Wirtschaftsflaute
Katzenjammer in Hongkong

Protestierende Arbeitslose, leere Geschäfte - bisher kannte man in Hongkong solche Bilder bestenfalls aus dem Fernsehen. Doch die Wirtschaftskrise stürzt auch die einst boomende Metropole in die Rezession. Auf Prunk und Party folgen derzeit Pech und Pleiten.

HONGKONG. Das "Yummi Yummi" hat schon aufgegeben. Der Imbiss in guter City-Lage, an dessen Plastiktischen einst Hongkonger Büroangestellte auf dem Heimweg gern noch eine Suppe löffelten, verkündet sein Ende auf einem schlichten Blatt Papier: "Laden zu vermieten." Um die Ecke hängt eine Mitarbeiterin von Ricacorp Properties die Tafeln mit den Mietangeboten ab. "Heute ist Feierabend, und nächste Woche ist Schluss", sagt sie: "Wir machen diese Filiale dicht."

In der Glitzerstadt Hongkong macht sich Katzenjammer breit. Die Wirtschaftsflaute hat auch Asiens Metropole der Millionäre erreicht. Erstmals seit der Asienkrise verkündet die Stadt eine Rezession. Im 3. Quartal sank das Wachstum um 1,4 Prozent. Eigentlich rechnet nur die Führung der chinesischen Sonderverwaltungszone für 2009 noch mit einem Wachstum. Aber auch sie hat die Prognose deutlich von fünf auf drei Prozent gesenkt.

In Hongkong gehören inzwischen protestierende Arbeitslose, leere Geschäfte und blasse Banker zum Alltag. Die Makler haben alle Preise durchgestrichen, die Angebote liegen nun um 20 bis 40 Prozent darunter. Schon macht sich ein Hauch von Panik breit. "Besitzer hat Job verloren, will dringend verkaufen", verkündet eine Anzeige für ein Appartement im Kam Fun Mansion die neue Realität in der Luxusstadt.

Jetzt hofft die sonst so finanzstarke Stadt auf das Weihnachtsgeschäft. Die Einkaufsmeilen werden mit so viel Glitzer ausgerüstet wie kaum zuvor. "Die Budgets wurden ja lange vor der Krise gemacht", sagt ein Manager. Auch die Edelhotels setzen auf Luxusangebote und Trüffel-Dinner wie eh und je. Doch die obligatorischen Geschenkkörbe fallen dieses Jahr nicht mehr ganz so extravagant aus wie noch 2006 - da wurde ein "Präsentkorb" für 45 Mill. Euro angeboten, Privatjet inklusive.

Statt Prunk und Party gibt es dieses Jahr eher Pech und Pleiten. Und es trifft nicht nur Angestellte und Imbissbuden. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass das "Hardrock Cafe" in Hongkong nächste Woche dicht macht. Die Touristenattraktion werde erst wieder eröffnen, wenn die Zeiten besser seien, hieß es. Und alle großen Banken haben bereits den Abbau von Arbeitsplätzen in Hongkong angekündigt. HSBC hat gestern nochmal nachgelegt - nun müssen mehr als 500 Banker gehen.

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