Wirtschaftskraft lässt nach
Scheinriese Putin

Putin markiert den starken Mann – doch in Wahrheit ist er schwach. Sein Land ist auf ausländisches Kapital angewiesen. Die Wirtschaft befindet sich auf dem Weg in die Rezession. Wo Russland verwundbar ist.
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DüsseldorfEin Ergebnis wie in besten Sowjet-Zeiten: Bei dem Referendum auf der Krim sollen 96 Prozent der Bewohner für eine Abspaltung von der Ukraine gestimmt haben. Der Anschluss der Halbinsel an Russland scheint nur noch eine Frage von Tagen zu sein. Russland hat eine Waffenruhe bis Freitag zugesagt. Das klingt nicht nach Diplomatie, sondern nach einer Drohung.

Unmissverständlich demonstriert Wladimir Putin seine Macht. Niemand scheint ihm etwas entgegen setzen zu können. Doch der russische Präsident ist nicht so stark, wie er vorgibt. Russland ist zwar militärisch in der Region übermächtig. Aber wirtschaftlich ist das Land anfällig. Der Kurs, den Putin eingeschlagen hat, führt direkt in eine Wirtschaftskrise.

Auf den ersten Blick sieht Russland wie eine Großmacht aus: Das Land steht für einen Anteil von knapp drei Prozent am weltweiten Bruttoinlandsprodukt und für knapp fünf Prozent am Welthandel. Aus Russland kommen 13 Prozent des weltweit des gehandelten Öls. Die russische Notenbank verfügt über fast 500 Milliarden Dollar an Devisenreserven – die Verschuldung im Ausland ist durch diese Reserven fast vollständig gedeckt. Und nicht zu vergessen: Russland sitzt im Weltsicherheitsrat.

Doch schon vor der Krim-Krise befand sich die russische Wirtschaft in keinem guten Zustand. Das Wirtschaftswachstum ließ stark nach. Investoren haben Kapital abgezogen. Jetzt kommt hinzu, dass internationale Sanktionen die Lage noch verschärfen und die Wirtschaftsbeziehungen mit dem Westen verschlechtern könnten. „Die wirtschaftliche Situation zeigt Anzeichen einer Krise“, räumt Vize-Wirtschaftsminister Sergej Beljakow ein. Auch die Analysten der russischen Bank VTB Capital stellten fest, die Wirtschaft stehe wegen der allgemeinen Unsicherheit „unter Schock“. Bei vielen Unternehmen gebe es einen Investitions- und Einstellungsstopp und auch die privaten Haushalte hielten sich bei ihren Ausgaben zurück. Eine Rezession sei kaum noch vermeidbar.

Der Westen stellt sich an die Seite der Ukraine. Moskau werde „einen Preis zahlen“ müssen, ließ US-Präsident Barack Obama am Sonntagabend nach dem Referendum auf dem Krim mitteilen. Die ersten Maßnahmen folgten am Montag - sie richten sich gegen russische Politiker. Ab sofort dürfen bestimmte Personen nicht mehr in die USA oder EU einreisen. Konten werden eingefroren. Auf der Schwarzen Liste stehen unter anderem die Namen von dem pro-russichen Krim-Anführer Sergej Aksionow oder dem stellvertretenden Präsidenten der russischen Duma, Sergej Schelesnjak. Noch schreckt der Westen vor weiteren Strafaktionen zurück, auch weil man weiß, dass sie auf Europa und insebesondere Deutschland zurückfallen werden. Doch die nächste Stufe der Eskalation ist nicht ausgeschlossen. Das wären Beschränkungen, die Handel und Kapitalverkehr insgesamt betreffen; Maßnahmen, die sonst gegen sogenannte Schurkenstaaten wie Iran, Irak, Libyen oder Nordkorea zum Einsatz kommen.

Kommentare zu " Wirtschaftskraft lässt nach: Scheinriese Putin"

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  • Mit viel Freude machen die USA Sanktionen gegen Russland,die US-Politiker haben selbst die Sanktionsgruende initiiert.

    Ursache aller Probleme sind das Expansionismus der Nato+Europa ostwaerts unterstuetzt von USA,die panisch sind das Europa voellig mit Russland kooperiert,weil dann verliert die USA viel an Bedeutung.Planetarisch gesehen ist die Kooperation Europa mit Russland richtig,weil Russland ueber 25% aller globalen Bodenschaetze verfuegt,woran Europa so arm ist.Europa ist reich an IndustieAnlagen,technische Verfahren,industielle Produkte woran Russland so arm ist.Deshalb muessen Politiker die diese UkraineKrise verursacht haben,in die Schranken gewiesen werden als falsche Zukunft fuer Europa.Besonders Laender wie Polen+Litauen die aus historischen Gruenden noch von der polnisch/litauischen Union traeumen.Eine Verbesserung der Situation koennte kommen wenn Ukraine die Moeglichkeit geboten wird zwischen beiden Bloecken zu leben,also zwischen EU+Russland,was dann automatisch die Kooperation zwischen EU+Russland befoerdern wurde+das Auseinanderfallen des Landes verhindern wuerde
    Konsequenzen fuer die Europawahl wird es am 22. Mai bestimmt geben

  • Kleine Männer sind gefährlich und halten zusammen. Sonst hätte Gazprom-Gerd Herrn Putin nicht als den "lupenreinen Demokraten" bezeichnet ! Klar ist aber das wir unsere Bezugsquellen für Gas auf mehrere Schultern packen müssen.
    Es reicht doch wohl schon das wir - die BRD - über 7 Milliarden für die Ostseepipeline ausgegeben haben. Herr Schröder hat das mächtig forciert und heute wissen wir weshalb ! Und trotzdem haben die Russen kein Problem uns das Gas zu sperren. Und trotz der Zahlung für die Pipeline hat Gazprom die Preise erhöht..... aber die Ukraine hat 30 % Sonderrabatt bekommen. Vielleicht sollte man mal Druck bei Schröder machen ?????

  • Scheinriese EU. Wo sind unsere Rohstoffe? Wir sind von allem abhängig und voller Schulden.

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