Wirtschaft sieht sich gegen politische Einflüsse gewappnet
Polens Unternehmer hoffen auf den Euro und eine Flat Tax

Polens Unternehmer und Bankiers geben sich gelassen. „Die Wahl am Sonntag und die Machtübernahme der Konservativen werden kein Erdbeben auslösen“, sagt Janusz Jankowiak, Chefökonom der BRE-Bank. Tatsächlich hat die Volkswirtschaft inzwischen Kraft genug, um politische Veränderungen fast unbeschadet zu überstehen: Der Zloty gehört zu den stärksten Währungen in Mittel- und Osteuropa, das Wachstum liegt erheblich über dem westlicher EU-Staaten, und der Zufluss ausländischer Direktinvestitionen hält an.

rev WARSCHAU. Aber natürlich haben die polnischen Unternehmer politische Vorlieben. Eine Umfrage der Wirtschaftszeitung „Puls Biznesu“ ergab, dass 66 Prozent für die liberal-konservative Bürgerplattform und nur neun Prozent für die nationalistische Partei „Recht und Gerechtigkeit“ stimmen wollen. Den Unternehmern gefällt vor allem der Plan der Bürgerplattform, für die Körperschaft-, Einkommen- und Mehrwertsteuer eine so genannte Flat Tax, einen einheitlichen Satz von 15 Prozent, einzuführen. Mit einem ähnlichen Plan war der deutsche Finanzexperte Paul Kirchhof im deutschen Wahlkampf grandios gescheitert.

Polens Unternehmer sehen die Bürgerplattform als Anwalt des freien Unternehmertums und solider makroökonomischer Rahmenbedingungen. Die Gerechtigkeitspartei gilt dagegen als Verfechter überzogener Staatsausgaben, defizitärer Sozialsysteme und staatlicher Einmischung in die Wirtschaft.

Für die private Wirtschaft ist vor allem wichtig, dass Polen möglichst bald die EU-Gemeinschaftswährung Euro übernimmt. Die Polnische Nationalbank plädiert für einen Beitritt zur Eurozone im Jahr 2009, die bisherige sozialdemokratisch geführte Regierung sprach sich für 2010 aus. Aber wichtiger als die Diskussion über das Datum ist die Einhaltung der Beitrittskriterien. Das gilt besonders für die Sanierung der Staatsfinanzen und die Senkung des Defizits im Staatshaushalt. Immerhin hat die scheidende Regierung einen Haushaltsentwurf für 2006 hinterlassen, der eine Senkung des Defizits von 4,7 Prozent im letzten Jahr auf 3,2 Prozent in diesem Jahr vorsieht.

In Mittel- und Osteuropa gehört Polen zu den attraktivsten Standorten für ausländische Direktinvestitionen. Nach Angaben des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche floss im letzten Jahr westliches Kapital im Wert von 4,9 Mrd. Euro nach Polen, 3,6 Mrd. nach Tschechien und 3,4 Mrd. nach Ungarn. Bei den Investitionen pro Einwohner ist damit allerdings Tschechien Spitzenreiter in der Region. Das Engagement ausländischer Unternehmen hat auch die Qualität des polnischen Exports erhöht. „Polen konzentriert sich zunehmend auf die Ausfuhr technologisch anspruchvoller Güter“, heißt es in einer Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft.

Trotzdem bleibt viel zu tun, um den Standort im globalen Wettbewerb zu stärken. Westliche Investoren fordern vor allem eine Liberalisierung des Arbeitsmarktes. Anders werde man die gegenwärtige Arbeitslosenquote von 19 Prozent kaum senken können. Auch eine Modernisierung der Sozialsysteme steht auf der Agenda. Polen braucht außerdem dringend eine Modernisierung des Verkehrnetzes. Und schließlich erwarten gerade ausländische Unternehmen in Polen, dass eine neue Regierung den Kampf gegen die Korruption verschärft.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%