Wirtschaftlicher Annäherungsprozess
Indiens Unternehmen entdecken Brasilien

Noch vor kurzem war Indien für brasilianische Unternehmen und Regierungen ein weißer Fleck auf der Landkarte – und umgekehrt. Inzwischen hat sich die Lage fundamental verändert. Die Wirtschaft der beiden Schwellenländer ergänzt sich gut - doch auf dem Weltmarkt konkurrieren sie.

SÃO PAULO. Gerade mal 500 Mill. Dollar betrug der bilaterale Handel zwischen den beiden großen Emerging-Markets noch im Jahr 2000. Investitionen von Unternehmen im jeweils anderen Markt existierten nicht. Der letzte große Staatsbesuch liegt ganze 40 Jahre zurück: Damals war es Indira Gandhi, die Brasilien besuchte.

Inzwischen hat sich die Lage fundamental verändert: Die Staatsvisite des indischen Premiers Manmohan Singh in Brasilien in der vergangenen Woche ist Ausdruck eines intensiven wirtschaftlichen Annäherungsprozesses. Die Unternehmen beider Länder entdecken zunehmend die Chancen auf dem jeweils anderen Markt.

Das drückt sich jetzt schon im Zuwachs des bilateralen Handels aus, der sich seit dem Jahr 2000 auf 2,3 Mrd. Dollar verfünffacht hat. Bis 2009 soll er sich noch einmal verdoppeln. Interesse zeigen auch Konzerne am jeweils anderen Standort: Indische Unternehmen interessieren sich vor allem für brasilianisches Know-how und Technologie bei alternativen Energien wie Ethanol und Biodiesel oder in der Landwirtschaft.

Zur Sicherung der eigenen Energieversorgung kündigen indische Konzerne massive Investitionen in Brasilien an: Der staatliche indische Ölkonzern ONGC hat von Shell in Brasilien für 1,4 Mrd. Dollar Öl-Explorationsfelder übernommen. Auch der private Bergbaukonzern Mine Planning & Construction wird 1,5 Mrd. Dollar in die Ölförderung in Brasilien investieren, den damit wichtigsten ausländischen Standort des Konzerns. „Unser Plan ist, in den nächsten 15 Jahren 18 Mrd. Dollar in Brasilien zu investieren“, sagt Simran Bedi, Geschäftsführer des Konzerns. Auch der größte indische Zuckerproduzent Bajaj Hindustan will 500 Mill. Dollar in Zuckerplantagen und Destillen in Brasilien stecken. „Die indischen Konzerne kommen spät, aber dafür umso aggressiver nach Brasilien“, sagt Rengaraj Viswanathan, im indischen Außenministerium für Lateinamerika zuständig.

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