    Und ein deutsches Wahlkampfteam würde Informationen über den politischen Gegner im Wahlkampf zurückhalten?

    Ehrlich: es sollte auch für Doppelzüngigkeit eine Obergrenze geben!

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