Wirtschaftsbuchpreis
Wie Frankreich seinen Nachbarn sieht

Die Deutsche-Französin Odile Benyahia-Kouider hat den französischen Wirtschaftsbuchpreis gewonnen. Darin zeichnet sie ein Bild des modernen Deutschland – und zeigt, was die Franzosen über ihre Nachbarn denken.
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ParisDer französische Wirtschaftsbuchpreis ist am Donnerstag an eine Deutsch-Französin gegangen: Odile Benyahia-Kouider, Reporterin beim Magazin Nouvel Observateur, bekam ihn von Finanzminister Pierre Moscovici für „L’Allemagne paiera“ (Deutschland wird zahlen) verliehen. Auf 260 Seiten versucht sie, den Franzosen ein Bild des modernen Deutschland, seiner Menschen und der führenden Politiker zu vermitteln. Lesenswert ist es auch für Deutsche, die wissen wollen, was viele Franzosen über uns denken und welche Klischees noch immer im Umlauf sind. Oder die einfach nur schmunzeln wollen über die merkwürdigen Vorstellungen, die auch führende französische Politiker über Deutschland im Kopf haben. Etwa Nicolas Sarkozy, der mal eröffnete, er fühle sich „terrorisiert in Berlin, in Frankfurt übrigens auch“. Oder der frühere Chef seines Präsidialamtes Xavier Musca, der seinen Chef verteidigte: „Schauen Sie sich Berlin doch an, da gibt es keine Cafés wie bei uns!“

Seinen Titel verdankt das Buch einem Ausspruch von Louis-Lucien Klotz, dem Finanzminister von Georges Clémenceau, dem wichtigsten Architekten des unseligen Versailler Vertrages mit seinen unmäßigen Reparationszahlungen. Benyahia-Kouider hat festgestellt, dass in abgewandelter Form der Gedanke noch in manchen französischen Köpfen herumspukt: „Die Idee, der alte Feind habe eine untilgbare Schuld gegenüber Frankreich und den anderen europäischen Ländern, lebt noch.“ Dem hält die langjährige Deutschland-Korrespondentin entgegen, dass man nicht einerseits von der Bundesrepublik eine tragende, vielleicht führende Rolle in Europa erwarten und gleichzeitig im Stillen auf einen ewigen Schuldkomplex setzen könne.

Seite 1:

Wie Frankreich seinen Nachbarn sieht

Seite 2:

Das Land der Mutter verteidigen

Kommentare zu " Wirtschaftsbuchpreis: Wie Frankreich seinen Nachbarn sieht"

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  • Liebe HB-Redaktion,
    seit wann ist es unsachlich den Begriff "asoziale Reformen in Deutschland" zu nennen oder aus welchem Grund haben sie meinen Beitrag sonst zensiert !?

  • liebe HB-Zensur.
    Seit wann ist der Begriff "asoziale Reformen in Deutschland" ein Grund um einem Usachlichkeit vorzuwerfen ?

  • Liebe Handelsblatt wie können Sie so ein Foto ohne Erklärung zeigen? Dieser Mann ist kein "Franzose in süd-osten Frankreichs"! Er ist Jean Lassalle, mitglied der Assemblée nationale und stammt aus Südwest Frankreichs! Er ist um herum Frankreich gegangen (tour de France), um die "echte" Franzose zu treffen. Er trägt auf seinem Kopf ein "Béret basque" wie niemand, weil er aus dem Pays basque stammt, und eine Kravatte, weil er ein Abgeordnete ist. Sie müssen das Ihre Leser erklären. Sonst ist diese Foto auch ein lächerliches Klischee aber über Frankreich. Bitte bitte! (Entschuldigung für die mögliche Rechschreibfehler, ich bin französin...) Hélène

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