Wirtschaftsflaute in den USA
Bush kann wirtschaftlich kaum Pluspunkte sammeln

Die Wirklichkeit hat George W. Bush ein weiteres Mal überholt. „Die amerikanische Wirtschaft fährt mit Volldampf ins Jahr 2006“, verkündete der US-Präsident noch stolz zum Jahreswechsel. Drei Wochen später meldet sein Handelsministerium den stärksten Wachstumseinbruch seit drei Jahren.

NEW YORK. Im letzten Quartal 2005 stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal auf ein Jahr hochgerechnet nur noch um 1,1 Prozent – im dritten Vierteljahr waren es immerhin 4,1 Prozent.

Die wirtschaftliche Flaute trifft Bush zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Sind die Politstrategen im Weißen Haus doch gerade dabei, den Präsidenten als Vater eines neuen Wirtschaftsboom zu vermarkten. Seine wirtschaftliche Erfolgsbilanz soll im traditionellen Bericht des Präsiden-ten zur Lage der Nation (State of the Union) heute Abend neben den außenpolitischen Dauerthemen großen Raum einnehmen.

Die Administration beeilte sich denn auch, die Warnsignale herunterzuspielen. „Ich würde die Zahlen nicht überbewerten. Das Fundament der Wirtschaft ist gesund“, sagte Finanzminister John Snow. Unterstützt wird er dabei von vielen Ökonomen an der Wall Street, die die deutliche Konjunkturabschwächung eher als Verschnaufpause bewerten und auch in diesem Jahr wieder mit einem soliden Wirtschaftswachstum von etwa 3,5 Prozent rechnen.

Auf den ersten Blick kann sich die wirtschaftliche Bilanz von US- Präsident Bush durchaus sehen lassen. Behalten die Auguren Recht, schöpft die Wirtschaft ihr Wachstumspotenzial voll aus. In den letzten zwei Jahren wurden jeweils mehr als zwei Millionen neue Jobs geschaffen, die Arbeitslosenquote liegt bei 4,9 Prozent. Die Inflation ist niedrig, die Börsen sind wieder obenauf.

Dennoch ist es Bush bislang nicht gelungen, dafür die politische Ernte einzufahren. Nach einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg und der „Los Angeles Times“ sind 59 Prozent der Amerikaner mit der Wirtschaftspolitik ihres Präsidenten unzufrieden. Fast die Hälfte glaubt sogar, es gehe dem Land schlechter als zu Beginn der Bush-Ära. „Das Wachstum ist relativ gesund, aber die Leute spüren es nicht“, sagt der frühere Clinton-Berater Roger Altman. Meinungsforscher sprechen von einem „disconnect“ (Entkoppelung) von subjektiver Wahrnehmung und Realität. „Es gibt weniger Optimismus als es die harten Wirtschaftsdaten nahe legen“, sagt Andrew Kohut vom Pew Research Center in Philadelphia.

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