Wirtschaftskrise der Ukraine
Ganz nah am Abgrund

Der Internationale Währungsfonds prognostiziert für die ukrainische Wirtschaft einen Einbruch um mehr als sieben Prozent. Doch das ist das optimistische Szenario. Es könnte noch schlimmer kommen. Das hat mehrere Gründe.
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DüsseldorfDie Ukraine braucht nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) möglicherweise mehr Finanzhilfen als bisher angenommen. „Eine weitere Verschärfung der geopolitischen Spannungen könnte erhebliche ökonomische Konsequenzen haben“, warnt der Fonds in einem aktuellen Bericht.

Bisher hat der IWF für dieses und nächstes Jahr 17 Milliarden Dollar an Hilfen für die Ukraine fest zugesagt. Seine Experten rechnen für 2014 mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung um 7,25 Prozent.

Doch das ist nur die optimistische Prognose. Sie setzt voraus, dass sich bald eine Lösung des Konfliktes im Osten des Landes abzeichnet. „Das Programm hängt entscheidend von der Annahme ab, dass der Konflikt in den kommenden Monaten nachlässt“, schreibt der IWF. Falls der Konflikt das gesamte Jahr 2015 weitergehe, könnte die Ukraine alleine weitere 19 Milliarden Dollar benötigen, um die Reserven der Zentralbank aufzustocken. Dann werde „eine neue Strategie benötigt,“ zu der auch stärkere Einsparungen und schärfere Reformen gehören könnten.

Ukraine-Experte Robert Kirchner von der auf Osteuropa spezialisierten Beratung Berlin Economics hält Wachstumsprognosen für die Ukraine derzeit für sehr schwierig. „Absehbar ist ein deutlicher Rückgang der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr“, sagt er. Das liege zum einen am Konflikt im Osten der Ukraine – zum anderen an den Problemen im Handel mit Russland und der unterbrochenen Gaszufuhr.

Direkt betroffen vom Konflikt im Osten des Landes sind die beiden Regionen Donezk und Lugansk, die zusammen 16 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmachen und etwa ein Viertel der Industrieproduktion. Doch auch in anderen Landesteilen  macht sich der Konflikt bemerkbar. „Der Krieg im Osten hat auch starke indirekte Auswirkungen, zum Beispiel durch die Unterbrechung von Lieferketten“, sagt Kirchner. So nimmt beispielsweise Metinvest, der größte Stahlproduzent der Ukraine, derzeit keine neuen Aufträge entgegen. Das Unternehmen will angesichts der unsicheren Versorgungslage zunächst die bestehenden Aufträge abarbeiten.

Noch schwieriger könnte die Lage werden, wenn Russland das Freihandelsabkommen mit der Ukraine aufkündigt. Seit 2013 bereits gibt es stärkere Restriktionen an der Grenze – besonders für Nahrungsgüter wie Käse. Obwohl der Handel mit Russland zuletzt zurückgegangen ist, machte er noch etwa 25 Prozent der Exporte aus. Besonders für den Maschinenbau ist Russland ein wichtiger Markt.

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  • die Gasschulden und restlichen Kredite die im Herbst fällig werden betragen bereits 30 Milliarden. Hinzu kommen die Schulden für Rüstungsgüter die aktuell gemacht werden. Dann die Instandsetzung der Bergwerke, Kliniken, Straßen und der rstlichen Infrastuktur, die von Ukrainern zerbomt wurde. Die Unterbringung von 2 - 3 Millionen Menschen in Notunterkünften und deren Unterhalt bis die Firmen in der Ostukraine wieder aufgebaut sind. Das dürften bequem noch mal 30 Milliarden werden.

    Da sind die 17 vom IWF gerade mal knappe 25 % des benötigten Geldes.

    Und Firmen die dort investieren? Wer noch alle Tassen im Schrank hat wird das sein lassen - denn es bleibt abzuwarten bis die Nazis der Ukraine wieder los legen. Das Volk dort ist unzufrieden - wär ich auch wenn ich dort leben müsste. Keine anständigen Jobs, nichts vernünftiges in den Geschäften - die WQelt dort ist wie hier Anfang der 60er. Nur wir wussten damals, dass wir anpacken müssen um was draus zu machen - mit demonstrieren hätten wir auch nix erreicht.

    Die Leute vom Maidan haben doch fast alle bei Interviews gesagt, dass sie demonstrieren für bessere Jobs. Nur, die fallen nicht vom Himmel - dafür muss man arbeiten und nicht demonstrieren und erst recht nicht bomben.

    Die Menschen sind noch immer wie im Kommunismus und warten, dass man Ihnen gibt. Aber in der "Freiheit" muss man sich selbständig machen - etwas auf die Beine stellen - dann erst wird das was. Doch dafür müsste die Kultur dieses Volkes sich massiv verändern.

  • Also, da habe ich mich wohl getäuscht.
    Hollande ist umgekippt, dieses vertragsuntreue Weichei.

    Bin mal gespannt ob er sich auch um die fällige Konventionalstrafe drücken will.

    Hollande ist ein sehr zweifelhafter Charakter, was auch seine verfossene Lebensgefährtin, deren Buch morgen in Paris veröffentlich wird, leidvoll erfahren musste.

  • Herr Schäuble hat sich doch zum Thema Ukraine schon geäußert und vor der Prese erklärt:" Bezüglich der Ukraine spielt Geld keine Rolle." Ist ja nicht sein Geld !!!
    Zum Vergleich :
    Griechenland hat ca. 10,7 Millionen Einwohner und schon insgesamt, alles in allem, über 300 Milliarden Euro an Hilfen erhalten, wir Deutsche haften bezüglich der EU mit 27 %.
    Die Ukraine hat über 40 Millionen Einwohner, ist noch mehr bankrott als Griechenland. Zudem sind die Politiker dort um ein Vielfaches korrupter (ja das geht), als in Griechenland. Da kann sich nun jeder ausrechnen, was uns das Kosten wird. Danke EU und danke liebe Regierung !!

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