Wildwest-Methoden im Norden Mexikos
Mexikos Drogenkartelle entfachen offenen Krieg

Wer im Krieg der Drogenkartelle den Überblick behalten will, greift am besten zu „El Universal“. Die mexikanische Tageszeitung stellt jedem Artikel über den Drogenkonflikt im Norden des Landes eine kleine Grafik voran: „Narco-Opfer gestern“ und „Narco-Opfer insgesamt“. Seit Jahresbeginn hat die Zeitung fast 900 Tote gezählt: Tamaulipas, Nuevo León, Coahuila, Chihuahua – die Verhältnisse in Mexikos Nordstaaten an der Grenze zu den USA erinnern an den Wilden Westen.

HB MEXIKO-STADT. Die Drogenkartelle, die Narcos, liefern sich mit Panzerfäusten und Maschinengewehren Revierkämpfe auf offener Straße, Polizisten werden getötet, Zivilisten entführt und hingerichtet. Die Polizei ist heillos überfordert oder mischt selbst mit im profitablen Geschäft um das Rauschgift und die Lieferrechte für den großen US-Markt. Zwar setzt Präsident Vicente Fox inzwischen Armee und Bundespolizei ein. Genutzt hat es kaum etwas. „Nie waren die Drogenkartelle entfesselter, gewalttätiger, und nie gab es mehr Morde und Anschläge in Mexiko im Zusammenhang mit dem Rauschgift“, sagt José Antonio Crespo vom Forschungsinstitut CIDE. Mexiko passe sich immer mehr Kolumbien an, fürchtet der Politologe.

Diese Angst teilen auch die USA, die Präsident Fox schon vor Monaten zum Handeln aufforderten. Inzwischen wird der Ton gegenüber dem Nachbarn rauer. Ende Juli schloss der US-Botschafter in Mexiko, Tony Garza, sein Konsulat in der Stadt Nuevo Laredo für eine Woche. Aus disziplinarischen Gründen, wie er zugab, weil es die Regierung Fox nicht schaffe, der organisierten Kriminalität an der Grenze Einhalt zu gebieten. „Wenn nicht Entscheidendes passiert, werden Tourismus und Investitionen leiden, und in den USA wird man daran zweifeln, dass Mexiko ein verlässlicher Partner mit gemeinsamen Interessen ist“, warnte Garza. Vor wenigen Tagen riefen die Gouverneure von Arizona und New Mexico in einigen grenznahen Gemeinden den Notstand aus, weil Menschenschmuggel, Drogenhandel und Gewalttaten dort drastisch steigen.

Nach Erkenntnissen der US-Drogenfahnder ist Mexiko das mit Abstand wichtigste Drehkreuz für Rauschgift mit dem Ziel Vereinigte Staaten. 90 Prozent des in den USA konsumierten Kokains kommen über Mexiko ins Land. Zudem ist der Nachbar der größte Lieferant für Marihuana und der zweitgrößte für Heroin. Auch mehr als die Hälfte der in den USA konsumierten Designerdrogen stammt aus Mexikos Laboratorien.

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