Wirtschaft will Leitfaden für gesellschaftliche Verantwortung allein ausarbeiten: Streit um Sozial-Leitlinien für Firmen

Wirtschaft will Leitfaden für gesellschaftliche Verantwortung allein ausarbeiten
Streit um Sozial-Leitlinien für Firmen

Die Internationale Normungsorganisation ISO entwickelt Leitlinien zur „Social Responsibility“, der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen, Organisationen und Institutionen. Ziel ist ein übergreifender, nicht zertifizierungsfähiger Leitfaden, der darlegt, wie gesellschaftliche Verantwortung konkret umgesetzt werden kann.

HB BERLIN. Als Richtschnur soll er interner Organisation und Zielsetzung sowie externer Berichterstattung dienen. Das soll helfen, internationale Vergleichbarkeit herzustellen, Herstellungs- und Verteilungsprozesse transparenter zu machen und zur Sensibilisierung der Verbrauchersen beizutragen.

„Die internationale Kooperation soll Social Responsibility für Unternehmen zum Werttreiber machen, indem sie für eine Vereinfachung und Erleichterung sorgt“, erläutert Hartmut Müller, Leiter Zentralabteilung Umweltschutz der Robert Bosch GmbH. Er führt den dafür beim Deutschen Institut für Normung (DIN) im Dezember gegründeten Arbeitsausschuss von 28 Vertretern aus Wirtschaft, Gewerkschaften, öffentlicher Hand, Verbraucher-, Umweltschutz- und Menschenrechtsorganisationen, der Wissenschaft sowie anderer Gruppen. Die Normungsarbeit beginnt mit einem ISO-Treffen Anfang März in Brasilien, zu dem sechs deutsche Vertreter reisen.

Der Leitfaden tritt nicht in Konkurrenz zu bestehenden internationalen Normen und Standards, sondern soll die vielfältigen Anforderungen daraus zusammenführen. Dazu gehören die Anfang Februar veröffentlichte neue ISO 14 001 als weltweit bedeutendste Vorgabe zum Umweltmanagement, die Vorschriften der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), die der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und die des Global Compact, mit dem sich Unternehmen freiwillig zur Einhaltung von Umweltschutz- und Sozialstandards verpflichten.

Obwohl die Verantwortung von Unternehmen gerade in diesen Wochen öffentlich heiß diskutiert wird, bremst das Bundeswirtschaftsministerium (BMWA) das Normungsprojekt offenbar. Dieses Jahr könnten keine Mittel für die Arbeiten an dem ISO-Leitfaden bereitgestellt werden, teilte das BMWA mit. Das DIN habe den Antrag auf Förderung zu spät gestellt; der Haushalt sei im Frühjahr beschlossen worden.

„Das Argument ist nicht ganz stichhaltig, denn schon seit Juni war klar, dass das ISO-Projekt trotz des Widerstandes von DIN und deutschen Wirtschaftsverbänden kommt“, sagt Kathrin Ankele vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) in Berlin. Die ISO hatte die Normierung zur Überraschung der Deutschen auf der internationalen Konferenz zu „Social Responsibility“ in Stockholm Mitte Juni 2004 beschlossen. Ausschussmitglieder hegen den Verdacht, der Widerstand gegen das Projekt werde nun auf andere Art fortgesetzt.

Ohne Finanzspritze müssten die Kosten auf alle Beteiligten verteilt werden. Dann könne sich nur noch die Wirtschaft die Normung leisten, und Gruppen wie Nichtregierungsorganisationen und Wissenschaft blieben außen vor.

Andrea Fluthwedel, Geschäftsführerin des Normenausschusses beim DIN versprach: „Die Finanzierung wird bis Ende März so angelegt, dass alle interessierten Kreise teilnehmen können. Einen Ausschluss würde das DIN nicht mittragen und den Ausschuss schließen.“

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