Wirtschaftsbeziehungen: Argentinien auf Investorensuche

Wirtschaftsbeziehungen
Argentinien auf Investorensuche

Argentiniens Präsidentin Christina Kirchner kommt mit großer Wirtschaftsdelegation nach Deutschland und zur Frankfurter Buchmesse, um dort um Investoren zu werben. Doch Vertrauen in das eigentümliche Wirtschaftsmodell des Tangolandes besteht nur wenig.
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SAO PAULO. Es gibt kein Land in Lateinamerika, bei dem Ökonomen mit ihren Prognosen in den letzten zehn Jahren so oft falsch lagen wie Argentinien: Immer wieder haben auch renommierte Chefökonomen von Banken den völligen Kollaps der Volkswirtschaft prophezeit oder mindestens eine Hyperinflation und schwere Rezession. Doch bisher widerlegte Argentiniens Realität stets die Vorhersagen.

Diese Erfolgsgeschichte will Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner jetzt in Deutschland verbreiten: Am Dienstag eröffnet sie als Staatschefin des Gastlandes die Frankfurter Buchmesse. Danach reist sie mit einer großen Unternehmer-Delegation ihres Landes durch Deutschland, um Investoren zu werben.

Ein eigentümliches Wirtschaftsmodell

Am Mittwoch und Donnerstag ist sie Gastrednerin beim 61. Lateinamerika-Tag in Hannover, der wichtigsten Veranstaltung zur Intensivierung der Wirtschaftsbeziehungen zwischenn Deutschland und Lateinamerika.

Das jüngste Beispiel für den Prognosen-Wankelmut ist die Investmentbank Morgan Stanley: Noch vor zwei Monaten erwarteten die Experten ein Wachstum von 4,6 Prozent in 2010 – inzwischen haben sie die Prognose kommentarlos auf fast zehn Prozent mehr als verdoppelt. 2012 soll Argentiniens Wirtschaft um sechs Prozent wachsen. Ein Grund für die fehlerhaften Prognosen ist das eigentümliche Wirtschaftsmodell, mit dem die Ökonomen offenbar nicht viel anfangen können.

Eingeführt wurde es mitten in der schweren Krise 2001, als das Land seine Auslandsschulden nicht mehr bediente und die damalige Dollar-Bindung des Peso das Land ins Schuldenmeer trieb: Die Regierung besteuert seither einerseits die sprudelnden Einnahmen der Agrarbranche stark. Rund ein Drittel ihrer Exporterlöse müssen die Farmer dem Staat abgeben. Das geht, weil das Agrarland von den historisch hohen Preisen für Soja und Weizen profitiert. Andererseits schützt die Regierung mit dem schwach gehaltenen Peso die einheimische Industrie, die international wenig wettbewerbsfähig ist.

Kirchners Modell funktioniert auch unter der Herrschaft seiner Frau heute überraschend gut – zumindest auf den ersten Blick: Das vergangene Krisenjahr ausgenommen, wuchs die Wirtschaft des Landes seit 2003 durchschnittlich acht Prozent im Jahr. Der Höhenflug der Agrar-Preise sorgt erstmals seit Jahrzehnten für einen Haushalts-Überschuss, obwohl Kirchner immer mehr für Soziales und anti-zyklische Maßnahmen ausgibt: Sie verteilte drei Millionen Notebooks an Schüler, senkte die Steuern für Neuwagenkäufe und erhöhte großzügig das Kindergeld.

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  • Wer investiert freiwillig in ein Land, daß sich offensichtlich dem Sozialismus nähert?
    "Gier frißt Hirn"

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