Wirtschaft schwächelt
Frankreichs Wettlauf mit den Finanzmärkten

Ball Paradox in Paris: Ausgerechnet die Sozialisten um Präsident Francois Hollande müssen das Land aus der Wirtschaftsschwäche herausführen – Tempo der Reformen muss noch gesteigert werden.
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ParisKranker Mann Europas, Das nächste Griechenland, Zeitbombe im Herzen Europas: Die Titel, mit denen Frankreich in jüngster Zeit belegt wird, sind niederschmetternd. Schlagartig scheint Ökonomen, Politikern und Medien bewusst zu werden, was als schleichende Entwicklung seit mehr als einem Jahrzehnt anhält: Unser Nachbar und wichtigster Partner verliert an wirtschaftlicher Leistungskraft. Aber nicht die Kritiker, sondern die französische Regierung selber liefert die wohl schonungsloseste Beschreibung: „Die Lage unserer Wirtschaft erlaubt es weder, heute der internationalen Konkurrenz standzuhalten, noch sich durch die notwendigen Investitionen effektiv auf die Zukunft vorzubereiten.“

Die Analyse stammt aus dem „Pakt für Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung“, den der Premierminister Jean-Marc Ayrault vor knapp einem Monat vorgelegt hat. Er unterfüttert sie mit zahlreichen Fakten: Zwischen 2000 und 2011 ist der Anteil der Industrie an der französischen Wertschöpfung von 18 auf 12,5 Prozent gefallen. Frankreich liegt damit auf dem 15. Rang in der Eurozone, weit hinter Italien, (18,5 Prozent), Schweden (21 Prozent ) oder Deutschland (26 Prozent); die Industrie hat in zehn Jahren 750 000 Arbeitsplätze verloren. Das geht aber nicht auf eine rasche Modernisierung und Automatisierung zurück, denn sie nutzt lediglich 35 000 vergleichsweise alte Roboter, während in Italien 60 000 und in Deutschland 150 000 zum Einsatz kommen. Die Handelsbilanz (ohne Energie) ist von einem Überschuss in Höhe von 17 Milliarden Euro 2002 in ein Defizit von 25 Milliarden Euro 2011 umgeschlagen.

Den Sozialisten anlasten kann man diese düstere Bilanz nicht. Sie waren zehn Jahre lang nicht an der Macht. Die konservativen Vorgänger schauten tatenlos zu, wie sich das früher nahezu ausgeglichene wirtschaftliche Verhältnis zu Deutschland immer mehr zu einer Schieflage zulasten Frankreichs entwickelte. Ganz unschuldig sind allerdings auch die Sozialisten nicht: Sie haben 2002 die Arbeitszeit gesetzlich auf 35 Stunden verkürzt. Will ein Unternehmen länger arbeiten, muss es sich seitdem mit allerlei Tricks und Kniffen, meist mit teuren Überstunden an der gesetzlichen Hürde vorbeimogeln.

Die französische Wirtschaft nimmt mit einer gewissen Erleichterung zur Kenntnis, dass die strukturellen Schwächen nun auf die politische Tagesordnung kommen: „Gut, dass das Thema nun erkannt wird“, sagte Alstom-Chef Patrick Kron dem Handelsblatt. Der Transport- und Energieausrüster ist ein Beispiel für die Strategie, mit der Frankreichs Großkonzerne den Problemen begegnen: Sie weichen ins Ausland aus. Nur noch zwanzig Prozent der Alstom-Belegschaft arbeiten in Frankreich. Immer häufiger beliefern große französische Gruppen ihre Kunden mit Produkten, die sie nicht mehr in Frankreich fertigen.

Die Zahl exportierender Unternehmen ist in Frankreich wesentlich geringer als in Deutschland. Das spiegelt sich in den Verlusten an Marktanteilen wider, die unser Nachbarland erlitten hat. 1998 machte der Anteil Frankreichs an den Güterexporten der Eurozone 16,9 Prozent aus. In den ersten acht Monaten dieses Jahres erreichte er nur noch 12,6 Prozent. Kein anderes Land der Währungsunion ist so stark zurückgefallen.

Kommentare zu " Wirtschaft schwächelt: Frankreichs Wettlauf mit den Finanzmärkten"

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  • Frankreich wird sich besinnen und versuchen, seinen Haut zu retten, indem es sicherstellen will, in den Nordeuro aufgenommen zu werden. Hier in einer Fiskalunion könnten die Nordländer - und insbesondere Deutschland - wunderbare Dienste leisten, die überbordenden Pensionsansprüche der französischen Beamten zu decken und auch ansonsten trefflich weiter über die eigenen Verhältnisse auf Kosten anderer zu leben.
    Alternativ wäre das Durchsetzen von Eurobonds, um weiterhin schön "Grande Nation" spielen zu können. Was heißt denn schließlich Wettbewerb und Globalisierung? Das sind nur Petitessen für la France. Es ist so schön, wie Gott in Frankreich zu leben. Vor allem, wenn man die Rechnung nur zum Teil begleichen muß und immer Dumme findet.

  • Von einer ursprünglich vorgesehenen steuerlichen Mehreinnahme in Höhe von 20 Mrd., davon die Hälfte, also 10 Mrd., durch die Industrie ....... nunmhr also eine steuerliche Entlastung der Industrie um 20 Mrd.€. Sofern mein Kopfrechner da richtig agiert ergibt sich da ein Delta von immerhin 30 Mrd.

    30 Mrd., die entweder durch eine entsprechend steigende Neuverschuldung hereinkommen müssen (die 100 % Grenze winkt schon mal am Sichthorizont), oder die durch anderweitg gesteigerte Staatseinnahmen hereinkommen müssen.

    Im Gedankenmodell soll dies offenbar über eine angehobene MwSt. erfolgen. Da aber diejenigen, die bereits jetzt ihr Einkommen zu 100% verkonsumieren müssen, nicht mehr als eben diese 100% ausgeben können, wird das wohl nicht ganz aufgehen.

    Hollande braucht eigentlich nur einen Blick schräg rüber nach Spanien zu werfen um zu erkennen, wo er dann landet.
    Nach 2 Jahren Abmagerungskur hat sich Frankreich dann wieder Marktanteile zurück erkämpft, was dann Deutschland dazu zwingt nachzuziehen und zudem Spanien und Portugal wieder in Bedrängnis bringt. Ein Teufelskreis der vergeblichen Bemühungen einen global gleichgross bleibenden Kuchen, von dem immer kleinere Anteile auf Europa entfallen, 2x essen zu wollen.

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