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Wirtschaftsforum beginnt: Ratlos in Davos

Die globale Elite sucht in den Schweizer Bergen nach langfristigen Lösungen. Das Schlimmste der Krise scheint zwar überwunden, doch niemand weiß, wie es weitergehen soll. 2 500 internationale Teilnehmer suchen den Weg in die Zukunft.

Beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos werden neue Wege gesucht. Quelle: dpa
Beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos werden neue Wege gesucht. Quelle: dpa

HB DAVOS. "Was immer Du tun kannst oder erträumst zu können, beginne es. Kühnheit besitzt Genie, Macht und magische Kraft. Beginne es jetzt!" Mit diesem Aufruf leitet das World Economic Forum (WEF) seine Jubiläumsschrift zum 40-jährigen Bestehen ein. Der Kontrast zwischen der fälschlicherweise Goethe zugeschriebenen Ode an die Kühnheit des Menschen und der gegenwärtigen Geistesverfassung der globalen Elite, die sich in den kommenden vier Tagen in Davos trifft, könnte jedoch größer nicht sein. Der von Thomas Mann beschriebene „Zauberberg“ liegt in dichtem Nebel.

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Statt Aufbruchsstimmung herrscht in der Führungselite nach der Finanz- und Wirtschaftskrise eine lähmende Verzagtheit. Statt Genialität und magischer Kraft spürt man überall eine bleierne Ratlosigkeit. Just in dem Moment, in dem das Schlimmste für die Wirtschaft überstanden scheint, ist die Krise in den Köpfen angekommen. Quo vadis? Niemand kennt im Moment eine Antwort auf die Frage, die man nicht nur an die Finanzbranche, sondern an unsere kapitalistische Wirtschaftsordnung als Ganze stellen muss.

Das WEF hat deshalb gut daran getan, das Treffen in Davos unter das Motto „Rethink, Redesign, Rebuild“ zu stellen. Vielen dämmert es, dass wir nach dem hektischen Krisenmanagement der vergangenen zwei Jahre nicht einfach zur Tagesordnung übergehen können. Mit Ausnahme von China und einigen anderen Schwellenländern wird kein Land in den nächsten Jahren an den letzten Boom anknüpfen können. Wirtschaftswachstum, Firmengewinne, Börsenrenditen – all das wird für die meisten spürbar geringer ausfallen. Pimco-Chef Mohamed El-Erian beschreibt diese „neue Normalität“ als eine Ära, in der „das globale Wachstum geringer, die Arbeitslosigkeit höher, der Einfluss des Staats größer und das Finanzsystem weniger kohärent“ sein werde. Der angelsächsische Finanzkapitalismus ist auf dem Rückzug, doch noch haben wir keinen Ersatz gefunden.

Zumindest dem westlichen Teil der Welt könnten sieben Dürrejahre mit biblischer Dimension drohen, wenn der Elite nichts Besseres einfällt. Umso wichtiger ist es, dass in Davos die richtigen Schlüsse aus der Krise gezogen werden

  • 27.01.2010, 12:58 UhrAnonymer Benutzer: Stefan L. Eichner

    Seit 40 Jahren trifft sich die Elite in Davos und vor etwa 40 Jahren gab es in der Wirtschaftspolitik der industriestaaten ein Umdenken, einen Paradigmenwechsel: Die Großunternehmung rückte als die scheinbar verlässlichste Quelle von innovation, Wachstum und beschäftigung in den Fokus der Wirtschaftspolitik. Konzerne sollten deswegen entstehen – und genau dies wurde seitdem systematisch gefördert. Und weil für die Finanzierung von Konzernen die Existenz großer banken entscheidend ist, wurde ebenso die Entstehung großer banken gefördert.

    Mit diesem Paradigma geriet die zweite Säule der Wirtschaft, die kleinen und mittelständischen Unternehmen, und ihr möglicher beitrag zu innovation, Wachstum und beschäftigung immer mehr ins Hintertreffen.

    Wir haben deswegen heute ein globales Wirtschaftssystem, das bildlich gesprochen einem Riesen gleicht, der auf zwei ungleich langen und ungleich starken beinen zu stehen versucht. Und genau hier liegt die Crux: Das ist es, was nicht mehr funktioniert und auch nicht mehr funktionieren kann. Denn das starke bein ist es, welches dem schwachen bein die für sein Wachstum und seine Stärke die notwendige Nahrung entzogen und den Riesen in eine prekäre, höchst instabile Lage gebracht hat – mit Hilfe der Politik.

    Man braucht kein Prophet sein, um prophezeien zu können, dass in Davos keine wirkliche Lösung für das Dilemma gefunden werden wird, in dem Finanzindustrie und globale Wirtschaft stecken. Obamas idee ist richtig und sie wird aus naheliegenden Gründen den wenigsten dort gefallen. Die Überlegungen und Vorschläge werden sich deswegen letztlich darauf richten, wie man den wankenden Riesen mit den zwei ungleichen beinen stützen kann, damit er auf einem bein stehen lernt. Denn in Davos treffen sich diejenigen, die seit 40 Jahren daran glauben wollen, dass es geht – gehen muss!

    Das diesjährige Motto des Treffens ändert nichts daran. Politik und Konzerne werden tun, was sie auch bisher schon getan haben.

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