"Wirtschaftlich Einbußen"
Iran bedroht seine Atom-Kritiker

Iran hat seinen Gegnern im Atomstreit mit negativen Folgen für die wirtschaftlichen Beziehungen gedroht. Das Land werde seine Wirtschaftskontakte zu jenen Staaten überprüfen, die bei der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA für eine Überweisung des Konflikts an den Uno-Sicherheitsrat gestimmt hätten, erklärte die iranische Regierung am Dienstag.

HB TEHERAN. Vor allem über das Abstimmungsverhalten Indiens, das große Mengen Erdgas aus dem Iran importieren will, sei der Iran überrascht, sagte ein Sprecher des Außenministeriums weiter. Auch für Japan, das große Mengen Öl aus dem Iran einführ, hätte ein Abbruch der Wirtschaftsbeziehungen schwerwiegende Folgen. Die drei EU-Staaten Deutschland, Frankreich und Großbritannien, die die Resolution zur Einschaltung des Sicherheitsrats eingebracht hatten, unterhalten ebenfalls wirtschaftliche Kontakte zu der Islamischen Republik.

Der Gouverneursrat der IAEA hat am Samstag beschlossen, den Atomstreit mit dem Iran an den Uno-Sicherheitsrat zu überweisen. Er ließ den Zeitpunkt dafür aber noch offen. Diplomaten nannten den November als wahrscheinlichen Termin. Das höchste UN-Gremium kann Sanktionen gegen den Iran verhängen. Die Resolution wurde mit 22 Ja-Stimmen, zwölf Enthaltungen und einer Nein-Stimme von Venezuela gebilligt. Die Europäische Union (EU) und die USA verdächtigen den Iran, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung von Atomenergie nach Nuklearwaffen zu streben. Dies hat die Regierung in Teheran wiederholt bestritten.

Indien hat im Juni einen Vertrag über 22 Milliarden Dollar zur Einfuhr von verflüssigtem Erdgas (LNG) aus dem Iran ab 2009 geschlossen. Ein weiteres Abkommen über rund sieben Milliarden Dollar sieht die Lieferung von Gas über Leitungen durch Pakistan vor. Für Japan, das ebenfalls für die Einschaltung des Sicherheitsrats stimmte, ist der Iran der drittgrößte Öllieferant. Japan beabsichtigt, die Öleinfuhren aus der Islamischen Republik noch zu erhöhen. Der Iran hat weltweit die zweitgrößten Ressourcen an Erdgas und Öl.

Wirtschaftsexperten halten es für möglich, dass der Iran den Ölhahn zudrehen könnte. Dies könnte jedoch auch negative Folgen für den Iran selbst haben, der 80 Prozent seiner Exporterlöse mit dem Rohstoff erzielt.

Für Deutschland, Frankreich und Großbritannien stehen ebenfalls wirtschaftliche Optionen auf dem Spiel, wenn auch die Einschränkung der Beziehungen weniger folgenschwer sein dürfte. Der deutsche Industriegase-Spezialist Linde hat zuletzt einen Großauftrag aus dem Iran zum Bau einer Petrochemie-Anlage am Persischen Golf erhalten. Das Projekt, an dem auch eine südkoreanische und eine iranische Firma beteiligt sind, hat ein Gesamtvolumen von 1,2 Milliarden Dollar. Siemens ist auf dem iranischen Mobilfunksektor aktiv. Zu den bekanntesten französischen und britischen Unternehmen, die sich im Iran engagieren, gehören die Autohersteller Renault und Peugeot sowie die Ölkonzerne Total und Royal Dutch Shell.

Als Reaktion auf die IAEA-Resolution hat der Iran bereits indirekt damit gedroht, die Arbeiten zur Uran-Anreicherung wieder aufzunehmen und unangemeldete Kontrollen internationaler Inspektoren in den Nuklearanlagen des Landes zu unterbinden. Angereichertes Uran kann zum Bau von Atomwaffen benutzt werden.

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