Wirtschaftskriminalität
Die Steuer-Party ist vorbei

Die Regierung schätzt, dass dem Staat 40 bis 50 Milliarden Euro jährlich verloren gehen, weil Steuervorschriften missachtet werden. Damit soll jetzt Schluss sein. Steuerfahnder Nikolaos Lekkas soll das Geld eintreiben.
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AthenWenn Nikolaos Lekkas von seiner Arbeit berichtet, dann entsteht ein Bild von einem Griechenland, das nur wenig mit den Klischees zu tun hat. „Die Party der Steuerhinterziehung in Griechenland ist vorbei“, sagt er. Lekkas plant und koordiniert bei der Athener Sonderbehörde zur Bekämpfung der Wirtschafts- und Finanzkriminalität (SDOE) die Steuerfahndung.

Lekkas ist damit mehr als ein normaler Beamte. Die Politiker in Athen können noch so viele Reformen beschließen, noch so sehr über den Staatshaushalt schwadronieren: Wenn Lekkas nicht wirksam die Jahrzehnte lang übliche Steuerhinterziehung in Griechenland bekämpft, bleiben alle Politikwechsel wirkungslos.

Lekkas weiß um die Aufgabe, und spart nicht an Aktionen. Vor zwei etwa Wochen deckten seine Leute einen Fall auf, in dem es um 135 Kilogramm Gold und 500 Kilogramm Silber ging. Das Edelmetall hatte seinen Weg über Pfandleihhäuser genommen, in denen klamme Griechen aus Schmuck Bares machen. Quittungen und Belege gab es keine, doch später tauchte der Stoff bei einer Firma vermeintlich ordnungsgemäß deklariert wieder auf. Bis die Steuerfahnder dazwischen gingen.

Mehrwertsteuer-Betrug, Scheingeschäfte, undeklarierte Einkommen, teure Yachten aus fragwürdiger Quelle – die Liste der Baustellen, auf denen die Steuerfahnder der SDOE unterwegs sind, ist lang. „Unsere Behörde muss ein Gespür für den Markt bekommen“, erläutert Lekkas. „Sie muss sich in die Strategien der anderen Seite hineindenken und danach ihre Arbeit ausrichten.“ Am Ende der Fahndungsarbeit steht oft ein Einsatz mit Blaulicht und bewaffneten Beamten. Das Entscheidende aber sei gute Recherche im Hintergrund.

Insgesamt, schätzt die Regierung, gehen dem Staat 40 bis 50 Milliarden Euro jährlich verloren, weil Steuervorschriften missachtet werden. „Wenn wir nur 40 Prozent davon eintreiben könnten“, sagt Lekkas, „dann wäre hierzulande Haushaltsproblem praktisch gelöst.“

Kommentare zu " Wirtschaftskriminalität: Die Steuer-Party ist vorbei"

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  • Griechenland kann machen was sie wollen---aber doch nicht in der EURO-Zone !!! Das ist doch der Gipfel an Unverschämtheit,dass man von anderen Staaten Hilfe erbittet
    und selbst keine Steuern kassiert von den Unternehmern.
    Man liest seit Monaten davon, dass jetzt eine Liste der Namen von denen veröffentlicht werden soll die mehr als 150000 Euro Steuern schulden. Noch sei es aber nicht geschehen.-- Aber da müsste eben Europa/Brüssel/IWF/etc auch darauf bestehen, dass so was nicht geht ! Und wir sollten weitere Zahlungen / Garantieen etc einstellen.

  • Die Frage ist wohl eher die was Herr Spinelli als Suendenbockkompensation bekommen hat an Geld, Rentenanspruechen und aehnlichem. Er war halt politisch nicht mehr tragbar. Das heisst gar nichts.

  • Wer´s glaubt wird selig und kennt die jahrzehntelang eingespielten Korruptionsnetzwerke der dritte Welt Laender wirklich gar nicht. So was sieht man ja oefter mal aber erst will ich mal echte Resultate sehen (keine griechische Statistik bitte sondern Kontoauszuege) und Funtionaere und Politiker hinter Gittern. Wird nicht passieren, wetten das... Die Jungs beim Zoll und bei der Fahndung verdienen doch auch kraeftig mit. Sobald alle deutschen Ersparnisse abgeliefert sind geht das weiter wie bisher.Ist nicht der neue Ministerpraesident der der Griechenland "fit fuer den Euro" gemacht hat, also der der die gefaelschte Statistik abgegeben hat ??

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