Wirtschaftsforscher
Euro-Zone vor „chaotischem Zerfallsprozess“

Die Griechenland-Debatte zeigt einmal mehr die Unfähigkeit der Politik, tragfähige Lösungen zu finden. Ökonom Horn sieht den Fehler vor allem bei der Bundesregierung, deren Vorschläge er sogar für brandgefährlich hält.
  • 18

DüsseldorfIn der Debatte um eine Beteiligung privater Gläubiger an den Kosten der Griechenland-Rettung hat der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, die Bundesregierung scharf kritisiert. Das Verhalten der Banken, die erklärt hatten, sich nicht ohne Gegenleistung am nächsten Rettungspaket für Griechenland beteiligen zu wollen, sei vorhersehbar gewesen. Das Konzept der Bundesregierung einer Gläubiger-Beteiligung „war von Anfang an nicht tragfähig und diente allein der politischen Beruhigung“, sagte Horn Handelsblatt Online.

Es füge sich ein in die seit Beginn der Euro-Krise „völlig unzureichende politische Kommunikation der Bundesregierung, die sich zunächst immer hart gegenüber den Krisenländern gibt, um dann am Ende im Angesicht der Realität doch nachgeben zu müssen“.

Ein solches Vorgehen zerstöre die politische Akzeptanz der Hilfsprogramme, sagte der IMK-Chef. „Setzt die Bundesregierung diesen Kurs fort, wird sie am Ende die Währungsunion in einen chaotischen Zerfallsprozess mit unübersehbaren wirtschaftlichen Schäden für Deutschland und Europa treiben.“

Die Einschätzung Horns wird gestützt von den jüngsten Ansagen der Ratingagenturen. So machte der der Chef der Ratingagentur Fitch für die Region Asien-Pazifik, Andrew Colquhoun, unmissverständlich klar, dass ein freiwilliger Tausch von griechischen Staatsanleihen als Zahlungsunfähigkeit eingestuft werden würde. Selbst wenn ein solcher Beitrag privater Gläubiger nach dem Modell eines sogenannten „Rollover“ organisiert werde, ändere dies nichts an der Einschätzung. Die Aussagen lösten einen Kursrückgang des Euro an den asiatischen Devisenmärkten aus. Die Euro-Finanzminister beschlossen am Montag, die nächste Kredittranche nur dann nach Athen zu überweisen, wenn das griechische Parlament das geplante Sparprogramm bis Ende Juni verabschiedet.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy haben sich zuletzt darauf geeinigt, einen Beitrag privater Gläubiger auf freiwilliger Basis anzustreben und dabei die Wiener Initiative zum Vorbild zu nehmen, die auf einem „Rollover“ der Anleihen beruhte. Damit soll die Feststellung eines Zahlungsausfalls und die damit verknüpften Folgen an den Finanzmärkten vermieden werden.

Kommentare zu " Wirtschaftsforscher: Euro-Zone vor „chaotischem Zerfallsprozess“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • An "Icke" folgende Bemerkung:
    Ich glaube nicht, dass die Probleme größer werden würden, denn man hätte viel Zeit gewonnen in der man auf die Problemländer Einfluß nehmen könnte.

  • "Macht endlich eine Euroanleihe für die Kreditaufnahme aller Euroländer. Damit wäre das gesamte Problem erst einmal für viele Jahre vom Tisch."

    Tolle Idee.
    Zugunsten eines Aufschubs nimmt man in Kauf das die Probleme immer größer werden.
    Ist Ihnen noch nie der Gedanke gekommen das ein großer Teil unserer heutigen Probleme von solchen Handlungsweisen herrührt?

  • Macht endlich eine Euroanleihe für die Kreditaufnahme aller Euroländer. Damit wäre das gesamte Problem erst einmal für viele Jahre vom Tisch. Kein Land würde dann auch nur einen Euro für ein anderes leisten müssen.
    Johannes Suska

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%