Wirtschaftliche Erholung hilft Peking
Hongkong steht vor einer Zitterwahl

Ein Grundstücksverkauf hält Hongkong wenige Tage vor der mit Spannung erwarteten Wahl des Parlaments (Legco) in Atem. Mit mehr als 530 Mill. Euro hat die Ex-Kronkolonie für ein lukratives Grundstück das höchste Gebot erhalten, das es seit der berüchtigten Immobilieneuphorie Mitte der neunziger Jahre in der Stadt gegeben hat. Der Immobilienboom war 1997 – als die Stadt in Chinas Arme zurückkehrte – von der asiatischen Finanzkrise abrupt beendet worden.

HONGKONG. Nun steht der Grundstücksverkauf als Beispiel, dass sich Hongkong wirtschaftlich als robustes Stehaufmännchen erweist. Von dem wirtschaftlichen Aufwind profitiert vor allem der im Volk wenig beliebte und von Peking eingesetzte Chef der Sonderverwaltungszone, Tung Chee Hwa. Bei der Legco-Wahl am Sonntag wird die Hälfte der insgesamt 60 Abgeordneten direkt gewählt. Die restlichen 30 werden von einem Gremium aus chinafreundlichen Berufs- und Geschäftsgruppen berufen. Das oppositionelle demokratische Lager hat derzeit 22 Sitze im Legco, die pekingnahen Parteien über 30 Sitze.

Der weit verbreitete Unmut in der Bevölkerung lässt jedoch die Demokraten hoffen. Im Juli hatten bereits Hunderttausende von Demonstranten in Hongkong für mehr Demokratie und gegen Peking demonstriert. „Das wird sehr knapp“, sagt der politische Analyst Cheung Bing-leung zur anstehenden Wahl. Er traut den Demokraten 28 Sitze zu.

Peking will das verhindern: „Wenn die Demokraten eine Mehrheit gewinnen“, wurde bereits im Februar in Chinas Zeitungen ein nicht namentlich genannter Offizieller zitiert, „muss Peking handeln.“ Ob das die Auflösung des Parlaments bedeuten würde, wurde nicht gesagt. Hongkong steht vor einer Zitterwahl.

Für Zorn in der Hongkonger Bevölkerung sorgte vor allem die Entscheidung des Volkskongresses in Peking vom April, dass der Regierungschef der Stadt künftig nicht direkt gewählt wird. Bei den für 2007 und 2008 geplanten Wahlen in Hongkong „wird die Methode der allgemeinen Direktwahl nicht angewandt“, hieß es. Das war ein Schlag ins Gesicht aller, die in der Exkolonie freie und direkte Wahlen fordern, und hatte zu dem Massenprotest geführt.

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