„Wir werden nicht scheitern“
"Die Steuern sind hoch, die Arbeitszeiten kurz"

Der Chef von Fuji Film und Vorsitzende der Deutsch-Japanischen Gesellschaft äußert sich im Handelsblatt-Interview über Stärken und Schwächen der beiden Länder sowie die Kunst, sich neu zu erfinden.

Handelsblatt: Japans Konzerne haben sich deutlich erholt und investieren wieder zu Hause. Das würde man sich auch in Deutschland wünschen. Worauf führen Sie den Durchbruch zurück?

Komori: Anders als in den USA achten die Unternehmen in Japan nicht nur auf die Aktionäre, die Shareholder, sondern auf alle Stakeholder, also auch Beschäftigte, Kunden oder die Gesellschaft insgesamt. Lange hatten die japanischen Firmen die Beschäftigten vielleicht zu wichtig genommen. In zehn Jahren Deflation hat sich das gewandelt.

Handelsblatt: Inwiefern?

Komori: Die Firmen haben die Zahl der Beschäftigten reduziert, auch ist der Preis für den Faktor Arbeit gesunken. Das hat es wieder attraktiv gemacht, hier zu investieren. Zugleich konnten sich japanische Firmen als führende Hersteller bei den drei heiligen Dingen der Digitalisierung – digitale Kameras, DVDs und Flachbildfernseher – profilieren.

Handelsblatt: Die Auferstehung des schlanken Phoenix aus der Asche?

Komori: Die Lage war auch zuvor nicht so schlecht. Während der Jahre der Deflation habe ich teilweise in Deutschland gearbeitet. Wenn ich ab und zu heimkam, dachte ich immer, Japan hat zu viel seines Selbstbewusstseins verloren. Die Technologie ist noch da, die Strebsamkeit der Menschen. Aber viele Leute hatten nach dem Platzen der Spekulationsblase Geld mit Aktien und Immobilien verloren. Das trübte die Stimmung übermäßig. Ich war da optimistisch. Das einzige wirkliche Problem waren die Banken, bei den Herstellern sah es nie so schlecht aus. Da war die Erholung nur eine Frage der Zeit, als Folge der Restrukturierung und neuer Produkte.

Handelsblatt: Auch in Deutschland drehen Firmen an der Kostenschraube. Dennoch fließen die Investitionen dort nicht so wie in Japan.

Komori: Deutschland hat unglaublich charmante Nachbarländer, Polen, Tschechien, Ungarn, wo die Menschen für günstigere Löhne gute Arbeit leisten. Verständlich, dass man dort gerne in Fabriken investiert.

Handelsblatt: Ist das mit China und Japan nicht ähnlich?

Komori: Wir investieren ja auch kräftig in China, haben rund zehn Fabriken dort. Aber prinzipiell bauen wir die High-Tech-Fabriken in Japan. Gerade entsteht eine für LCD-Materialien auf der südjapanischen Insel Kyushu für rund 100 Mrd. Yen (knapp 740 Mill. Euro). Das machen wir nicht in China oder Korea.

Handelsblatt: Wegen der Kopiergefahr?

Komori: Das ist ein Grund. Aber es macht auch mehr Sinn, wenn die Produktion neuer Technologien nahe an der Zentrale und der Forschung ist. Der ständige Austausch ist wichtig.

Handelsblatt: Das Argument würde ja auch für Deutschland gelten.

Komori: In Deutschland sind es wohl auch gesellschaftliche Probleme. Die Steuern und Arbeitskosten sind hoch. Das hat ja auch gute Seiten. Aber man müsste wohl weitere Opfer bringen und vielleicht die Arbeitszeiten ausweiten oder mehr Steueranreize für Investitionen im Land schaffen.

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