Wirtschaftliche Turbulenzen
Südkorea geht das Geld aus

Südkorea trifft die Finanzkrise besonders hart: Die Industrie hängt besonders am derzeit schwächelnden Export und die Investitionen aus dem Ausland gehen zurück. Der Regierung ist zwar eine kurzfristige Stabilisierung der Wirtschaft gelungen - doch die Aussichten sind unsicher.

SEOUL. Südkoreas Regierung stemmt sich gegen die Krisenfolgen in dem ostasiatischen Land. Die internationalen Turbulenzen greifen Korea an zwei Schwachstellen an: bei der Exportabhängigkeit der Großindustrie und einem hohen Investitionsanteil des Auslands. Präsident Lee Myung-Bak hat die Lage im Inland durch ein Hilfsprogramm stabilisiert. Zudem verspricht er den Banken genug Dollar-Kredite aus den staatlichen Vorräten für ihre Auslandsverpflichtungen.

"Das Grundproblem ist jedoch, dass ausländische Investoren ihr Kapital abziehen, was die Aktienkurse drückt und im Inland Dollar knapp macht", sagt Chang-Hyun Yun, Ökonom an der Universität Seoul. Hedge-Fonds und Banken bräuchten dringend Geld, so dass sie weltweit ihre Positionen auflösten. Weil diese institutionellen Anleger in ihre Heimatländer Dollar mitnähmen, verkauften sie Won am Devisenmarkt. Das drücke dessen Kurs und leere die Devisenvorräte der Banken.

Neben den Banken mit ihren Auslandskrediten sind auch Mittelständler betroffen: Mehr als 500 von ihnen haben in gefährliche Devisentermingeschäfte investiert. Infolge der unerwarteten Won-Abwertung müssen sie nun Summen aufbringen, die ihren Gewinn übersteigen.

Der derzeitige Zustand weckt - jedoch weitgehend zu Unrecht - fatale Erinnerungen an die asiatische Währungskrise von 1997. Damals waren die Einkommen eingebrochen und die Arbeitslosigkeit sprunghaft angestiegen. Einerseits sei ein ähnliches Szenario heute sehr unwahrscheinlich, sagt Ökonom Yun. Andererseits sei die Lage heute sogar ernster als damals. Anders als heute waren Europa und Amerika 1997 gesund und traten weiter als dankbare Abnehmer koreanischer Waren auf.

Korea mit seinen 45 Mio. Einwohnern ist erst kürzlich in den Kreis der voll entwickelten Ländern aufgerückt. Den Löwenanteil der Wirtschaftsleistung erbringen Großkonglomerate wie Samsung oder Hyundai durch den Export ihrer Waren. Diese Firmen leiden nun an Auftragsmangel. Der Außenhandel ist bereits ins Minus gerutscht - erstmals seit zehn Jahren. Als Problembranchen gelten Schiffsbau, Stahlerzeugung, Bauindustrie und IT. Bisher haben 570 Unternehmen um Hilfe gebeten, die Regierung hat bereits 386 Mrd. Won ausgeschüttet.

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