Wirbel in Le-Pen-Partei
Angebliche Aussage zu Gaskammern überschattet Wahlkampf

Marine Le Pen legt im Präsidentschaftswahlkampf den Front-National-Vorsitz nieder, um „über den Parteiinteressen“ zu stehen. Doch dann wird ein angebliches Zitat des Interimschefs zu den Gaskammern der Nazis bekannt.
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ParisStreit um die angebliche Äußerung eines Front-National-Politikers zu Nazi-Verbrechen hat den Wahlkampf der französischen Rechtspopulistin Marine Le Pen überschattet. Jean-François Jalkh verzichtete am Freitag auf die Funktion als Übergangschef der französischen Partei, um sich zu verteidigen. Le Pen sprach von „Verleumdung“ und sagte, Jalkh habe Anzeige erstattet. Jalkh werden in einem Artikel aus dem Jahr 2005 Zweifel daran zugeschrieben, dass Zyklon B zum Massenmord in Gaskammern genutzt werden kann - er bestreitet strikt, dies gesagt zu haben.

Le Pen hatte den FN-Vorsitz Anfang der Woche vorübergehend niedergelegt, um vor der Stichwahl um das französische Präsidentenamt am 7. Mai „über den Parteiinteressen“ zu stehen. Statt Jalkh soll nun der Le-Pen-Vertraute Steeve Briois übergangsweise die Partei führen. Le Pen selbst war vor Kurzem wegen einer umstrittenen Äußerungen zur Judenverfolgung während der deutschen Besatzung Frankreichs in die Kritik geraten.

Le Pens sozialliberaler Stichwahl-Gegner Emmanuel Macron besuchte am Freitag den Ort Oradour-sur-Glane, wo deutsche SS-Soldaten im Zweiten Weltkrieg ein Massaker angerichtet hatten. Sich nicht zu erinnern bedeute, „das Risiko einzugehen, die Geschichte und ihre Fehler zu wiederholen“, sagte er.

Jalkh habe auf die Aufgabe als FN-Übergangsvorsitzender verzichtet, um sich zu verteidigen und Anzeige einzureichen, sagte der FN-Politiker Louis Aliot dem Sender BFMTV. Jalkh wird in einem 2005 veröffentlichten Artikel einer Wissenschaftlerin mit der Aussage zitiert, er halte es technisch für unmöglich, das Gas Zyklon B für „Massenvernichtungen“ einzusetzen. Die Nationalsozialisten hatten in Konzentrationslagern Menschen mit Zyklon B ermordet.

Jalkh sagte der Zeitung „Le Monde“, er habe keine Erinnerung an ein Interview mit der damaligen Doktorandin. „Das ist das erste Mal, dass ich diese Art von Dummheiten höre“, führte er aus. Die Autorin sagte nach Angaben des Blatts, sie habe die Aussagen auf Kassette aufgenommen.

Le Pen bemüht sich seit Jahren, der Front National ein gemäßigteres Image zu verschaffen. Unter anderem hatte sie ihren Vater Jean-Marie Le Pen aus der Partei ausschließen lassen, der die Gaskammern der Nazis wiederholt als „Detail der Geschichte“ bezeichnet hatte und dafür auch wegen Leugnung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt worden war. „Es gibt in der Führung der Front National keine Leute, die diese Thesen verteidigen“, versicherte Marine Le Pen bei BMFTV.

Vor knapp drei Wochen hatte Marine Le Pen gesagt, Frankreich sei nicht verantwortlich für die Festnahme von 13 000 Juden durch französische Polizisten 1942. Sie vertrat die Auffassung, die damals mit Nazi-Deutschland zusammenarbeitende Vichy-Regierung sei „nicht Frankreich“ gewesen. Die Erklärung löste heftige Kritik aus.

Der im ersten Wahlgang mit 19,6 Prozent ausgeschiedene Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon blieb am Freitag dabei, seinen Anhängern keine Wahlempfehlung für die Stichwahl zu geben. Der Linkskandidat betonte aber in einer Videobotschaft, alle wüssten, dass er nicht für die Le Pen stimmen werde. „Ich werde wählen gehen“, verkündete Mélenchon. „Man muss nicht sehr bewandert sein, um zu raten, was ich machen werde, aber ich werde es nicht sagen.“ Er begründete dies damit, die Einheit seiner Bewegung „La France insoumise“ („Das aufsässige Frankreich“) im Hinblick auf die Parlamentswahlen im Juni zu bewahren.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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