„Wir brauchen eine Frau als Vorsitzende“
Neustart für Schwedens Sozialdemokratie

Die schwerste Niederlage in der Geschichte der schwedischen Sozialdemokratie im September war gleichzeitig Startschuss für eine Debatte über das Anforderungsprofil. Als zukünftige Parteivorsitzende wird von der Basis die EU-Kommissarin Wallström favorisiert - aber sie ziert sich.

STOCKHOLM. Als Göran Persson am 18. September dieses Jahres nicht nur seine Niederlage bei den Parlamentswahlen in Schweden einräumen musste, sondern zugleich auch noch seinen Rücktritt vom Vorsitz der sozialdemokratischen Partei ankündigte, ging nicht nur eine siebzigjährige, fast ununterbrochene Regierungsära zu Ende.

Die schwerste Niederlage in der Geschichte der schwedischen Sozialdemokratie war gleichzeitig Startschuss für eine Debatte über das Anforderungsprofil, das an die oder den nächsten Parteivorsitzenden und damit nach schwedischem Modell auch künftigen Regierungschef bei einem eventuellen neuen Wahlsieg der Sozialdemokraten gestellt werden muss.

Seitdem ist eines klar: „Wir brauchen eine Frau als Vorsitzende“, fordern immer mehr Parteimitglieder an der Basis. Und eine Wunschkandidatin gibt es auch bereits: Die jetzige EU-Kommissarin Margot Wallström. Die 52-Jährige steht bei der überwiegenden Anzahl der Parteibezirke ganz oben auf der Rangliste. Sie zählt zu den Erneuerern, hat langjährige internationale Erfahrungen und immer eine kritische Distanz zur Regierung Persson gehalten. Vor allem der letzte Punkt spricht für sie, da die Wahlschlappe vom September vor allem der selbstgefälligen Art von Persson zugeschrieben wird. Immerhin verlor seine Regierung die Wahlen, obwohl es den meisten Schweden so gut wie selten zuvor geht.

Doch nach sieben Jahrzehnten sozialdemokratischer Herrschaft besteht Erneuerungsbedarf. In der globalisierten Welt wirken Parolen der Traditionalisten verstaubt, wenn sie mehr staatlichen Einfluss auf Unternehmen und eine Abschottung gegenüber dem Ausland fordern.

Obwohl die EU-Skepsis in Schweden weiterhin sehr hoch ist, will eine klare Mehrheit an der sozialdemokratischen Parteibasis die ausgesprochene EU- und Euro-Befürworterin Wallström als neue Vorsitzende. Sie selbst hat in den vergangenen Wochen immer wieder Vorstöße ihrer schwedischen Parteigenossen abgewiesen. Sie fühle sich in Brüssel wohl und habe keinerlei Ambitionen, den Parteivorsitz in Schweden zu übernehmen.

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